Anwohner und Politiker streiten über die Bebauung des nördlichen Teils des Thälmannparks

Um ihren Erhalt wird heftig gestritten: die Parkplätze an der Lilli-Henoch-Straße. (Foto: Bernd Wähner)
 
Ein großer Teil des Thälmannparks steht zwar unter Denkmalschutz. Aber im nördlichen Bereich soll neu gebaut werden. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Ernst-Thälmann-Park |

Prenzlauer Berg. Einen sehr emotionalen Schlagabtausch lieferten sich auf der jüngsten Sitzung der Bezirksverordneten Gegner und Befürworter der Bebauung des nördlichen Teils des Thälmannparks.

Das Publikum im BVV-Saal: Bürger aus dem Wohngebiet, die die Bauvorhaben ablehnen. Zu massiv und zu unausgegoren, meinen sie. Wer ihre Vorstellungen vertritt, erntet auf der BVV-Sitzung Beifall. Wer eine andere Meinung vertritt, wird ausgebuht.

Dass die Bewohner des Thälmannparks ihre eigenen Vorstellungen zur Entwicklung ihres Quartiers haben, wurde bereits bei Voruntersuchungen zur städtebaulichen Situation deutlich. Die gab das Bezirksamt vor drei Jahren in Auftrag. Mit den daraus resultierenden Vorschlägen waren die Bewohner nicht zufrieden. Sie entwickelten ein eigenes Konzept, dass sie auf www.teddyzweinull.de veröffentlichten.

Wohnungen, Hotel und Stadtplatz

Vieles davon floss in das neue Stadtentwicklungskonzept ein. Doch um das nördliche Areal wird weiter heftig gestritten. Zu diesem gehört der frühere Güterbahnhof Greifswalder Straße, auf dem ein Investor 400 Wohnungen bauen will, und der große Parkplatz an der Lilli-Henoch-Straße, auf dem die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobag 200 Wohnungen in Hochhäusern errichten wird. Weiterhin wäre dort der Bau eines Hotels und eines Stadtplatzes möglich. Zu diesen Einschätzungen kommt jedenfalls eine Machbarkeitsstudie, die die Grundstückseigentümer und das Bezirksamt in Auftrag gaben.

Gegen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie machen derzeit Anwohner und ein Teil der Verordneten Front. Das wurde deutlich, als ein Bürgerantrag von BV-Vorsteher Ronald Rüdiger zur Abstimmung aufgerufen wurde. Dieser wurde von Volker Herold und weiteren Anwohnern gestellt. Sie fordern das Bezirksamt auf, den Bereich der Parkplätze an der Lilli-Henoch-Straße nicht bebauen zu lassen. „Wir befürchten negative Auswirkungen auf den Park und auf unser Wohngebiet“, sagt Herold.

Unterstützt wird dieser Antrag von über 1000 Bürgern mit ihrer Unterschrift. In immerhin drei Sitzungen diskutierten die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses diesen Antrag. Er fand in der BVV allerdings keine Mehrheit. Nur die Linksfraktion stimmte zu, die SPD enthielt sich. Grüne, CDU und Piraten stimmten dagegen. Man wolle sich die Optionen für diese Flächen offenhalten, erklärten deren Verordnete.

Vor der Entscheidung über den Bürgerantrag kam es in einer aktuellen Stunde zum Ernst-Thälmann-Park zu einem Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern der Bebauung. Cornelius Bechtler (Bündnis 90/Die Grünen): „Berlin braucht Wohnungen. Hier besteht die Möglichkeit, auch preiswerten Wohnraum zu schaffen.“ Er warf den Antragsstellern und ihren Unterstützern mangelnde Solidarität mit Wohnungssuchenden vor. Für diese Position erntete er von den anwesenden Bürgern laute Buhrufe.

SPD will einen Neuanfang

Roland Schröder, der baupolitische Sprecher der SPD, erklärte, dass die Verordneten seiner Fraktion mit den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie nicht einverstanden sind. Hier sei das, was die Auftraggeber machen wollen, als machbar erklärt worden. Er forderte: „Wir wollen einen Neuanfang.“ Man müsse die Auswirkung auf das gesamte Gebiet genau betrachten und nicht nur den nördlichen Teilbereich. Ähnlich äußert sich auch der baupolitische Sprecher der Linksfraktion, Michail Nelken. Er sieht eine massive Bebauung in diesem Bereich als erhebliches städtebauliches Problem.

CDU-Fraktionschef Johannes Kraft äußerte Verständnis für die Sorgen der Parkbewohner. Wo immer in der Stadt gebaut wird, gebe es immer auch Befürchtungen. Aber Berlin brauche Wohnungen.

Nun hoffen alle Beteiligten auf einen fairen städtebaulichen Wettbewerb für dieses Gebiet. In dem soll ein städtebaulicher Entwurf entwickelt werden, der Interessen von Anwohnern, Eigentümern und Bedarfe des Bezirks an Infrastruktur berücksichtigt. BW
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