EU will Waschbären „beseitigen“: Forschungsprojekt im Naturschutzpark Marienfelde

Auch die Zauneidechse steht auf der Speisekarte von allesfressenden Waschbären.
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Marienfelde. Eine neue EU-Verordnung stuft Waschbären als „eine invasive gebietsfremde Art von unionsweiter Bedeutung“ ein, die „beseitigt“ werden muss. Zumindest soll die weitere Ausbreitung der als Allesfresser bekannten Raubtiere verhindert werden.

Um mehr über die Lebensgewohnheiten, insbesondere die Nahrungsaufnahme, von Waschbären (Procyon lotor) zu erfahren, startet das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung dieser Tage eine einjährige wissenschaftliche Untersuchung der im Freizeit- und Naturschutzpark Marienfelde bestehenden Waschbärpopulation.

Das Institut teilt dazu zu mit: „Waschbären gehören in Deutschland zu den erfolgreichsten Neuankömmlingen in der Tierwelt, die gerne in Städten vorkommen und besonders in Berlin auf dem Vormarsch sind. Deswegen sind sie sowohl für die Grundlagenforschung an eingeführten Arten, die sich erfolgreich etabliert haben, als auch für die Forschung zur Verstädterung von Raubtieren sehr interessant.“ Zu diesem Zweck werden Lebendfallen aufgestellt. Die gefangenen Tiere werden mit GPS-Halsbändern und Ohrmarken ausgestattet und an Ort und Stelle wieder freigelassen. „Die GPS-Daten geben Aufschluss über die Raumnutzung der Waschbären. Neben anderen Verhaltensuntersuchungen lassen sich so unter anderem die Latrinen der Tiere finden und Kotproben für die Nahrungsanalyse können gesammelt werden“, so die Forscher, die den so possierlich daherkommenden Waschbären zu den „erfolgreichsten Neuankömmlingen in der Tierwelt“ zählen.

Der Freizeitpark Marienfelde eignet sich durch seinen Wechselkrötenteich besonders für die Untersuchung bezüglich potenzieller negativer Einflüsse auf ein Ökosystem. Denn Waschbären ernähren sich unter anderem von Amphibien und Wechselkröten, welche auf der Roten Liste in Deutschland als gefährdet aufgeführt werden.

Wie viele Waschbären in der Marienfelder Grünanlage leben, weiß bislang allerdings niemand. „Ich habe nur zweimal einen Waschbären live gesehen und einmal einen von einer Überwachungskamera beim Ausräubern eines Vogelhäuschens in der Stadtrandsiedlung gefilmten“, so Naturranger Björn Lindner zur Berliner Woche. Mit der EU-Initiative ist der Ranger einverstanden und sagt, dass Waschbären zwar Sympathieträger seien, aber keine natürlichen Feinde hätten und deshalb eine Gefahr für ihre Umwelt, insbesondere für die in Marienfelde gehegten und gepflegten Amphibien darstellen. HDK

Auch die Zauneidechse steht auf der Speisekarte von allesfressenden Waschbären.
Naturranger Björn Lindner hat bislang nur zweimal einen Waschbären im Freizeitpark beobachten können.
Autor:

Horst-Dieter Keitel aus Tempelhof

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