Schnelle Lösungen für Groß Glienicker See nicht in Sicht
"Kein akuter Handlungsdruck"

Der See droht langsam auszutrocknen. Hier sind es von der Uferkante bis zu den Bäumen fast schon zehn Meter.
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  • Der See droht langsam auszutrocknen. Hier sind es von der Uferkante bis zu den Bäumen fast schon zehn Meter.
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Der Groß Glienicker See hat ein Problem. Er ist sauber, verliert aber Wasser. Über das „Warum“ wird in Potsdam und Spandau schon seit Jahren debattiert. Schnelle Lösungen sind nicht in Sicht. Auf Berliner Seite besteht „kein akuter Handlungsdruck“.

Der Groß Glienicker See verliert seit 1960, dem Beginn der Wasserstandaufzeichnungen, beständig Wasser. Wie viel genau, darüber sind die Angaben unterschiedlich. Laut Senatsumweltverwaltung und Bezirksamt ist der Pegel von 2014 bis heute um etwa einen Meter gesunken. Andere Stimmen vermuten, dass es inzwischen anderthalb oder sogar drei Meter sind. Laut Messungen lag der höchste Wasserstand im Sommer 2016 nur noch bei 30,3 Metern. 1970 waren es dagegen noch gut 32,1. In der Summe also 1,80 Meter weniger in 46 Jahren.

Nun sind Schwankungen in Gewässern nicht ungewöhnlich. Umweltschützer und Experten sind sich aber einig: Der Grundwasserspiegel des Groß Glienicker Sees sinkt schneller als in umliegenden Gewässern. Der See selbst gilt als gesund. Es muss also andere Ursachen haben. Hitze, Verdunstung, zu wenig Regen? Sind es die vielen Baumaßnahmen in der Region? Pumpen Anlieger zu viel ab, um ihre Gärten zu wässern? Oder könnte die Entnahme von Wasser durch vorhandene Leitungen im Rahmen der Wasserförderung der Grund sein?

Auf einer Konferenz gab es viele Vorschläge

Nur eine, alles erklärende Antwort gibt es nicht. Dafür ist das Problem zu komplex. Fest steht aber, der Groß Glienicker See hat keinen natürlichen Zufluss und speist sich ausschließlich übers Grundwasser. Und das allein reicht nicht aus, um den Wasserstand zu halten – mit Folgen für die Natur. Die Uferbänke werden flacher, was wiederum die Flachwasserzone verringert. Die aber ist Lebensraum von Wasserpflanzen, Fischen und wirbellosen Organismen. Bei der letzten Groß-Glienicker-See-Konferenz im Mai gab es einige Lösungsvorschläge aus dem Publikum: den See mit Wasser auffüllen oder den alten Durchfluss zum Sacrower See wiederherstellen. Bei anhaltender Trockenheit hilft das Auffüllen aber nicht, und der Sacrower See liegt tiefer als der Groß Glienicker See und würde das Problem noch verschärfen.

Schnelle Lösungen sind auch von Seiten der Behörden nicht in Sicht. Laut Senatsumweltverwaltung besteht „kein akuter Handlungsdruck“ da noch keine negativen Auswirkungen auf den ökologischen Zustand und die Wasserqualität beobachtet werden konnten. Wasser aus der Havel überzuleiten, könnte möglicherweise die Wasserstände im See stabilisieren, wobei die Reinigung des Havelwassers „als notwendig erscheint“, die Bedarfsträgerschaft und die technische Machbarkeit aber erst zu prüfen seien, heißt es in einer Stellungnahme an das Bezirksamt. Das hatte die Senatsumweltverwaltung angeschrieben und um eine abgestimmte Untersuchung für den Groß Glienicker See gebeten. Abschließend teilt die Senatsverwaltung mit: „Lösungen können nur im Zusammenwirken mit allen Verantwortlichen, das heißt dem Bezirk, den Berliner Wasserbetrieben, den Potsdamer Wasserbehörden und den Ländern Berlin und Brandenburg erarbeitet werden.“

Das sieht auch das Bezirksamt so. Nur: „Als Ergebnis der Seekonferenz halte ich es für dringend erforderlich, dass die Senatsverwaltung für Umwelt einen länderübergreifenden Arbeitsprozess einleitet, um eine gemeinsame Bewertung der Situation des Groß Glienicker Sees vorzunehmen und abgestimmte Maßnahmen zu ergreifen“, sagt Baustadtrat Frank Bewig (CDU). Sprich, die Senatsverwaltung sollte hier federführend sein.

Wasser kann nicht vermehrt werden

Im Bezirksamt selber sind derzeit keine Maßnahmen geplant. Das geht aus der schriftlichen Antwort von Umweltstadtrat Andreas Otti (AfD) auf eine große Anfrage der Grünen zu den Pegelveränderungen und Wasserentnahmen aus dem Groß Glienicker See hervor. Das Bezirksamt will die Umsetzung des Straßen- und Regenentwässerungskonzeptes für die ehemalige Wochenendsiedlung West zwischen Ritterfelddamm und Groß Glienicker See abwarten. Danach seien unterstützende Maßnahmen des Naturschutzes jedoch möglich. Desweiteren habe das Bezirksamt „keine Möglichkeiten Wasser zu vermehren“.

Für Elmas Wieczorek-Hahn von den Grünen sind die Antworten aus dem Bezirksamt mehr als unbefriedigend. „Fakten werden nicht genannt und wir fragen uns, ob das Bezirksamt die Situation am See wirklich analysiert hat.“ Außerdem bleibe weiter unklar, ob Wasser erlaubt oder unerlaubt entnommen werde. Auch, dass keine Gegenmaßnahmen geplant sind, kritisiert die Spandauer Bezirksverordnete. „Natur- und Umweltschutz darf nicht auf eine Warteliste gesetzt werden.“ Die Grünen fordern darum eine konkrete und zeitnahe Prüfung, das Verbot weiterer Versiegelungen im Umfeld des Groß Glienicker Sees und ein Gesamtkonzept zum Schutz des Sees.

Der See droht langsam auszutrocknen. Hier sind es von der Uferkante bis zu den Bäumen fast schon zehn Meter.
An der Badestelle "Moorloch" sieht man deutlich, wie weit sich das Wasser zurückgezogen hat.
Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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