Der erste Plattenbau der DDR
Carl Fieger entwarf den Versuchsbau der Deutschen Bauakademie

Das 1953 errichtete Haus in der Engelhardstraße steht als erster Plattenbau der DDR unter Denkmalschutz.
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Das Wohnhaus Engelhardstraße 11 und 13 ist ein Viergeschosser, der durch ein paar Schmuckelemente und zwei Relieftafeln auffällt. Das 1953 errichtete Gebäude steht unter Denkmalschutz.

In der Denkmaldatenbank des Landes Berlin unter der Objektnummer 09045259 verzeichnet, wird als Bauherr die Deutsche Bauakademie (der DDR d. Red.) aufgeführt, der Entwurf einem Kollektiv Bauer zugeschrieben. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Erst die Dissertation von Uta Schmitt an der Universität Heidelberg im Jahr 2013 brachte den Architekten ans Licht. Entworfen wurde der erste Plattenbau der DDR von Carl Fieger (1893-1960), einem Architekten, der sich am Bauhaus in Dessau seine Sporen verdient hatte. Fieger war nach dem Zweiten Weltkrieg in Dessau mit für den Wiederaufbau zuständig und bemühte sich um die Bewahrung des Erbes des Bauhauses. Im Jahr 1952 wurde er dann von Richard Paulick, einem der Stalinallee-Architekten, an die Bauakademie berufen. Hier sollte er sich um den Einsatz von typisierten Bauelementen beim Aufbau des kriegszerstörten Berlin kümmern. Dafür wurde das Wohnhaus in der Engelhardstraße als Versuchsbau geplant und errichtet. Die für den Bau nötigen Betonplatten wurden in einem kleinen Betonwerk vor Ort gegossen und noch vor dem Einbau ins Gebäude mit Fenstern versehen. Dann wurden die bis zu drei Tonnen schweren Betonplatten mit einem Kran montiert.

Uta Schmitt weist in ihrer Promotion darauf hin, dass die Außenwandplatten wie beim späteren industriellen Wohnungsbauprogramm die tragende Funktion des Gebäudes übernehmen. Allerdings wurde das Gebäude nach Fertigstellung verputzt, sodass der Ursprung als Plattenbau nicht mehr sichtbar ist. Die beiden Reliefs des Bildhauers Karl Felzmann – er war auch am Wiederaufbau der Staatsoper 1952 beteiligt – zeigen Konstruktion und Bau des Experimentalbaus. Unter anderem sind Architekten am Reißbrett und Bauleute mit einer Großplatte zu sehen.

Ursprünglich sollten im Umfeld des Versuchsbaus weitere 14 Häuser ein Ensemble zwischen Engelhard-, Piloten- und Nieberstraße sowie Groß-Berliner Damm bilden. Warum es dazu nicht mehr kam, ist nicht bekannt.

Plattenbauten waren allerdings keine Erfindung von Carl Fieger oder der Bauakademie der DDR. An der heutigen Splanemannstraße in Friedrichsfelde wurden bereits in den Jahren 1926 bis 1930 dreigeschossige Wohnhäuser aus vor Ort gefertigten Betonplatten errichtet. Architekt war der damalige Berliner Stadtbaurat Martin Wagner.

Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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