Stolpersteine für zwei Nachbarn

Gunter Demnig verlegt die Stolpersteine für das Ehepaar Sonnenfeld.
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Alt-Treptow. Die Karl-Kunger-Straße gehört heute zu den angesagten Wohnstraßen im Bezirk. Auch vor gut 70 Jahren lebte man hier bürgerlich. Unter den Bewohnern waren auch Marie und Louis Sonnenfeld, die als jüdische Deutsche dem Terror der Nationalsozialisten zum Opfer fielen.

Ihre letzte bekannte Adresse war die Graetzstraße 4, heute Karl-Kunger-Straße 4. Harald Moritz, Abgeordnetenhausmitglied von Bündnis 90/Grüne, hat sein Bürgerbüro in Sichtweite auf der anderen Straßenseite. Er hat jetzt dafür gesorgt, dass zwei Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig an die beiden Treptower erinnern. „Marie und Louis Sonnenfeld stellen nur exemplarisch das Schicksal von Millionen von Menschen dar, deren Leben ohne die Stolpersteine aus der Erinnerung gelöscht würden“, so Harald Moritz.

Marie war 1881 im damaligen Posen geboren worden. Ihr späterer Ehemann Louis Sonnenfeld kam 1883 in Breslau zur Welt. Die beiden haben 1905 geheiratet. Später lebten sie in Prenzlauer Berg, Louis Sonnenfeld arbeitete als Kaufmannsgehilfe, seine Frau als Näherin. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, änderte sich das Leben der jüdischstämmigen Deurtschen schlagartig. Wer genug Geld hatte, versuchte ins Ausland zu gehen. Die Sonnenfelds blieben in Berlin, zogen in die kleine Wohnung in Treptow. Um die Miete aufzubringen, mussten sie eine Untermieterin aufnehmen. Beide wurden als Zwangsarbeiter eingesetzt. Louis Sonnenfeld wurde per Sondererlass im Februar 1942 deportiert. Marie kam am 4. März 1943 mit dem 34. Transport nach Auschwitz. Zuvor musste sie noch die Strom- und Gasrechnung begleichen, die Wohnung aufräumen und zum Schluss die Schlüssel auf der nächsten Polizeiwache abgeben. Die genauen Todesdaten der Eheleute sind nicht bekannt.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt seit 1992 Stolpersteine, um an das Schicksal von durch das NS-Regime Verfolgte zu erinnern. Europaweit wurden bisher rund 60 000 der kleinen Messingplatten mit Namens- und Lebensdaten der Verfolgten verlegt. Seit 2006 ist „Stolperstein“ als Marke durch das Patentamt geschützt.RD

Wissenswertes zum Projekt unter www.stolpersteine.eu.
Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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