Mix an Maßnahmen notwendig: Bezirksamt erwägt weitere Schritte gegen öffentlichen Drogenkonsum

Sie nahmen den Drogenhotspot um den S- und U-Bahnbereich Neukölln in Augenschein: Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (links), Sozialstadtrat Jochen Biedermann (hinten, Mitte) und Bürgermeisterin Franziska Giffey (3. von rechts) mit zwei Mitarbeitern des Trägers Fixpunkt und dessen Geschäftsführerin Astrid Leicht (rechts). (Foto: Sylvia Baumeister)
Berlin: S-Bahnhof Neukölln |

Neukölln. Um das Problem des illegalen Drogenkonsums rund um den S- und U-Bahnhof Neukölln in den Griff zu bekommen, setzt das Bezirksamt seit 1. März Straßensozialarbeiter dort ein. Wir berichteten. Zusätzliche Maßnahmen sind im Gespräch.

Das Problem des öffentlichen Drogenkonsums und -handels belastet Anwohner und Gewerbetreibende massiv, da regelmäßig auf Parkplätzen, an Haltestellen und in Hauseingängen Spritzbestecke gefunden werden und Hausbewohner durch die Suchtkranken wiederholt belästigt wurden. Erste positive Effekte hatten sich bereits in einem vom Quartiersmanagement Richardplatz Süd geförderten dreimonatigen Projekt Ende 2016 gezeigt, quasi Vorläufer des nun vom Bezirk finanzierten Modellprojekts der aufsuchenden Straßensozialarbeit.

So konnten über 100 Drogenkonsumenten im betroffenen Gebiet angesprochen werden. Etwa ein Drittel der Süchtigen wird inzwischen von einer Kontaktstelle mit Suchtberatungsangeboten betreut. Viele der Drogenkranken, die immer wieder rund um den Bahnhof anzutreffen sind, stammen aus osteuropäischen Ländern, waren unterbezahlt auf dem Bau beschäftigt und übernachten teilweise in Abrisshäusern. So gerieten sie in einen Teufelskreis aus Suchterkrankung, Verwahrlosung, Gewalt und Kriminalität.

„Die Drogenkonsumenten sollen erstmal von der Straße weggeholt und an Hilfesysteme gebracht werden“, erklärte Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) bei einer Kiezbegehung mit Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), der Landesdrogenbeauftragten Christine Köhler-Azara sowie Vertretern von Polizei, Vertretern des Ordnungsamtes und der Bahn. Wichtig sei aber auch der Kontakt der Sozialarbeiter zu Anwohnern und Geschäftsinhabern, die sich belästigt und verunsichert fühlten. Zudem werden jetzt mehrmals wöchentlich die bekannten „Drücker“-Stellen abgesucht und weggeworfene Spritzbestecke entsorgt. „Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, ist ein ganzer Mix aus Maßnahmen notwendig“, erklärt Giffey. Im Gespräch seien nun zusätzlich eine stärkere Polizeipräsenz sowie eine Videoüberwachung im S-Bahn-Bereich.

Neben einer verstärkten Müllentsorgung wird auch die Anbringung von Spritzenentsorgungsbehältern erwogen. An der Bushaltestelle in der Saalestraße soll es zudem bald eine hellere Straßenbeleuchtung geben. Giffey: „Auf weiteren Terminen vor Ort werden wir überlegen, wie man den Dealern Einhalt gebietet und den Drogenkonsum in eine Bahn lenkt, wo den Leuten geholfen werden kann.“ SB
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