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Es begann mit einer Tasse Tee: Zu Gast bei der Künstlerwitwe Sigrid Kaus

In diesem Haus lebte und arbeitete der Maler Max Kaus. Unterm Dach hatte er sein Atelier.
In diesem Haus lebte und arbeitete der Maler Max Kaus. Unterm Dach hatte er sein Atelier. (Foto: K. Rabe)

Die Potsdamer Straße in Lichterfelde führt von der Baseler Straße am Bahnhof Lichterfelde-West zur Finckensteinallee. In der Zeit von 1958 bis 1977 lebte im Haus Nummer 44 der Maler Max Kaus. Heute noch wohnt hier seine Witwe, die 87-jährige Sigrid Kaus.

Max Kaus, 1891-1977, war ein bedeutender Berliner Maler und Grafiker, der der zweiten Expressionistengeneration und Nachfolgegeneration der Brücke-Gruppe zuzurechnen ist. Kaus war unter anderem Mitglied der Freien und der Berliner Sezession. Hier lernte er die berühmten Brücke-Maler Erich Heckel, Otto Mueller und Karl Schmidt-Rottluff kennen, mit denen er auch nach dem Krieg noch verkehrte. Mit Erich Heckel, Mitbegründer der Brücke war er eng befreundet. „Heckel und Schmidt-Rottluff waren mit ihren Frauen oft bei uns zu Besuch“, erzählt seine Witwe Sigrid Kaus. Sie lebt immer noch in der Wohnung, in der sie 20 Jahre mit ihrem Mann gemeinsam verbrachte und in der viele große Künstler, Sammler und Kunsthistoriker zu Gast waren. „Es waren schöne, reiche und spannende Jahre“, sagt die 87-Jährige.

Kennengelernt hatte sie den 40 Jahre älteren Maler an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK), heute Universität der Künste. Hier war er Hochschullehrer und unter Karl Hofer stellvertretender Direktor. „Ich wollte Tänzerin werden und am damaligen Mary-Wigman-Studio in der Rheinbabenallee studieren. Um das Schulgeld bezahlen zu können, hatte ich an der HfBK in der Malklasse von Kaus Modell gestanden“, erinnert sie sich. Eines Tages, so berichtet die Künstlerwitwe, klingelte es an der Tür und ein Herr lies anfragen, ob Professor Kaus sie zum Tee einladen dürfe – wenn es ihre Eltern erlaubten. Die Eltern hatten keine Einwände, schließlich handelte es sich um einen älteren und seriösen Mann. „So bin ich also in der damaligen Künstlerkolonie in Wilmersdorf in der Wohnung von Kaus gelandet und alles begann mit einer Tasse Tee“, sagt sie schmunzelnd.

Doch was faszinierte eine gerade 20-Jährige an dem 60 Jahre alten Mann? „Es war seine starke Persönlichkeit und seine stille Art. Er liebte es im Hintergrund zu sein und malte mit großer Leidenschaft“, antwortet Sigrid Kaus. Als Max Kaus bei ihren Eltern um ihre Hand anhielt, hatten auch die keine Bedenken. „Meine Mutter hat mich zur Seite genommen und sagte: ‚Mein liebes Kind. Entgegen jeder Vernunft fürchte ich, es ist der Richtige.‘ Und sie hat Recht behalten: Die Ehe hielt und hielt und hielt. Kaus ist kurz vor unserer Silberhochzeit gestorben“, erzählt sie.

Geblieben sind Sigrid Kaus seine Bilder und ihre Erinnerungen. Ihr ist es zu verdanken, dass das Werk von Max Kaus angemessen dokumentiert wurde und ein umfangreiches Werksverzeichnis erstellt werden konnte.

Heute sind Kaus-Werke in Museen und Galerien auf der ganzen Welt vertreten. Das Brücke-Museum zeigte vor zwei Jahren eine Doppelausstellung von Erich Heckel und Max Kaus. Eine große Ausstellung war zum 100. Geburtstag des Malers in Germanischen National Museum Nürnberg zu sehen und auch das Käthe-Kollwitz-Museum Berlin widmete dem Maler 2005 eine Ausstellung. „Sogar in der Eremitage in St. Petersburg hängen echte ,Käuse‘“, sagt Sigrid Kaus. In den zurückliegenden Jahren ist das Werk ihres Mannes mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Sigrid Kaus würde sich freuen, wenn dem Maler Max Kaus noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt würde.

Heute erinnert übrigens eine Gedenktafel neben dem Eingang des Wohnhauses Potsdamer Straße 44 an seinen einstigen berühmten Bewohner. In diesem Haus lebte und arbeitete der Maler Max Kaus. Unterm Dach hatte er sein Atelier.

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