Der Sommer 2020 soll sich nicht wiederholen
CDU-Stadträtin will das Baden im Biesdorfer Baggersee zurückdrängen

In den Sommermonaten zieht es die Menschen aus dem Bezirk in Massen zum Baden an den Biesdorfer Baggersee.
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  • In den Sommermonaten zieht es die Menschen aus dem Bezirk in Massen zum Baden an den Biesdorfer Baggersee.
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Bis der Bezirk Marzahn-Hellersdorf ein eigenes Freibad oder Kombibad bekommt, dürften noch Jahre vergehen. Mangels Bademöglichkeiten zieht es die Menschen im Sommer daher in Massen zum Biesdorfer Baggersee. Dort ist das Baden eigentlich verboten, wurde bisher jedoch mehr oder weniger geduldet. Damit dürfte es in diesem Jahr vorbei sein.

Stadträtin Nadja Zivkovic (CDU) will konsequenter durchgreifen und langfristig das Baden unterbinden. „Der Baggersee wird umgestaltet, sodass das Baden erschwert wird. Gänzlich verhindern werden wir es damit nicht, aber wir wollen die Attraktivität senken und es für die Anwohner im Sommer wieder angenehmer machen“, erklärte sie auf Nachfrage der Berliner Woche.

Mehr Verbotsschilder

Geplant ist demnach unter anderem, weitere Baden-verboten-Schilder aufzustellen. Eine Umzäunung des Baggersees sei jedoch nicht angedacht. Stattdessen sieht das Bezirksamt aber zum Beispiel den Rückbau der Liegewiese als notwendig an. Damit sollen die Aufenthaltsbedingungen für Badewillige verschlechtert, zugleich aber der Erholungswert der gesamten Anlage erhalten sowie Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit in den umliegenden Straßen wiederhergestellt werden.

Mangelhafte Wasserqualität

Baden im Biesdorfer Baggersee ist verboten, weil es sich um ein Regenrückhaltebecken und damit um eine technische Anlage der Berliner Wasserbetriebe handelt. Nach Auskunft von Nadja Zivkovic ist es nahezu unmöglich, dort eine Wasserqualität zu erreichen, die eine Freigabe zum Baden erlauben würde. Bei Regen fließt Niederschlagswasser von Straßen, Dächern und anderen versiegelten und teilversiegelten Flächen in den See. Sofern möglich, werden diese Niederschläge im Verbund mit dem Retentionsbodenfilter der Berliner Wasserbetriebe gereinigt, der sich unmittelbar westlich des Baggersees befindet.

Doch es gibt auch Niederschläge, die ohne Vorreinigung in den See gelangen, der außerdem auch ein Notauslass des Abwasserpumpwerks ist. Im Falle eines Starkregens bei gleichzeitigem Stromausfall würde ungefiltertes Abwasser in den See fließen. Einen solchen Extremfall habe es wohl zuletzt im Jahr 2017 gegeben. Weil es sich um kein ausgewiesenes Badegewässer handelt, wurde in den vergangenen fünf Jahren auch keine einzige Wasserqualitätskontrolle im Baggersee vorgenommen.

Falscher Eindruck

Dass den Badegästen diese Hintergründe bekannt sind, darf bezweifelt werden. Durch die bauliche Gestaltung mit Sandstrand, Liegewiese, Beachvolleyballfeld, Imbiss und sogar einem fest installierten Toilettenhäuschen dürfte sich vielmehr bei vielen der Eindruck eines Badesees verfestigt haben. Eine Akzeptanz für das Badeverbot bei der Mehrheit der Besucher zu erreichen, dürfte daher schwer zu erreichen sein.

Tod eines jungen Mannes

Daneben gibt es rund um das Gewässer noch weitere Probleme zu lösen. Wiederholt waren Mitarbeiter des Ordnungsamtes im vergangenen Jahr angegriffen worden. Sie werden künftig gemeinsam mit der Polizei den Baggersee bestreifen. „Wochenlang ist es im vergangenen Sommer zu nächtlichen Ruhestörungen, Grillen, massivem Alkoholkonsum und auch körperlichen Auseinandersetzungen gekommen“, so die Stadträtin. Schlagzeilen schrieb dann im August der Tod eines jungen Mannes, der unter Alkoholeinfluss im Baggersee ertrunken war. Danach hatte das Deutsche Rote Kreuz an den Wochenenden eine mobile Rettungsstation mit ehrenamtlichen Mitarbeitern eingerichtet.

Imbiss-Stand bleibt geschlossen

Zu den Maßnahmen des Bezirksamts gehört in diesem Jahr auch, dass der Imbiss am Strand nicht mehr öffnen darf. Die Nutzungsvereinbarung mit dem Betreiber wurde nicht verlängert. Wer weiterhin am Ufer grillt und damit gegen das Grünanlagengesetz verstößt, kann mit einem Bußgeld belegt werden. Kontrollen werden in den Sommermonaten zukünftig vorwiegend in den Abendstunden unter dem Einsatz einer Polizeihundertschaft durchgeführt. Für eine dauerhafte Überwachung der Grünanlage fehlt allerdings das Personal. Nadja Zivkovic rechnet nicht damit, dass Lärmbelästigungen damit gänzlich aus der Welt sein werden. „Ich erhoffe mir aber eine Verbesserung für die Anwohner“, sagt sie.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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