„Kirchenjustes" Erbe wird bewahrt
Turmarbeiten an der Verklärungskirche in der Arndtstraße

Bernd Goße vom Gemeindekirchenrat leitet die Sanierungsarbeiten am fast 120 Jahre alten Gotteshaus.
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  • Bernd Goße vom Gemeindekirchenrat leitet die Sanierungsarbeiten am fast 120 Jahre alten Gotteshaus.
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Im nächsten Jahr wird die Verklärungskirche der Evangelischen Gemeinde Adlershof 120 Jahre alt. Als Geburtstagsgeschenk wird das Gotteshaus an der Arndtstraße jetzt aufpoliert.

Sichtbares Zeichen ist das Baugerüst, das den 56 Meter hohen Turm seit Mitte Mai verdeckt. Dort sind bis Weihnachten Restaurierungsarbeiten geplant „Wir haben seit Jahren Problemen mit Feuchtigkeit im Turm. Wasser dringt unter anderem an den Simsen der Schallöffnungen vor dem Glockenstuhl ein. Es gibt Fugen, da rieselt einem der Mörtel entgegen und einige Maueranker rosten und treiben das Mauerwerk auseinander“, erläutert Bernd Goße (75), Mitglied im Gemeindekirchenrat und Vorsitzender des Bauausschusses. Der Rentner hat selbst viele Jahre in der Denkmalpflege gearbeitet und im Vorfeld für die nötigen Abstimmungen mit Unterer und Oberer Denkmalschutzbehörde gesorgt, denn das im November 1900 eingeweihte Gotteshaus steht auf der Berliner Denkmalliste. Es wurde ab 1899 nach Plänen von Baurat Heinrich Klutmann und mit Unterstützung des Evangelischen Kirchenbauvereins errichtet. Durch den Verein, dem Kaiserin Auguste Viktoria (1858-1921) vorstand, wurde der Bau von rund 100 evangelischen Kirchen befördert. Kaiserin und Mitstreiter wollten damit den Bestrebungen der Sozialdemokraten entgegenwirken. Der letztlich erfolglose Einsatz für das Kaisertum brachte ihr den von ihren Gegnern verbreiteten Spitznamen „Kirchenjuste“ ein.

Das Kaisertum landete 18 Jahre nach der Kirchweihe auf dem Müllhaufen der Geschichte, „Kirchenjuste“ floh mit ihrem Gatten ins holländische Doorn, die Verklärungskirche bliebe erhalten. In den nächsten Monaten werden nun die Schäden am Kirchturm ermittelt, die Simse im Bereich der Schallöffnungen erhalten neue Abdeckungen, außerdem wird das stählerne Glockengerüst überarbeitet. „Überraschungen sind natürlich nicht ausgeschlossen“, sagt Bauexperte Bernd Goße.

Bis Weihnachten sollen die Arbeiten erledigt und das Gerüst weder abgebaut sein. Im kommenden Jahr, in dem das 120. Kirchweihfest gefeiert wird, sollen weitere Arbeiten am Sockel aus Kalksandstein ausgeführt werden. Für alles sind rund 400 000 Euro veranschlagt, die vom Kirchenkreis und aus Eigenmitteln der Gemeinde getragen werden. Spenden sind willkommen.

Am 16. Juni feiert die Gemeinde eine Art Baustelleneröffnung, bei der Pfarrerin Dorothea Quien Gottes Segen für das Bauvorhaben erbitten wird. Es gibt Kaffee und Kuchen, Besucher aus der Nachbarschaft sind willkommen.

Wer spenden will: Infos unter www.evangelische-kirche-adlershof.de.

Bernd Goße vom Gemeindekirchenrat leitet die Sanierungsarbeiten am fast 120 Jahre alten Gotteshaus.
Der 56 Meter hohe Turm ist hinter einem Baugerüst verschwunden.

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