Obdachloses Brandopfer verstarb
Staatsanwalt klagt Täter wegen versuchten Totschlags an

Noch Stunden nach der Tat sind die Spuren des Feuerüberfalls zu sehen.
  • Noch Stunden nach der Tat sind die Spuren des Feuerüberfalls zu sehen.
  • Foto: Ralf Drescher
  • hochgeladen von Ralf Drescher

Die Tat vom 22. Juli hatte ganz Berlin erschüttert, einen Tag später gab es eine Gedenkdemo vor Ort. Ein 48-Jähriger hatte zwei Obdachlose am Bahnhof Schöneweide in Brand gesetzt. Jetzt ist eines der Brandopfer gestorben.

Andy V. hat es nicht geschafft. Der 47-Jährige war mit schweren Verbrennungen ins Unfallkrankenhaus Marzahn gebracht, dort mehrmals operiert und ins künstliche Koma versetzt worden. Alle ärztliche Kunst konnte jedoch dem Mann, der seit Jahren am Bahnhof Schöneweide Platte machte und bettelte, nicht helfen. Er ist am 9. November gestorben.

Am 13. November hat die Generalstaatsanwaltschaft Berlin nun Anklage gegen den mutmaßlichen Täter erhoben, vorerst wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Wenn sich bei einer Obduktion herausstellt, dass die Brandverletzungen ursächlich für den Tod von Andy V. waren, droht dem 48-jährigen Deutsch-Russen sogar eine Mordanklage.

Er war am 22. Juli gegen 23 Uhr mit zwei Obdachlosen am Bahnhof Schöneweide in Streit geraten, weil er dort selbst ein Nachtlager aufschlagen wollte. Es gab eine Auseinandersetzung, Bundespolizisten wollten schlichten und erteilten dem späteren Angreifer einen Platzverweis. Dieser holte sich an einer nahen Tankstelle einen Kanister mit Benzin, kehrte zurück, übergoss die beiden Kontrahenten mit Benzin und steckte sie an. Hinzueilende Passanten holten am nahen Imbiss einen Feuerlöscher und erstickten den Brand. Während Lothar D. (63) leichter verletzt wurde und nach zwei Wochen die Klinik verlassen konnte, hat sich sein Kompagnon von den schweren Verletzungen nicht mehr erholt. Bereits am Tag nach dem Brandanschlag hatten rund 150 Menschen am Tatort demonstriert, darunter Sozialsenatorin Elke Breitenbach und Sozialstadtrat Gernot Klemm (beide Die Linke). Wenige Tage nach der Tat hatten die Ermittler Aleksandr T. im Visier. Da er untergetaucht war, hefteten sich Zielfahnder an seine Fersen, am 31. Juli konnte er im Forum Köpenick verhaftet werden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Ein Prozesstermin wurde noch nicht bekannt gegeben.

Der andere bei dem Anschlag verletzte Obdachlose lebt inzwischen in einer Obdachlosenunterkunft und hält sich nur noch zeitweise am Bahnhof Schöneweide auf.

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