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Geschichte hinterfragt: Besuch im Militärhistorische Museum Fluplatz Gatow

Wo: Militärhistorisches Museum Berlin-Gatow, Am Flugplatz Gatow 33, 14089 Berlin auf Karte anzeigen
Richthofen-Biograf Joachim Castan vor dem Fokker-Modell des Museums.
Richthofen-Biograf Joachim Castan vor dem Fokker-Modell des Museums. (Foto: Christian Schindler)

Kladow. Der Flugplatz Gatow, trotz seines Namens zu Kladow gehörend, hat eine bewegte Geschichte.

Als Spandau noch zum britischen Sektor West-Berlins gehörte, war Kladow untrennbar mit der Fliegerei verbunden. Auf dem britischen Militärflugplatz Gatow landeten Flugzeuge, die während der Blockade Berlin mit allem Notwendigen versorgten. Die Versorgungsflüge blieben, bis zum Schluss.

Ein Teil des ehemaligen Flugplatzes ist jetzt die Landstadt Gatow, die Kladow neue Einwohner beschert hat. Hier erinnern nur noch Straßennamen an die Fliegerei.

Museum wird ausgebaut

Doch ein Teil des Geländes wird vom Militärhistorischen Museum Flugplatz Berlin-Gatow genutzt, das jetzt Teil des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr mit Zentrale in Dresden ist. Das Museum, das in den kommenden Jahren noch deutlich ausgebaut wird, zeigt nicht nur einfach Militärgeschichte. Es hinterfragt diese auch.

So ist es kein Zufall, dass die Neuauflage von Joachim Castans Manfred-von-Richthofen-Biografie „Der rote Baron“ hier vorgestellt wurde. Zum Bestand des Museums gehört ein Nachbau des markanten Fokker-Dreideckers, der es, rot lackiert, bis zum weltweiten Comicstar gebracht hat.

Der Historiker und Journalist Castan nimmt für sich in Anspruch, die „ganze Geschichte“ des 1918 mit 26 Jahren gefallenen Kriegshelden zu erzählen. Dazu nimmt er vor allem den Mythos des ritterlichen Helden auseinander. So wird gerne, übrigens in Filmen immer wieder, dargestellt, wie der Kampfflieger Richthofen verwundete Gegner unbehelligt landen ließ, und frei war von jedem Tötungsverlangen.

Richthofen im neuen Licht

Castan hat indes Dokumente gefunden, in denen Richthofen schildert, wie er zu Beginn seiner Fliegerkarriere mit offensichtlichem Vergnügen Maschinengewehrsalven in russische Reitertrupps schoss, denen nur noch panische und oft vergebliche Flucht übrig blieb. In Filmen wird gerne der Gegensatz zwischen dem anständigen Richthofen und dem schon im Ersten Weltkrieg moralisch verkommenen späteren Nazi-Luftwaffenchef Hermann Göring aufgebaut, der von seinem Flugzeug aus auch mal gerne auf Krankenschwestern schießt.

Dabei denunziert Castan das Objekt seiner Untersuchung keinesfalls. Er zeigt, wie ein junger Mensch in das preußische Militärwesen hineinwächst und dessen Kampfmoral übernimmt. Übrigens betont Castan auch, dass wiederum von Görings Zeit als Kampfflieger die Attacken auf Krankenschwestern nicht belegt sind. Die Richthofen-Biografie zerstört den Mythos des roten Barons, wird aber dem Menschen Manfred von Richthofen weitgehend gerecht. CS

Das Buch „Der rote Baron. Die ganze Gesichte des Manfred von Richthofen“ von Joachim Castan ist erschienen im Verlag Klett-Cotta Stuttgart, hat 360 Seiten und kostet 12,95 Euro (ISBN 978-3-608-94932-2). Das Militärhistorische Museum Flugplatz Berlin-Gatow, Am Flugplatz Gatow 33, ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.
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