Von der Kraft der Worte
Ein Garten für die Philosophie

Toralf Jaekel, Johanna Scheidies von Face, Sercan, Mahdi Saleh, Gisela Rhein und Abdul mit den ersten Rosen im Philosophie-Garten.
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  • Toralf Jaekel, Johanna Scheidies von Face, Sercan, Mahdi Saleh, Gisela Rhein und Abdul mit den ersten Rosen im Philosophie-Garten.
  • Foto: Christian Schindler
  • hochgeladen von Alexander Schultze

Der Lokale Bildungsverbund Märkisches Viertel hat in der Gemeinschaftsschule Campus Hannah Höch, Finderwalder Straße 52-56, einen besonderen Lern- und Treffpunkt geschaffen.

Gisela Rhein war zu Beginn fast ein wenig sauer auf Mahdi Saleh. Der Sozialarbeiter, der für den Träger Aufwind in der Schulsozialarbeit der Höch-Schule arbeitet, hatte für das Projekt „Die Kraft der Worte“ des Lokalen Bildungsverbundes Märkisches Viertel Bücher von Franz Kafka angeschafft. Die langjährige Leiterin der Jugendbibliothek im benachbarten Spandau und jetzige Mitarbeiterin für die Wortkraft kennt das Misstrauen junger Menschen gegenüber Literaturklassikern, die im Unterricht durchgepaukt werden. Die greifen in ihrer Freizeit gerne nach anderer Literatur, oder sind allenfalls für vereinfachte Texte zu haben.

Doch kaum hatte das Projekt „Die Kraft der Worte“ im Frühjahr mit seinen Freitagstreffs begonnen, war Gisela Rhein von Schülern umzingelt, die allesamt Kafka-Bände in den Händen hielten – und das freiwillig. Anstoß war das Wort „kafkaesk“ gewesen, das sie auf die Spur des genialen Schreibers gebracht hatte. Intensiv beschäftigten sie sich dann mit den Romananfängen Kafkas.

Mahdi Saleh hatte mit seinem Vertrauen in die Kompetenzen der Höch-Schüler recht behalten. Und damit einen weiteren Gesprächsstoff in die Runde aus Bücherfachfrau, Sozialarbeiter, Künstler und Schüler gebracht. Wie erläutert man einem jungen Geflüchteten, der ehrgeizig Deutsch lernt, aber natürlich noch nicht jedes Wort kennt, was Kompetenz bedeutet?

Da kann dann gleich der Künstler eingreifen, der sich gerne auch Handwerker nennt. Der Steinbildhauer Toralf Jaekel spricht nicht nur in der Runde als erfahrener Helfer in die Welt der Worte, sondern kann Kompetenz handfest vorführen. Er gestaltet den Philosophie-Garten, der an den Raum angrenzt, in dem es um die Worte geht. Als erstes hat er Rosen gepflanzt, eine Pergola wird folgen, und zum Schluss ein Brunnen.

Dieser Brunnen wird dann einen besonderen Sinn haben: „Wenn alle ganz still sind, ist das Rauschen des Wassers zu hören.“ Der Hinweis auf die Stille ist dem Wort-Team besonders wichtig. Im Garten sollen die Schüler Ruhe finden im oft hektischen Alltag, Kraft schöpfen für den Unterricht, oder auch lesend neue Welten erkunden. Auch die Spiele werden schon jetzt so gerne angenommen wie die Gesprächsrunden über Sprache.

Bei Problemen außerhalb der Schule kann auch geholfen werden – der Lokale Bildungsverbund wird koordiniert vom Familienzentrum Face am Wilhelmsruher Damm 159.

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