Komm Gu(r)t an: ACE zählte Gurtmuffel vor Grundschule Pulvermühle

Alles super bei Gustav. Frank Fleischhauer ist zufrieden. Christine Riekmann und Swen Schulz freut’s.
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Haselhorst. Mit Gurt oder ohne? Der Auto Club Europa überprüfte vor der Grundschule an der Pulvermühle, wie es Autofahrer mit der Anschnallpflicht halten. Das Ergebnis war alarmierend.

Christine Riekmann war ebenso angeschnallt wie ihr Sohn Gustav, den sie morgens zur Grundschule am Grützmacher Weg 3 brachte. Der Siebenjährige saß sogar auf einem passenden Kindersitz. „Vorbildlich“, lobte Frank Fleischhauer. „Denn bei Weitem nicht alle Autofahrer schnallen sich an“, sagte der Regionalbeauftragte des Auto Clubs Europa (ACE) für Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Das ist ein Resümee der ACE-Aktion „Komm Gu(r)t an“, die der Club im Frühjahr bundesweit zum 40. Geburtstag der Gurtpflicht in Deutschland gestartet hat, um zu sehen, was sich in den letzten Jahren getan hat. Auch in Berlin zählten ACE-Mitglieder vor zehn Schulen mit Strichlisten Autofahrer und Beifahrer, die nicht angeschnallt waren. Die Grundschule an der Pulvermühle in Spandau war die letzte Berliner Schule auf der Liste.

Und so stand Frank Fleischhauer am 15. September von 7.30 bis 8 Uhr morgens vor der „Pulvermühle“ und zählte. Wo es sich ergab, sprach er die „Gurtmuffel“ an. „Ich will Autofahrer, die sich oder ihre Kinder im Fahrzeug nicht richtig sichern, zum Nach- und vor allem zum Umdenken bewegen“, sagte er. Denn Unfallforscher schätzen, dass der Anschnallgurt – rein statistisch gesehen – alle sieben Sekunden ein Menschenleben rettet. Für viele Autofahrer ist es auch selbstverständlich, sich den Gurt umzuschnallen. Doch eben nicht für alle. Seit seiner letzten Verkehrssicherheitskampagne 2006 registrierte der ACE eine Negativbilanz. Die Zahl der Gurtmuffel stieg bis heute von acht auf 16 Prozent. „Das ist alarmierend“, so Frank Fleischhauer.

Nur 12 von 17 Fahrern vorschriftsmäßig unterwegs

Vor der Grundschule an der Pulvermühle überprüfte der Verkehrsexperte in einer halben Stunde 17 Autos. Das Ergebnis: Nur in zwölf Autos waren Fahrer und Beifahrer, meist Kinder, vorschriftsmäßig angeschnallt. In vier Fällen fehlte der Gurt und in einem Fall saß das mitfahrende Kind nicht im Kindersitz. „So eine schlechte Bilanz habe ich nicht vermutet. Ich bin überrascht und zwar im negativen Sinne“, sagte Swen Schulz. Der SPD-Bundestagsabgeordnete unterstützte die Aktion vor der Schule als regionaler Schirmherr. Anlass für ihn waren ACE-Recherchen, nach denen 2014 bundesweit durchschnittlich jeder fünfte Verkehrstote zum Zeitpunkt des Unfalls nicht angeschnallt war. Dabei kann das nicht nur gefährlich, sondern auch teuer werden. So kostet eine Missachtung der Anschnallpflicht 30 Euro Verwarngeld. Das gleiche gilt, wenn ein mitfahrendes Kind nicht vorschriftsmäßig gesichert ist. Für ein überhaupt nicht gesichertes Kind muss der Fahrzeugführer 60 Euro, diesmal Bußgeld, zahlen und bekommt einen Punkt im Verkehrsregister. Beim gleichen Versäumnis mit mehren Kindern sind es 70 Euro plus Punkt.

Kinder bis zwölf Jahren, die kleiner als 1,50 Meter sind, dürfen nur in Autos mitfahren, wenn sie auf Rückhalteeinrichtungen sitzen, wie sie im Verkehrsrecht heißen. Nach Gewicht der Kinder gibt es vier verschiedene Sitzgrößen, über die die ACE-Broschüre „Sicher geschnallt“ informiert. uk

Autor:

Ulrike Kiefert aus Spandau

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