"Die Leute schwimmen so oder so"
Am Biesdorfer Baggersee gibt es trotz Badeverbots eine Imbissbude

Sieht aus wie eine Schießbude ist aber ein Imbiss und hat von 10 bis 20 Uhr täglich geöffnet.
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Dass am Biesdorfer Baggersee nicht gebadet werden darf, weiß eigentlich jeder. Doch das Baden wird geduldet. Jetzt hat auch noch die dortige Imbissbude wieder eröffnet und verkauft in bester Freibad-Manier Pommes und Eis an triefende Badegäste. Ein Besuch vor Ort.

An einem der warmen Wochentage Ende Juni herrscht am Biesdorfer Baggersee reger Betrieb. Eine Gruppe Jugendlicher lässt sich klatschnass aufs Handtuch in den Sandstrand fallen, Kinder zählen ihr Kleingeld, um an der Imbissbude ein Eis zu kaufen. Gleichzeitig fallen einem unvorsichtigen Jungen wenige Meter weiter die Bonbons aus der Hand fallen. Typische Szenen eines Badetags eben – nur, dass der Biesdorfer Baggersee kein Badesee ist.

Warme Snacks – Currywurst, Pommes, „China-Pfanne“ – sind an diesem Tag beinahe restlos ausverkauft. Wie es erst am Wochenende rund um den See zugeht, ist unschwer vorzustellen. „Wir verkaufen eigentlich immer gut“, sagt Rafael, Aushilfskraft in der Imbissbude. Das Angebot des Imbiss reicht von Frittiertem über Eis, Kaffee und kalten Getränken bis hin zu abgepackten Snacks und Süßigkeiten.

Das Ordnungsamt schaut zwar regelmäßig am See vorbei, doch die Mitarbeiter kontrollieren weniger das Einhalten des Badeverbots als das ordnungsgemäße Entsorgen von Müll. Und selbst darauf kann nun verzichtet werden. Denn der Betreiber der Imbissbude hat die Auflage, liegengebliebene Essens- und Verpackungsreste auf der Wiese- und der Sandfläche zu entfernen und zu entsorgen. „Das machen wir auch jeden Abend“, beteuert Verkäufer Rafael. „Bis da hinten zur Baumgrenze“, sagt er und zeigt die Umrisse des Naherholungsgebietes auf.

Signalisiert ein vom Bezirksamt genehmigter Imbissstand nicht, dass das illegale Baden längst von offizieller Seite toleriert wird? Nadja Zivkovic winkt ab. „Ich glaube nicht, dass wegen der Imbissbude nun mehr Menschen im See schwimmen“, sagt die Bezirksstadträtin für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen (CDU). „Die Leute schwimmen da so oder so.“

Wohl auch, weil es im Bezirk kein Freibad gibt und alternative Vorschläge mehr oder weniger hilflos klingen. So sprach sich die Bezirksverordnetenversammlung zuletzt für mehr Wasserspielplätze aus und er Grünen-Kreisverband forderte gar öffentliche Badebusse zu den Seen und Freibädern in Brandenburg. So bleibt der Biesdorfer Baggersee wohl noch auf viele Jahre für die meisten die erste Wahl.

Es sei denn, Marzahn-Hellersdorf bekäme schließlich doch sein lang ersehntes Freibad. Zumindest einer hat den Optimismus trotz der vielen Rückschläge in den vergangenen Jahren dahingehend nicht verloren. „Irgendwann wird auch Marzahn mal ein Freibad haben“, prognostizierte kürzlich der 76-jährige stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Mätz und ergänzte trocken: „Ich werde es vielleicht nicht mehr erleben.“

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