Anzeige

„Ich habe sie gleich gemocht“: Wie aus einer Patenschaft Freundschaft wurde

Alina Rasteanu lebt noch nicht lange im Kiez. Über die Patenschaft hat sie  eine echte Freundin gefunden.
Alina Rasteanu lebt noch nicht lange im Kiez. Über die Patenschaft hat sie  eine echte Freundin gefunden. (Foto: Ulrike Kiefert)

Alina Rasteanu wohnt noch nicht lange im Kiez. Auf der Suche nach neuen Kontakten traf die junge Rumänin Samira aus Afghanistan und wurde ihre Wohngebietspatin. Inzwischen sind die beiden ziemlich beste Freundinnen.

Alina und Samira waren sich sofort sympathisch. Sie hatten den gleichen Humor, konnten über dieselben Sätze lachen, interessierten sich für ganz ähnliche Dinge. „Samira ist ein humorvoller Mensch“, sagt Alina, „nett und echt süß. Ich habe sie gleich gemocht.“

Kennengelernt hat Alina sie im „Café Mittwoch“ im „Schwedenhaus“ an der Stadtrandstraße. Dort treffen sich alte und neue Nachbarn aus dem Kiez, schließen Freundschaften oder werden Patin oder Pate und helfen so auf Zeit neu Zugezogenen oder geflüchteten Nachbarn beim Ankommen im Stadtteil. „Wohngebietspatenschaften“ (Woge) heißt das berlinweite Projekt, das für Alina und Samira so viel mehr ist als ein sperriges Wort.

Unterschiedliche Muttersprache ist kein Hindernis

Die beiden Frauen sind Freundinnen geworden. Dabei ist Alina Rasteanu die Patin von Samira und somit vor allem ihre Ansprechperson, wenn es Fragen oder Probleme gibt. Doch Alina scheint eher Samiras große Schwester zu sein, so wie die zwei scherzen, plaudern und Pläne schmieden. Dass sie unterschiedliche Muttersprachen sprechen, ist ihrer Freundschaft nicht hinderlich. Samira stolpert zwar noch auf Deutsch durch die Vokabeln. Alina aber spricht es dank eines Intensivkurses schon gut. Dazu hat sie einige Worte Persisch gelernt, das ist die Amtssprache in Afghanistan. „Taschakor“ zum Beispiel. Das heißt „danke“. Oder „Khoda Hafez“ – „Tschüss“.

Alina lebt erst seit Januar in Spandau. „Zuhause habe ich als Polizistin gearbeitet“, erzählt die 34-Jährige. Dann bekam ihr Mann, ein IT-Techniker, ein Jobangebot in Berlin. Samira ist 25 und etwas zurückhaltend gegenüber Fremden. Ihren Zunamen will sie für sich behalten. Sie ist verheiratet, hat einen Sohn und eine Tochter. Aus Afghanistan sind sie vor den Taliban geflohen, sagt sie. Zuerst lebte die Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in Pankow. Inzwischen sind sie als Flüchtlinge anerkannt und konnten eine Wohnung im Falkenhagener Feld beziehen. „Mein Sohn geht hier zur Schule und spielt in einem Verein Fußball. Meine Tochter will Geigenunterricht an Musikschule nehmen“, erzählt sie stolz. Auf einen Kursplatz wartet die Familie noch. Samiras Mann arbeitet als Koch, sie träumt von einer Ausbildung zur Verkäuferin und einem kleinen Haus mit Garten.

Eine Patenschaft auf Augenhöhe

Alina hört ihr zu und nickt. Sie kennt die Wünsche der Freundin. „Aber erst mal müssen wir den Geburtstag deiner Tochter planen.“ Die Kleine wird Sechs. „Und ich brauche endlich ein Fahrrad, damit wir im Sommer zum See fahren können“, sagt Alina. Diesmal ist es Samira, die zustimmend den Kopf senkt. Dann lachen die zwei schon wieder, denn Alina spricht darüber, was Samira am Anfang ihrer Freundschaft alles wissen wollte. „Was typisch deutsche und rumänische Gewürze sind, was die Mädchen hier so tragen, und wie sie sich schminken.“ Frauenfragen eben. Alina wiederum weiß heute viel über die afghanische Kultur, die Musik, die Feste und die Religion. So ist die Patenschaft nicht einseitig, sondern auf Augenhöhe.

Alina hilft Samira natürlich auch bei ernsten Fragen. Wenn Samira einen Brief schreiben muss oder ihr Sohn Hilfe bei den Hausaufgaben braucht. „Das mache ich sehr gern“, sagt Alina. „Vor allem aber wollen wir eine schöne Zeit miteinander verbringen.“

Die „Wohngebietspatenschaften im Falkenhagener Feld“ gibt es seit Mai 2017. Über den persönlichen Kontakt will Woge die gute Nachbarschaft zwischen neuen und geflüchteten Nachbarn im Kiez fördern. Mindestens 15 aktive Patenschaften sind mittlerweile entstanden, zehn neue sollen pro Jahr hinzukommen, sagt Projektkoordinatorin Janna Völpel vom Projektträger Casablanca gGmbH. Finanzielle Förderer und Unterstützer sind das Bezirksamt, die Gewobag, das Quartiersmanagement, die Paul-Gerhardt-Gemeinde, die Modulare Unterkunft Freudstraße und die Immanuel-Diakonie. Alle zusammen hatten im Februar eine Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnet. Wer ehrenamtlicher Wohngebietspate werden will, ruft an: 375 85 02 11 oder kommt mittwochs ab 15.30 Uhr ins „Schwedenhaus“, Stadtrandstraße 481.

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt