Anstoß dank „Mittendrin“-Erfolg
Verbesserungen auf den zweiten Blick

Auch in einer vermeintlichen Idylle gibt es noch Verbesserungsbedarf.
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Die ArGe Frohnau ist einer der drei Sieger beim diesjährigen Wettbewerb „Mittendrin Berlin“. Dort werden Initiativen ausgzeichnet, die sich für ein Aufwerten lokaler Zentren engagieren. Die Gewinner erhalten ein Preisgeld von 10.000 Euro plus professionelle Begleitung beim Verfolgen ihrer Ziele.

Die bisherigen Ideen werden derzeit vom Planungsbüro Jahn Mack & Partner in Richtung eines integrierten Standortkonzepts bearbeitet. Bis November soll das fertig sein. Viele Fragen sind dabei noch ergebnisoffen. Aufschluss über Wünsche und Anliegen aus der Bevölkerung sollte auch eine Informationsveranstaltung am 27. August bringen.

Mehr Grün, weniger Müll
und eine bessere Nahversorgung

Die Ausgangslage. In der ArGe haben sich fünf Initiativen zusammen gefunden: Der Bürgerverein Frohnau, die IG Frohnauer Geschäfte, die evangelische Kirche, das Centre Bagatelle sowie die Initiative Stolper Feld. Im Rahmen ihres Mittendrin-Konzepts haben sie vor allem drei Schwerpunkte, ausgemacht. Zum einen Parks, Grünflächen und die städtebauliche Gestaltung. Außerdem die Nahversorgung sowie Mobilität und Verkehr.

Die Gartenstadt Frohnau und speziell ihr Herzstück um den Ludolfingerplatz und Zeltinger Platz bietet auf den ersten Blick das Bild einer Idylle. Von einer auch in Deutschland nahezu einmaligen Vorstadtanlage sprach Carsten Benke, der mit anderen den Komplex rund um das Thema Städtebau bearbeitete. So betrachtet könnten die Aktivitäten deshalb als eine Art „Jammern auf hohem Niveau“ betrachtet werden. Es gelte aber vielmehr das Gegenteil, erklärte Benke. Ärgernisse und Missstände sollten früh im Auge behalten und möglichest abgestellt werden. Auch, damit das Gesamtensemble erhalten bleibt. Das sei gleichzeitig ständigen Veränderungen unterworfen.

Kommt ein Pfandsystem im Handel?

Verbesserungsbedarf. Was gerade aktuell und nicht nur in Frohnau, für viele Klagen sorgt, ist das immense Müllaufkommen im öffentlichen Raum. Die Ideen, wie es minimiert werden könnte, berühren wiederum viele Bereiche. Eher klassisch ist die Option größere und krähensichere Abfallbehälter aufzustellen, was das Bezirksamt in Aussicht gestellt hat. Weiter geht der Vorschlag, eines am besten flächendeckenden Mehrweg-, beziehungsweise Pfandsystem bei Veranstaltungen. Auch in den Geschäften. Eine gute Idee, die bei vielen Veranstaltungen bereits praktiziert werde, aber wahrscheinlich nicht durchgehend umsetzbar wäre, meinte Nicolai Kaufmann von der IG der Gewerbetreibenden. Er könne Anbieter von Esswaren verstehen, die ihre Ware nicht unbedingt auf hochwertigem Geschirr herausgeben wollen. Schon weil die Gefahr bestehe, dass viele Teile auf nimmer Wiedersehen verschwinden.

Integriert denken. Nicht nur am Müllbeispiel zeigte sich, dass an einem Problem oft viele Facetten hängen. Das gilt auch für die Gewerbestruktur. Ein noch größeres Angebot an Läden und Restaurants wird gewünscht. Nur müssen die auch auf entsprechende Nachfrage stoßen. Schon weil die Einzelhandelsflächen hier relativ klein und die Mietpreise ziemlich hoch sind. Das bedeutet aber statt online mehr am Ludolfingerplatz und Zeltinger Platz einzukaufen. Was wiederum zum Thema Verkehr und Mobilität führt. Das wird etwa festgemacht an den vielen Pendlern, die via Auto zum Bahnhof Frohnau kommen, um von dort per S-Bahn in die Stadt zu fahren. Die Pendler sorgen für zusätzlichen Umsatz, ihre abgestellten Autos für Parkdruck und damit Ärger. Ebenso wie zahlreiche Fahrräder im Umfeld des Bahnhofs. Andere Mobilitätskonzepte müssen deshalb her. Etwa in Form von besseren Busverbindungen. Die dann aber entsprechend genutzt werden müssen. Es stelle sich die Frage, wie Veränderungen so gestaltet werden, dass sie am Ende nicht eher zu Verschlechterungen führen, mahnte Wolfgang Beckmann, Vorsitzender des Bürgervereins und in der Werkstatt Verkehr der ArGe aktiv. Dass künftig weniger Autos unterwegs sein sollen, würde wohl jeder unterschreiben, meinte Nadine Fehlert von Jahn, Mack & Partner. Aber, wie eine andere Meinungsäußerung klarstellte, es sei einer 80-Jährigen schwer zu vermitteln, wenn sie ihre Einkäufe künftig per Fahrrad oder Lastenrad erledigen soll.

"Rufbus" soll Nahverkehr ergänzen

Was folgt daraus? Das Planungsbüro soll aus den unterschiedlichen Einschätzungen eine Art gemeinsamen Nenner herausdestillieren und weitere Anleitungen formulieren. Erste mögliche Ergebnisse hat Nadine Fehlert an diesem Abend präsentiert. Etwa ein sogenannter „Rufbus“ als Angebot im öffentlichen Nahverkehr. Oder unterschiedliche Konzepte für Fahrradparkplätze. Letzteres ist auch ein Vorschlag für die Verwendung der Mittendrin-Summe oder Teile davon. Weitere von der ArGe propagierte sind unter anderem das Schaffen eines Informationsportals oder eines Wegeleitsystems. Gerade hier ist die Meinung der Bürger gefragt. Eventuell auch mit weiteren Ideen und Hinweisen.

Die gab es auch schon am 27. August. Etwa von einem Zuhörer, der mit seiner Familie erst vor einigen Wochen hergezogen ist. Er habe festgestellt, dass sich die Kinderspielplätze nicht unbedingt auf Top-Niveau befinden, sagte der Mann. Ihn wundere, dass dieses Thema anscheinend keine Rolle spiele. Das tue es natürlich, versicherte Carsten Benke. Aber eher als eine dezentrale Frage. Nadine Fehlert brachte sogenannte Spielorte ins Spiel. Mehrere Plätze, wo niederschwellig Angebote für Kinder gemacht werden.

Arbeitsgruppen werden
regelmäßig Ergebnisse präsentieren

Was weiter passiert. In den Arbeitsgruppen wird weiter beraten. Weitere, auch analoge, Veranstaltungen, sind geplant oder angedacht. Alle Informationen und aktuelle Termine stehen unter www.frohnau.one.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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