Ein skeptischer Beobachter und Malerfürst
Clemens Gröszer auf der Zitadelle

Kunstexperte und Gröszer-Freund Jörg Sperling bei einer Führung vor einem Gröszer-Selbstporträt aus den Jahren 1983 und 1985.
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  • Kunstexperte und Gröszer-Freund Jörg Sperling bei einer Führung vor einem Gröszer-Selbstporträt aus den Jahren 1983 und 1985.
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Noch bis zum 28. Juli ist im Zentrum für Aktuelle Kunst auf der Zitadelle die Ausstellung „Clemens Gröszer – Die Porträts“ zu sehen.

Rund 60 Porträts hängen im Erdgeschoss der ehemaligen Kaserne auf der Zitadelle Spandau. Darunter sind manche Prominente, wie der Dichter Volker Braun oder die Schauspielerin Annekathrin Bürger. Allerdings ist auch immer wieder der Künstler selbst zu sehen. Clemens Gröszer setzte sich in vielen Werken selbst in Szene, als Malerfürst ebenso wie als skeptischer Beobachter seiner Umwelt.

Am 20. April 1951 in Berlin geboren, ging Gröszer schon früh gerne den Dingen auf den Grund. 1967 begann er als Laborant am Institut für Zoologie in Berlin, 1971 zog es ihn für ein Volontariat ans Institut für Denkmalpflege in Schwerin. Gemalt hat der Künstler, der am 4. Oktober 2014 in Berlin starb, schon als Jugendlicher. Doch in seiner künstlerischen Ausbildung blickte er immer über Farbtöpfe und Staffelei hinaus. Auf das Denkmalpflegevolontariat folgte das Studium der Malerei und der Gemälderestaurierung an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. In den 1980er Jahren war er dann auch noch Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR, und zwar beim Bildhauer Wieland Förster.

Der Blick des Künstlers für Material und Formen führte zu großformatigen Gemälden, deren Machart als Mischtechnik firmiert. So integrierte der Künstler in ein Selbstporträt aus den Jahren 1983 bis 1985, auf dem er eine Zigarette raucht, eine originale Streichholz-Schachtel aus DDR-Produktion: Sicherheitsstreichhölzer.

Figuren mit skeptischem Blick

Auf Sicherheit legte Clemens Gröszer allerdings wenig Wert. Zwar entsprach seine gegenständliche Malweise der in der DDR gewünschten Kunst, doch mit kantigen Zügen von Menschen und ihren durchdringenden Blicken schuf er Atmosphären der Skepsis und des Ungewissen. Otto Dix scheint Pate gestanden zu haben. Die oft üppige Ausstattung mit Details wiederum lässt Gröszer als Malerfürst erscheinen, der sich auch die Freiheit nimmt, Konventionen zu überschreiten.

Jörg Sperling, einst Kustos am Brandenburgischen Museum für moderne Kunst Cottbus und langjähriger Freund von Gröszer, erinnerte bei einer Führung daran, dass zu DDR-Zeiten Gröszers Mentor Wieland Förster das eine oder andere Mal behutsam signalisieren musste, welches Bild noch in einer öffentlichen Ausstellung zu zeigen sei und welches besser nicht.

Die Glaskugel als Lichtspender

Zensur kann jetzt die Kunst von Clemens Gröszer nicht mehr beschränken, und so können sich die Betrachter auf viele Details konzentrieren, wie zum Beispiel die Glaskugel, die oft auf den Selbstporträts zu sehen ist. Sie ist nicht nur esoterisches Mittel des Blicks in die Zukunft. Kunstexperte Sperling erinnerte daran, dass die Glaskugel vor den Zeiten des elektrischen Lichts zur Ausstattung von Schusterwerkstätten gehörte. Sie fokussierte Kerzenlicht und ermöglichte so auch das Arbeiten bei Dunkelheit. Auf der Zitadelle leuchten die Werke von Gröszer von selbst.

Die Ausstellung „Clemens Gröszer – die Porträts“ ist noch bis zum 28. Juli freitags bis mittwochs von 10 bis 17 Uhr sowie donnerstags von 13 bis 20 Uhr auf der Zitadelle Spandau zu sehen. Der Eintritt von 4,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, berechtigt auch zum Besuch aller anderen Museen auf der Zitadelle.

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