Schülerzeitung des Berggruen-Gymnasiums preisgekrönt

Konferenz im Café: Natascha, Viktor und ihre Redakteurskollegen besprechen Themen der nächsten Ausgabe, die im Juni erscheint.
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Westend. Smartphone-Sucht, Mobbing und Flüchtingsrechte - das sind Inhalte von Deutschlands bester Schülerzeitung namens "OHnE". Ein Name, der Ahnungslose irreführt. Denn in den Heften steckt eine Menge Wissenswertes über die heranwachsende Generation.

Ja, auch die lustigsten Lehrersprüche gehören ins Blatt. Welche Pausenhof-Gazette käme ohne sie aus? Aber damit Johann Stephanowitz und seine jungen Redakteurskollegen den ersten Platz im Wettbewerb der Jugendpresse Deutschland belegen konnten, brauchte es noch ganz andere, durchaus einmalige Qualitäten.

"Endlich sagen Jugendliche, was mit Jugendlichen los ist" - so drückte es ein Jurorin aus. Warum sie so oft auf ihre Smartphones starren. Warum sie kaum demonstrieren gehen. Das sind Fragen, die auch jenseits des Pubertätsalters Leser locken.

"Wir behandeln ganz aktuelle, bewegende Themen, befassen uns mit Pegida und der Situation von Flüchtlingen", nennt Stammautorin Natascha ein weiteres Erfolgsrezept. Mal nähern sich die Schreiberlinge der Sache mit Hintergrundberichten, mal liefern sie berührende Fotoreportagen oder diskutieren mit Experten. Oder die Entscheidung fällt auf einen griffigen Kommentar.

Aber die größte Resonanz lösen tatsächlich solche Texte aus, bei denen Autoren ganz persönlich werden. "Ich habe kürzlich beschrieben, wie es sich als Ost-West-Kind lebt", gibt Natascha ein Beispiel. Ihre Mutter stammt aus dem Osten Deutschlands, ihr Vater aus dem Westen. Und der Alltag in so einem Elternhaus beschert ein spannendes Kulturgemisch, das auch bei Außenstehenden Interesse weckt.

"Wir müssen bei jedem Thema den Dreh finden - und zwar den jugendlichen Dreh", bringt Johann das Wesentliche auf den Punkt. Also trifft man sich zur Konferenz im Café Kant und diskutiert, was die nächste Ausgabe der "OHnE" prägen soll, bevor sie in einer Auflage von 399 Exemplaren halbjährlich erscheint.

Hitzig debattiert wird unter den 20 Redakteuren gerade, wie man zu den Möglichkeiten eines Schülerstreiks Position beziehen soll. Dazu hat Johann mit einem Anwalt gesprochen und erfahren, wie zwiespältig die juristische Lage ist. Einerseits gebe es ein Recht zu streiken, um Forderungen durchzusetzen. Andererseits beziehe sich das eigentlich nur auf die Arbeitswelt. Am Heinz-Berggruen-Gymnasium in der Bayernallee 4 will die Schülerschaft in den Ausstand treten gegen Rassismus und schlechte Behandlung von Flüchtlingen.

Aber wie sehen die Schreiber den Umstand, dass sie eine Printzeitung produzieren, wo doch alle Mitschüler auf ihren Handys lesen? "Print wird Zukunft haben, schon deshalb, weil Technik versagen kann", meint Redakteurin Carla. "Und ich persönlich habe das, was ich lese, lieber auf der Hand als auf dem Tablet." Natascha blättert ebenfalls lieber, als auf Displays zu wischen: "In einem richtigen Magazin steckt einfach mehr Liebe drin."

Man merkt - in jungen Jahren haben die Aussagen des journalistischen Nachwuchses schon Hand, Fuß und Gehalt. Aber woher stammt eigentlich der Titel dieser ausgezeichneten Zeitung? Bis 2008 hieß das Heinz-Berggruen-Gymnasium nämlich Erich-Hoepner-Oberschule, erklärt Johann. Die Abkürzung hieß EHO. Diese Buchstaben wurden einfach umgedreht, und es kam ein eingeschobenes ,n’ dazu. Das Schöne daran: der Raum für Wortspiele. Als es um das Thema Drogen ging, hieß der Titel: "Es geht nicht mehr OHnE."

Thomas Schubert / tsc
Autor:

Thomas Schubert aus Charlottenburg

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