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Echter oder fauler Kompromiss? Runder Tisch Ilsestraße legt Ergebnisse vor

Weitläufige Innenhöfe zeichnen den Ilsekiez aus - noch. Die Howoge will achverdichten.
Weitläufige Innenhöfe zeichnen den Ilsekiez aus - noch. Die Howoge will achverdichten. (Foto: Berit Müller)

Rund 50 Wohnungen weniger, zwei statt drei nachverdichtete Innenhöfe, größere Abstände zwischen Neu- und Bestandsbauten: Auf diese und einige weitere Punkte hat sich der Runde Tisch Ilsestraße zum Bauvorhaben der Howoge in Karlshorst geeinigt. Doch während die einen das Ergebnis als Kompromiss loben, erklären andere den Runden Tisch für gescheitert.

Die städtische Howoge ist Eigentümerin der Wohnanlage Ilsestraße 18-78 und will im Karlshorster Ensemble mit seinen parkähnlichen Innenhöfen umfangreich nachverdichten: Etwa 230 zusätzliche Wohnungen, eine Kindertagesstätte und ein Blockheizkraftwerk sahen die Pläne ursprünglich vor. Das Bezirksamt hatte schon im Oktober 2016 beschlossen, das Bebauungsplan-Verfahren 11-125 „Wohnsiedlung Ilsestraße“ einzuleiten. Dessen Ergebnis soll festlegen, wie und in welchem Maße verdichtet wird. Am Ende des Verfahrens, das eine umfassende Bürgerbeteiligung vorsieht, entscheidet die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) über die Festsetzung des B-Plans.

Seit Juli vergangenen Jahres tagte zum Bauvorhaben der Runde Tisch Ilsestraße – insgesamt fünf Mal, zuletzt am 10. Januar. Das Gremium war einberufen worden, weil es gegen Art und Umfang des Howoge-Projekts massive Proteste der Anwohner gegeben hatte (wir berichteten). Am Runden Tisch versammelten sich neun feste Mitglieder, darunter Vertreter der Bürgerinitiative „Rettet den Ilsekiez“, des Bürgervereins Karlshorst, der BVV, des Bezirksamtes und der Howoge.

Ergebnis der Zusammenkünfte: Die geplante Bebauung im Ilsekiez soll um einiges abgespeckt ausfallen, teilten die für Stadtentwicklung zuständige Stadträtin Birgit Monteiro (SPD) als auch Howoge-Geschäftsführerin Stefanie Frensch mit. „Im Laufe der Diskussionen am Runden Tisch hat die Howoge ihre Planung mehrfach reduziert“, erläutert Birgit Monteiro. „Nach mehreren Zwischenschritten stand der Vorschlag im Raum, einen Hof freizulassen und nur noch 187 Wohnungen zu bauen. Nachdem außerdem die Abstände zur Bestandsbebauung vergrößert wurden, hat das Gremium dieser Fassung mehrheitlich zugestimmt.“ Die sieht Folgendes vor: Nicht bebaut werden soll der südwestliche der drei Höfe. An der Marksburgstraße entstehen ein Randhaus sowie ein Sonderbau mit Kita und Wohnungen.

Der Runde Tisch votierte für den sogenannten Howoge-Entwurf C, allerdings mit einer Vergrößerung der Abstände zwischen der Kopfseite der neuen und der Längsseite der alten Häuser. Die Neubauten im südlichen Hof sollen vier Vollgeschosse, die im nördlichen fünf Stockwerke nicht überschreiten. Ist ein Dachausbau oder Geschossaufbau geplant, soll ein Modellvorhaben vorab mögliche Auswirkungen prüfen.

Über all diese Punkte stimmten die Mitglieder des Runden Tisches einzeln ab, die meisten fanden zwar eine deutliche Mehrheit, es gab aber auch Enthaltungen und Nein-Stimmen. Denn die Bürgerinitiative „Rettet den Ilsekiez“ hatte einen eigenen Vorschlag zur Nachverdichtung vorgelegt, den „Wiesenpark Karlshorst“.

Er sieht vor, die Grünflächen zu erhalten, die vorhandenen Häuserriegel stattdessen aufzustocken und mit Aufzügen auszustatten. „Diesem Entwurf zollten alle Beteiligten am Runden Tisch großen Respekt“, so Birgit Monteiro. „Die Realisierung wurde am Ende aber auch wegen der Folgekosten für die Mieter und Beeinträchtigungen während der Bauzeit von der Mehrheit des Runden Tisches verworfen.“ Nun sollen einzelne Elemente des „Wiesenparks“ gemeinsam mit der Howoge und den Mietern entwickelt werden und in die künftige Freiraumplanung Eingang finden.

Die Vorsitzenden der Linksfraktion in der BVV, Kerstin Zimmer und Norman Wolf, zeigen sich vom Ergebnis des Runden Tischs enttäuscht: „Die Zusage der Howoge, die Abstände zwischen Neu- und Altbauten an zwei Stellen um wenige Meter zu vergrößern, kann nicht als ernsthafte Alternative zur Innenhofbebauung verstanden werden“, kommentieren sie. „Das ist Kosmetik, die über das Scheitern eines tragfähigen Kompromisses hinwegtäuscht.“

Auch die CDU-Fraktion erklärt den Runden Tisch Ilsestraße für gescheitert. „In wesentlichen Punkten wurde kein Einvernehmen zwischen Anwohnern und Bauherren erzielt“, so Benjamin Hudler, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU. „Das Bezirksamt sollte nun den Mehrheitswillen der BVV umsetzen und mit einem Bebauungsplan, der maximal eine Randbebauung zulässt, die grünen Innenhöfe sichern.“

Stefanie Frensch ist hingegen zuversichtlich: „Wir freuen uns sehr, dass der Runde Tisch die Bemühungen der Howoge anerkannt hat, für den Ilsekiez eine städtebaulich verträgliche und nachhaltige Weiterbebauung anzustoßen. Wir werden die Planungen auch weiter im Dialog mit den Anwohnern umsetzen, um die Akzeptanz für unser Bauvorhaben weiter zu erhöhen.“

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