Anwohner hatten viele Fragen zum Siemens-Campus
Verkehr, Mieten und Bürgerdialog

Der Andrang im Gemeindesaal war groß. Gut 300 Spandauer kamen, hörten zu und stellten Fragen.
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Euphorie und Skepsis liegen oft nahe beieinander. Gerade bei einem XXL-Projekt wie dem Innovations-Campus von Siemens. Wie verändert sich damit der Kiez? Steigen die Mieten, und was ist mit dem Nahverkehr? Siemens, Senat und SPD-Politiker klärten auf. Einige Fragen blieben aber noch offen. 

Auf großen Zuspruch stieß die Informationsveranstaltung der SPD Spandau zum „Innovations-Campus Siemensstadt 2.0“. Rund 300 Spandauer drängelten sich im Gemeindesaal der Christopheruskirche, um mehr über das Großprojekt zu erfahren und vor allem, was sich damit für die Siemensstadt ändert.

Siemens will wie berichtet auf seinem Firmengelände nördlich der Nonnendammallee auf rund 70 Hektar Fläche einen Technologiepark mit Start-Ups, Forschungslabors, Büros, Hotels, Gastronomie und Wohnungen entwickeln. So soll dort bis 2030 ein „urbaner Stadtteil der Zukunft“ entstehen. Mit 600 Millionen Euro ist das die größte Einzelinvestition von Siemens in Berlin seit seiner Gründung 1847 in Kreuzberg und 50 Jahre später in der Siemensstadt. Keine Routine also für den Konzern, eher eine „Operation am offenen Herzen“, denn parallel dazu wird am Standort weiterproduziert.

Auf 70.000 Quadratmetern
sozialer Wohnungsbau

Mit den ersten Baumaßnahmen soll es 2020 losgehen, gab Yashar Azad, Sprecher der Siemens AG auf der Infoveranstaltung am 28. Januar bekannt. Vorher startet der städtebauliche Wettbewerb. Rund 200.000 Quadratmeter Fläche sollen laut Siemens mit Wohnungen bebaut werden, davon über 70.000 Quadrameter für den sozialen Wohnungsbau. Der konkrete Wohnungsanteil wird im städtebaulichen Wettbewerb festgelegt. Dessen Ergebnisse sollen Ende Mai oder Anfang Juni öffentlich präsentiert werden, teilte Christian Gaebler, Chef der Senatskanzlei Berlin mit. Der genaue Termin stehe jetzt noch nicht fest.

Viel Raum nahmen an dem Abend aber die Fragen der Siemensstädter zur Verkehrsanbindung, Bürgerdialog und ihre Sorge vor steigenden Mieten ein. Die beantworteten abwechselnd Daniel Buchholz, Abgeordneter für die Siemensstadt und städtebaulicher Sprecher der SPD-Fraktion sowie Raed Saleh, Kreischef der SPD Spandau und Fraktionsvorsitzender der Berliner SPD-Fraktion. Probates Mittel gegen steigende Mieten und drohende Verdrängung sieht die SPD in einem Milieuschutzgebiet für die Siemensstadt. Notfalls müsse so ein Schutzgebiet am Bezirk vorbei vom Senat durchgesetzt werden, sagte Raed Saleh. Dass Spandau mit Milieuschutzgebieten trotz aufwendigen Verfahrens gut beraten wäre, dem stimmte auch Christian Gaebler zu. „Die Siemensstadt könnte hier ein Modellfall für Spandau sein“, sagte er. Das Bezirksamt lässt mithilfe eines Grobscreenings gerade prüfen, wo Milieuschutzgebiete in Spandau Sinn ergeben. Bis spätestens März sollen die Endergebnisse vorliegen.

Die Siemensbahn allein
reicht nicht aus

Zweites großes Thema war die künftige Verkehrsanbindung vom Campus in die Siemensstadt und weiter nach Hakenfelde. „Denn der Campus liegt im sogenannten Entwicklungsband West, wo in den kommenden Jahren weitere Tausende neue Wohnungen entstehen“, sagte Daniel Buchholz. Gemeint sind unter anderem die Wohnungsneubauprojekte „Waterkant“, „Insel Gartenfeld“ und „Paulsternstraße“. Für die geschätzten rund 30.000 neuen Bewohner sei die Siemensbahn allein nicht ausreichend, sondern nur eine Ergänzung, so Buchholz. Wie berichtet will die Deutsche Bahn die alte S-Bahntrasse reaktivieren, was aber mindestens acht Jahre dauern wird und das auch nur, wenn es keine bösen Überraschungen gibt. So muss beispielsweise die Brücke über die Spree neu gebaut werden, damit die Siemensbahn wieder Anschluss an den S-Bahnring hat. „Wir kämpfen deshalb dafür, dass der Senat für dieses Gebiet auch eine Straßenbahn und die U-Bahnverlängerung in den neuen Nahverkehrsplan mitaufnimmt“, sagte Buchholz.

Den Senat sieht auch das Bezirksamt bei der Verkehrsplanung in der Pflicht. So hatte Baustadtrat Frank Bewig (CDU) wiederholt ein Verkehrskonzept angemahnt, bei dem sowohl die neuen Wohnquartiere als auch der Innovations-Campus planerisch mitgedacht werden. Was genau an Nahverkehr realisierbar ist, und wie schnell das alles geht, steht jedoch bislang in den Sternen.

Weiterer Infoabend
ist für Herbst geplant

Die Bürgerbeteiligung ist die in jedem Bebauungsplanverfahren gesetzlich vorgeschrieben, also auch für den Innovations-Campus. Hier könnten sich dann natürlich auch die Spandauer zu Wort melden, bestätigte Christian Gaebler. Nach der Infoveranstaltung von Siemens zum städtebaulichen Wettbewerb will die SPD Spandau im Herbst einen weiteren Infoabend organisieren. „Dann antworten wir auf die Fragen, die heute noch offen geblieben sind“, kündigte Raed Saleh an. Unter anderem zum Milieuschutz und zum Verkehrskonzept. Außerdem sucht Siemens noch nach einem markigen Namen für seinen Campus.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Spandau

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