Allen Bürgerprotesten zum Trotz
Umstrittene Sanierung der Lemkestraße hat begonnen

Die Grünen-Politikerin Inka Seidel-Grothe zählt zu den Gegnern der Sanierung.
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Jahrelang haben Anwohner versucht, das Vorhaben zu verhindern. Ohne Erfolg. Mitte Dezember hat die Sanierung der Lemkestraße begonnen. Bis voraussichtlich Ende Juli laufen die Arbeiten am ersten Bauabschnitt von Linderhof- bis Sudermannstraße. Gehwege und Beleuchtung werden erneuert.

Im Anschluss modernisieren die Wasserbetriebe das Regenkanalsystem. Der Neubau der Fahrbahn kann erst nach Abschluss dieser Arbeiten erfolgen. Noch ist nicht viel zu sehen und die weiteren Bauabschnitte wurden vom Bezirksamt noch nicht terminiert. Der Ärger ist aber riesig, denn zur Sanierung der Lemkestraße gibt es eine lange Vorgeschichte.

Nachdem die Pläne erstmals 2016 öffentlich wurden, gründete sich 2017 die Bürgerinitiative „Lemkestraße Feldsteinpflaster“. Sie fordert den Erhalt des historischen Feldsteinpflasters und der Bäume. Mehr als 1000 Unterschriften konnten die Mitglieder organisieren. Unterstützung erhielten sie von der Abgeordneten Iris Spranger (SPD) und Inka Seidel-Grothe vom Kreisverband der Bündnisgrünen. Ende 2018 wurde in der BVV auf Antrag von Linken, SPD und Grünen sogar der Beschluss gefasst, dass das Pflaster sowie möglichst viele Bäume erhalten werden sollten. Das von der CDU geführte Straßen- und Grünflächenamt habe sich darüber hinweggesetzt, kritisiert die Bürgerinitiative.

Historisch, wertvolles Pflaster

Die Sanierung sei in Wahrheit ein Ausbau. „Es geht darum, aus der Lemkestraße eine Durchgangsstraße zu machen“, meint Inka Seidel-Grothe. Die ruhige Wohnstraße werde zur viel befahrenen Verkehrsachse zwischen Dahlwitzer Straße an der Landesgrenze zu Brandenburg und Mahlsdorf-Süd. „Dabei ist das hier ein einmaliges, historisches, wertvolles Pflaster, das wirklich erhaltenswürdig ist“, sagt ein Sprecher der Bürgerinitiative. Die Gegner der Sanierung befürchten, dass mit dem Verschwinden des Feldsteinpflasters und der Asphaltierung der Lemkestraße die Autofahrer zum Rasen verleitet würden.

Stadträtin Nadja Zivkovic (CDU) hält den Einwand für unbegründet, auch weil das seitliche Parken auf der Fahrbahn erlaubt bleibe. „Die Fahrbahnbreite verringert sich von acht auf sechseinhalb Meter. So wird der Verkehr automatisch entschleunigt.“ Das Kopfsteinpflaster werde zwar im Fahrbahnbereich durch Asphalt ersetzt, doch der „alte Charakter“ solle erhalten bleiben. Laut Zivkovic werden Großpflastersteine zur Fahrbahnseite, bei Gehwegüberfahrten und Parktaschen wieder eingebaut. „Nichts vom alten Charakter wird übrigbleiben. Der ganze Charme ist dann weg, das hat nichts mehr damit zu tun“, meint dagegen ein Anwohner.

Neue Bäume werden gepflanzt

Zum Wegfall der Bäume teilte Nadja Zivkovic auf Nachfrage mit: „Alle abgesprochenen Bäume wurden bereits gefällt. Neue Bäume werden innerhalb des ersten Bauabschnitts wieder neu gepflanzt.“ Für die Bürgerinitiative sind Neupflanzungen kein Trost. „Neue Bäume werden gar nicht mehr so groß, weil sie durch den Klimawandel nicht mehr so gedeihen können“, so ein Sprecher. Eine Kompensation sei das bei Weitem nicht. Außerdem könne das Wasser nicht mehr so gut versickern.

Inka Seidel-Grothe versteht nicht, warum sich das Amt nicht statt der Lemke- auf die parallel verlaufende asphaltierte Landsberger Straße konzentriert. Dort würden etliche Wohnungen entstehen. Ihre Lösung hätte so ausgesehen, den Verkehr durch die Landsberger und die Menzelstraße zu leiten. Am Ende der Landsberger Straße habe die Politik es seit Jahrzehnten versäumt, eine Unterführung oder eine Brücke auf die andere Seite der Bahngleise zu realisieren.

Einzige Verbindung über Bahnschienen

Daher ist die Lemkestraße heute die einzige Straße in der Gegend, die über die Schienen östlich des S-Bahnhofs Mahlsdorf führt. Routenplaner, so prognostiziert ein BI-Sprecher, werden die Lemkestraße nach der Sanierung als schnellste Verbindung Richtung B1 ausweisen. Er rechnet mit einem erheblichen Schwerlasttransport von Speditionsfirmen. Nur die Wahl eines neuen Bezirksamts im September mache ihm noch Hoffnung auf ein Umdenken.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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