Von der Ruine zur Bibliothek: Verein „Leben in Wilhelmsruh“ feiert zehnten Geburtstag

Marion Kunert ist eine von 25 Ehrenamtlichen, die die Bibliothek am Laufen halten.
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Wilhelmsruh. Helle, hohe Räume, gemütliche Sitzecken, eine kleine Bühne und viele Bücher: So präsentiert sich die Wilhelmsruher Bibliothek. Das Besondere: Sie wird seit zehn Jahren von Ehrenamtlichen betrieben. Am 3. September laden sie zur großen Geburtstagsparty ein.

Die Hertzstraße ist eine Sackgasse, sie endet am Gelände des Unternehmens ABB. Direkt hinterm Werkszaun steht ein hübscher Backsteinbau mit der Hausnummer 61, doch mit Energietechnik hat der nichts zu tun. Dort ist die Bibliothek vor einem Jahrzehnt eingezogen.

Was sich so einfach anhört, war ein Haufen Arbeit. Begonnen hat alles im Jahre 2004. Die Wilhelmsruher mussten damals erfahren, dass die kommunale Bibliothek an der Edelweißstraße vor der Schließung stand. Schnell fanden sich Engagierte zusammen, beschlossen, selbst etwas auf die Beine zu stellen, und gründeten den Verein „Leben in Wilhelmsruh“. Die Suche nach Räumen begann, und schließlich stellte ABB das ehemalige Wachhaus mietfrei zur Verfügung. Das Gebäude war jedoch in einem desolaten Zustand, nicht viel mehr als eine Industrieruine.

Eine Riesenaufgabe für den jungen Verein, der aber auch Riesenglück hatte: Im März 2006 stellte der rbb in seiner Fernsehsendung „96 Stunden“ das Projekt vor – mit dem Appell an Firmen, Handwerker und freiwillige Helfer, vier Tage lang beim Aufbau mit anzufassen. Ein Betrieb spendierte die Fenster, ein anderer die Heizung, ein dritter half bei allen technischen Problemen. Bald konnte die Bücherei eröffnen. Die Betriebskosten übernahm der Bezirk. „Ohne diese Sendung hätten wir das nicht geschafft“, sagt Marion Kunert vom Verein, der etwa 100 Mitglieder zählt.

Viel hat sich getan, zum Beispiel wurde eine Kinderabteilung aufgebaut. „Mehr als 100.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit stecken in unserer Bibliothek“, hat Vereinsmitglied Claudia Hakelberg mal ausgerechnet. Und die Arbeit geht weiter, ganz sicher bis zum Jahre 2020, so lange läuft der Vertrag mit ABB. Geöffnet ist an jedem Werktag, 21 Stunden in der Woche. Mindestens zwei Ehrenamtliche des 25-köpfigen Bibliotheksteams sind dann vor Ort.

Rund 16.000 Medien stehen bereit. Die Ausleihe ist kostenlos, nur für aktuelle Bestseller ist ein Euro Gebühr zu zahlen. Dieses Geld wie auch Mahngebühren und Einnahmen aus Bücherverkäufen werden in neuen Lesestoff investiert. „Fünf bis sechs Bücher kaufen wir im Monat“, so Marion Kunert. Wer etwas spenden möchte: Besonders begehrt sind aktuelle Krimis und Reiseführer.

Die Bibliothek ist aber mehr als bloßer Ausleihort. Dort gibt es regelmäßige Veranstaltungen wie Lesungen und Konzerte, alle zwei Monate ist eine neue Ausstellung zu sehen. Auch in Sachen Leseförderung engagiert sich der Verein und empfängt oft Kitagruppen oder Schulklassen.

Bei so viel Arbeit darf das Feiern nicht zu kurz kommen. Deshalb sind Wilhelmsruher am Sonnabend, 3. September, ab 14 Uhr bis tief in die Nacht zum großen Familienfest eingeladen. Auf dem Programm stehen Tanz, Musik, Lesung, Kinderbelustigung, die Fotoausstellung „Zeitlos – 96 Stunden und 10 Jahre später“ und ein Feuerwerk. Bei Regen wird im Zelt gefeiert. sus

Weitere Informationen gibt es unter  91 77 23 70 und auf www.leben-in-wilhelmsruh.de. Geöffnet ist die Bibliothek montags, dienstags, donnerstags von 14 bis 19 Uhr sowie mittwochs und freitags von 10 bis 13 Uhr.
Marion Kunert ist eine von 25 Ehrenamtlichen, die die Bibliothek am Laufen halten.
Die Bibliothek liegt auf dem ABB-Gelände.
Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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