Ein Stück Straßenbahngeschichte
Tafel informiert über Historie des Betriebshofs

Bürgermeister Sören Benn (links) und Reinhard Demps enthüllten die neue Gedenk- und Informationstafel.
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An einem Leitungsmast am Grundstück Dietzgenstraße 100 hängt seit wenigen Tagen eine neue Gedenk- und Informationstafel.Dahinter befindet sich der seit zwanzig Jahren brach liegende BVG-Straßenbahnbetriebshof Niederschönhausen. Über dessen Geschichte und einen auf diesem Grundstück eingerichteten Gedenkort informiert die Tafel.

Enthüllt wurde sie von Bürgermeister Sören Benn (Die Linke) und dem Berliner Nahverkehrshistoriker Reinhard Demps. Dieser ist Mitglied im Freundeskreis der Chronik Pankow und beschäftigte sich intensiv mit der Geschichte des Straßenbahnbetriebshofs.

Als Bahnhof III der Großen Berliner Straßenbahn wurde der Betriebshof an der damaligen Kaiser-Wilhelm-Straße eröffnet. Er wurde seinerzeit als einer von insgesamt sechs fast typengleichen Betriebshöfen für den elektrischen Straßenbahnbetrieb am 26. Mai 1901 eröffnet. Der Betriebshof bot Platz für 190 Trieb- und Beiwagen. Zu dem Gebäudeensemble gehörte neben einer Fahrzeughalle mit Werkstatt und den Gleisen 1 bis 19 auch ein Verwaltungsgebäude mit Wohnungen für den Leiter des Betriebshofs und den Oberschlosser.

Bevor die elektrische Straßenbahn kam, gab es bereits seit 1892 eine Pferdebahnlinie vom Berliner Rathaus bis zum heutigen Ossietzkyplatz, berichtet Reinhard Demps. Mit der Errichtung des neuen Betriebshofs für die elektrische Straßenbahn wurde zugleich das Streckennetz erweitert. Im Jahr 1924 erhielt der Straßenbahnbetriebshof einen Werkstattanbau, entworfen vom Architekten Jean Krämer (1886–1943). Und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Betriebsgelände entstand bis 1930 an der Schillerstraße 23-37 eine Wohnsiedlung für Straßenbahner. Diese sollten es nicht so weit zu ihrer Arbeitsstelle haben. Denn Betriebsbeginn war in der Regel sehr früh am Morgen und -ende tief in der Nacht.

Denkmal für Gefallene des Ersten Weltkriegs

Eine Besonderheit auf dem Gelände des Straßenbahnbetriebshofs Niederschönhausen war ein Denkmal für 65 namentlich genannte Betriebsangehörige, die im Ersten Weltkrieg ums Leben gekommen waren. Finanziert wurde dessen Aufbau durch Spenden, am 25. Mai 1920 konnte es eingeweiht werden. Anfang der 1970er Jahre wurde das Denkmal demontiert und die Tafel mit der Inschrift entfernt. Der Sockel sowie weitere Teile des Denkmals befinden sich heute allerdings wieder auf dem Betriebshof.

Nach Beseitigung der Kriegsschäden war der Betriebshof nach 1945 bis zum 1. November 1990 für die Linien im Berliner Nordosten zuständig. Diese wurden dort gewartet und repariert. Nach Betriebsschluss wurden die Fahrzeuge dort außerdem abgestellt, ehe sie morgens wieder von Niederschönhausen aus einsetzten.

Vor zwanzig Jahren wurde der Straßenbahnbetriebsbahnhof von der BVG aus Kostengründen stillgelegt. Bis 2015 diente das unter Denkmalschutz stehende Gelände vor allem zur Unterbringung von historischen Fahrzeugen der BVG. Um diese kümmerte sich der Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin, ehe er in Köpenick ein neues Domizil fand.

Keine Pläne für Gelände

Das Grundstück an der Dietzgenstraße 100 gehört weiterhin der BVG. Diese will es vorerst auch nicht veräußern. Als es vor einigen Jahren die Pläne gab, auf der Elisabeth-Aue ein neues Wohngebiet mit Tausenden Wohnungen zu errichten, wurde auch über einen Ausbau des Straßennetzes in der Nord-Pankower Region sowie eine Reaktivierung des Straßenbahnbetriebshofs nachgedacht. Seit die Baupläne nach der vergangenen Abgeordnetenhauswahl in der Schublade verschwanden, gibt es auch keine neuen Pläne für die Dietzgenstraße 100.

Allerdings wird die Bausubstanz immer maroder. Bei der Unteren Denkmalschutzbehörde stellte die BVG deshalb einen Antrag, die Verwaltungsgebäude abzureißen, weil sie inzwischen einsturzgefährdet sind. Das erfuhr Abgeordnetenhausmitglied Torsten Hofer (SPD) auf Anfrage von Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese (Bündnis 90/ Die Grünen). Ein Abriss wird allerdings abgelehnt. Der Landesdenkmalrat fordert die BVG stattdessen auf, die Gebäude zu sichern und zu pflegen und „ihrer Erhaltungspflicht nachzukommen.“ Außerdem sollen planerische Grundlagen geschaffen werden, damit das Gelände für „neue Aufgaben des Landes nutzbar“ gemacht werden könne, so Streese.

Die BVG stellt ihrerseits klar, dass der Straßenbahnbetriebshof als solcher nicht mehr zu nutzen ist. Er sei schlicht viel zu klein für die modernen langen Straßenbahnzüge, so Rico Gast, BVG-Bereichsleiter für Straßenbahn. Torsten Hofer: „Falls es wirklich so sein sollte, dass der Straßenbahnhof nicht mehr von der BVG genutzt werden kann, halte ich es für richtig, dass wir noch mal die Idee aufgreifen, dort eine Außenstelle des Museums für Verkehr und Technik unterzubringen. Dort könnten dann historische Straßenbahnen gezeigt werden.“

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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