Freundlicher Empfang: Versammlung zur Heimeröffnung Eschenallee zerstreut Zweifel

Die Stadträte Engelmann und Schulte, Pfarrer Frank Vöhler und Staatssekretär Dirk Gerstle sahen sich 350 Versammlungsbesuchern gegenüber.
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Westend. Großer Andrang, leichtes Unbehagen, aber vom Willen zur Heimverhinderung keine Spur: Eine Infoveranstaltung bei der Evangelischen Kirchengemeinde Neu-Westend erfüllte ihren Zweck. Wohl am 2. März beziehen Flüchtlinge die ehemalige Psychiatrie - und dürfen sich auf Beistand freuen.

Niemand wusste, welche Stimmung vorherrschen würde. Doch schon kurz nach Beginn der Informationsveranstaltung war klar: Die Willkommenskultur in Westend gilt weiterhin. Und wer weiter mit dem Gedanken spielte, gegen das neue Flüchtlingsheim in der Eschenallee zu klagen, den dürfte die besonnene, hilfsbereite Stimmung beschwichtigt haben.

Dabei war die Faktenlage auch nicht viel klarer gegenüber dem Januar, als erste Meldungen umgingen, in der bisherigen Charité-Psychiatrie entstünden bis zu 500 Plätze. Sozialstadtrat Carsten Engelmann war anzumerken, dass er gerne mehr Informationen liefern würde, wenn er denn könnte. Noch immer hat ihm das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) keinen Betreiber genannt, was mit bürokratischen Problemen zusammenhängt. "Die Marktabfrage endet in diesen Tagen", gab der Stadtrat bekannt.

Voraussichtlich ab März werde die Einquartierung von 300 Asylbewerbern in der Eschenallee starten. Parallel zur Notunterbringung beginne der Umbau der Anlage zu einer Gemeinschaftsunterkunft, deren Kapazität von 300 bis zu 500 Bewohnern reicht. Es wird vom politischen Willen und den Vorstellungen des Heimbetreibers abhängen, wie viele Asylbewerber tatsächlich einziehen.

Befürchtungen, die Kriminalitätsrate könnte steigen, wie sie aus der Versammlung laut wurden, sei bei bisherigen Heimen nicht zu belegen gewesen. "Es gibt keinen Anstieg von Raub oder Belästigung", versicherte Staatssekretär Dirk Gerstle. Was die Nationalitäten anbelangt, rechne man mit Syrern, Bosniern, Mazedoniern und Kosovaren.

Nach der Bemerkung einer Frau, in Westend entstünde allmählich eine "Ballung", betonte Engelmann, dass er für eine sozialverträgliche Gestaltung der Situation Sorge tragen werde. Derzeit leben 240 Flüchtlinge in der Soorstraße, 150 am Kaiserdamm und 200 in der Turnhalle an der Waldschulallee. Auch der Angst, es könne eine heikle Situation wie in der Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg drohen, entzogen die Verantwortlichen den Boden. "Diese Schule ist kein Heim, sondern ein besetztes Haus", erwiderte Gerstle. In offiziellen Einrichtungen würden Richtlinien genau beachtet.

Und schließlich sprachen auch etliche Befürworter des Heimes - wie Felicitas Karimi von der Initiative "Willkommen im Westend." Sie freue sich über die neue Unterkunft, wo leidgeprüfte Menschen anders als in Turnhallen Ruhe finden. "Wir hoffen, dass hier ein Begegnungszentrum entsteht", nannte Karimi eine Vision. Und hörte Applaus.

Den gab es auch für die Äußerung einer der jüngsten Teilnehmerinnen der Versammlung.

"Ich habe definitiv keine Angst", meldete sich eine 15-jährige Anwohnerin der Soorstraße zu Wort. "Das mulmige Gefühl, das man anfangs hat, ist total unbegründet." Zwar werde es manchmal etwas lauter. "Aber mein Bruder ist auch nicht leiser, wenn er mal Party macht."

Thomas Schubert / tsc
Die Stadträte Engelmann und Schulte, Pfarrer Frank Vöhler und Staatssekretär Dirk Gerstle sahen sich 350 Versammlungsbesuchern gegenüber.
Parallel zur Notunterbringung der Flüchtlinge in der alten Psychiatrieanlage beginnt dessen Umbau zu einer Gemeinschaftsunterkunft.
Autor:

Thomas Schubert aus Charlottenburg

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