Schimmel in der Hohenzollerngruft: Berliner Dom will Grabstätte sanieren

In der Hohenzollerngruft ist es zu hell und zu feucht. Der Berliner Dom braucht zehn Millionen Euro für eine dringende Sanierung. (Foto: Berliner Dom)
Berlin: Berliner Dom |

Mitte. Die Stoffbezüge an den wertvollen Särgen aus fünf Jahrhunderten schimmeln. Die Farbe auf den Metallsärgen platzt ab. Jetzt schlägt der Berliner Dom Alarm.

Die Hohenzollerngruft unter dem Dom ist die wichtigste dynastische Grablege Deutschlands und gehört neben der Kapuzinergruft in Wien, den Königsgräbern in der Kathedrale St. Denis in Paris und der Gruft der spanischen Könige im Escorial bei Madrid zu den bedeutendsten herrschaftlichen Grablegen Europas. Fast 100 Personen aus dem Haus Hohenzollern, darunter Berühmtheiten wie König Friedrich I., Königin Sophie-Charlotte, Königin Elisabeth Christine und der Große Kurfürst sind hier bestattet.

Besucherzahlen steigen

Doch die prunkvollen Sarkophage aus Blei, Holz oder Stein gehen immer mehr kaputt. Der Grund: Im Gruftgeschoss ist es zu warm und zu feucht. Die Dom-Restauratoren finden immer mehr Schäden. Seit 1999 ist die letzte Ruhestätte der Hohenzollern für Besucher zugänglich. Und es kommen immer mehr Besucher. Waren es anfangs 400 000 Touristen im Jahr, steigen heute fast doppelt so viele hinunter in die Gruft. „Die Menschen bringen die Wärme rein“, sagt Dom-Sprecherin Svenja Pelzel. Mit der Eröffnung des gegenüberliegenden Humboldt-Forums 2019 werden die Besucherzahlen weiter steigen, ist sie sich sicher.

Architekten haben jetzt einen Sanierungsplan für Deutschlands berühmteste Gruft erarbeitet. Mindestens zehn Millionen sind notwendig, um barrierefreie Zugänge in den Dom, Fahrstühle zur Gruft und zum Dom-Museum, eine Klimaanlage, ein großzügiges Treppenhaus und ein moderne Toilettenanlage zu bauen. Bisher gibt es nur eine kleine Kellertreppe in die Gruft – für Rollstuhlfahrer unerreichbar – und lediglich vier Klos im unteren Geschoss. In bisherigen Lagerräumen sollen 30 Toiletten entstehen. Svenja Pelzel sagt, dass der Bund sich an den Kosten beteiligen müsse. Der Dom-Etat von etwa 5,6 Millionen Euro jährlich, hauptsächlich erwirtschaftet über Eintrittsgelder, reiche nicht aus. „Wir sind das Original, die Leute, die da drüben gewohnt haben, sind hier bestattet“, sagt Pelzel mit Blick auf den Humboldt-Forum genannten Schlossnachbau.

Pietät kaum vorhanden

Das Sanierungskonzept wurde in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt in den vergangenen Monaten erarbeitet. Geklärt werden muss noch das zukünftige Beleuchtungskonzept für die Hohenzollerngruft. Der Dom möchte die Gruft „dunkler machen“, wie Pelzel sagt. Die Grabstätte ist zu stark beleuchtet und hat „Parkhauscharakter“, so Pelzel. Die Besucher würden dadurch nicht begreifen, dass sie in einem Grab stehen. Die Leute reden laut und machen Trubel, so die Sprecherin. Das passe nicht zu diesem Ort und müsse durch andere Beleuchtungsideen geändert werden. Gegen die Motten, die wegen der Feuchtigkeit und Wärme in der Gruft flattern, hat die Dom-Führung jetzt Schlupfwespen eingesetzt. Die Nützlinge sollen die Mottenlarven fressen und die Plage bekämpfen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Hohenzollerngruft schwer beschädigt, als eine Bombe 1944 die Kuppel des Berliner Doms traf. Diese brannte zwei Tage lang, stürzte dann in die Tiefe und durchschlug die Gewölbedecke der Gruft. Dabei wurde unter anderem der Holzsarg von Königin Elisabeth Christine zerstört. 1975 wurde die Denkmalskirche auf der Nordseite des Doms abgerissen und damit der ursprüngliche Zugang zur Hohenzollerngruft verbaut. Ihr heutiges Aussehen hat die Hohenzollerngruft durch den Wiederaufbau des Doms in den 90er-Jahren erhalten. Dieser Wiederaufbau wurde mit Hilfe des Bundes, des Landes Berlin und des Dombau-Vereins finanziert. Die Gestaltung der Hohenzollerngruft wurde damals maßgeblich von Dombaumeister a.D. Rüdiger Hoth geprägt. DJ
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