Kein Raum für Antisemitismus
Gedenken an den Beginn der Deportationen von Berliner Juden vor 80 Jahren

Margot Friedländer und der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff legen weiße Rosen am Gleis 17 nieder.
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  • Margot Friedländer und der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff legen weiße Rosen am Gleis 17 nieder.
  • Foto: Marko Priske/Ständige Konferenz
  • hochgeladen von Karla Rabe

Am 18. Oktober 1941 verließ der erste Berliner „Osttransport“ mit über 1000 jüdischen Kindern, Frauen und Männern den Bahnhof Grunewald. Der Zug fuhr in Richtung Litzmannstadt, heute Lodz. Später haben unzählige Züge den Bahnhof verlassen. Die Ziele waren Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager. Das Mahnmal „Gleis 17“ erinnert daran. Am 18. Oktober fand hier die Gedenkveranstaltung „...abgeholt!“ statt.

Sara Frieda Raphaelson, geborene Salomon, zählte zu den Berliner Juden, die am 18. Oktober 1941 mit dem ersten Osttransport in das Ghetto Litzmannstadt deportiert wurden. Am Morgen des 8. Mai 1942 musste Frieda mit 60 weiteren Personen im Kulmhof einen geschlossenen Kastenwagen besteigen, in den Abgase geleitet wurden. In nahegelegenen Wald von Rzuchów wurden die Ermordeten in zuvor ausgehobenen Gräber verscharrt. Insgesamt wurden bis zu sechs Millionen jüdische Kinder, Frauen und Männer Opfer des nationalsozialistischen Völkermords an den Juden Europas. Mehr als 50 000 der Opfer kamen aus Berlin.

"Nie wieder"

Die Ständige Konferenz der NS-Gedenkorte im Berliner Raum hatte in Zusammenarbeit mit dem Senat, der Jüdische Gemeinde zu Berlin und der Deutschen Bahn zur alljährlichen Gedenkzeremonie am "Gleis 17" eingeladen. Anlässlich des 80. Jahrestages hielt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Gedenkrede. Er richtete seinen Appell an die Gesellschaft: „Nie wieder soll ein Zug das Gleis 17 verlassen. Nie wieder nach Theresienstadt, nie wieder ins Ghetto Litzmannstadt, nie wieder nach Auschwitz.“ Er mahnte auch, dass nie wieder Antisemitismus einen Platz in unserer Gesellschaft haben darf. „Nie wieder dürfen antisemitisches Denken und Handeln ohne Widerspruch und öffentliche Reaktionen bleiben“, betonte Steinmeier.

Jeden Tag aufs Neue für Freiheit, Toleranz
und Demokratie eintreten

Auch Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, appellierte, die Erinnerung an die Shoa und die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten, um die Demokratie vor erstarkendem Rechtsextremismus zu schützen. Auf der Gedenkveranstaltung erinnerte er daran, dass Tausende Berliner jüdischen Glaubens von hier aus zu Orten gebracht wurden, an denen man sie fast alle umgebracht hat. „Sie wurden deportiert, um ermordet zu werden.“ Müller betonte auch, dass dieses Verbrechen nicht erst mit der Abfahrt des ersten Zuges vom "Gleis 17" begonnen habe. „Nein, es hat mit der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler 1933 begonnen.“ In einer Zeit, in der Antisemitismus und menschenverachtendes rechtes, demokratiefeindliches Gedankengut wieder erstarken, müsse jeden Tag aufs Neue für Freiheit, Toleranz und Demokratie eingetreten werden.

Das Mahnmal "Gleis 17" am Bahnhof Grunewald erinnert seit 1998 an die Transporte der Deutschen Bahn. Die Gedenkveranstaltung an diesem Ort jedes Jahr am 18. Oktober abzuhalten, geht auf die Initiative der Schriftstellerin Inge Deutschkron zurück. In diesem Jahr fand die Zeremonie zum elften Mal statt. Auf www.orte-der-erinnerung.de/aktuelles ist die Veranstaltung einsehbar.

Autor:

Karla Rabe aus Steglitz

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