Nicht akzeptabel: Sporthalle jetzt Flüchtlingsunterkunft – Vereine betroffen

Das Handball-Projekt für Flüchtlingskinder der SG Hermsdorf-Waidmannslust steht aufgrund der prekären Sporthallen-Situation vor dem Aus.
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Märkisches Viertel. Nun ist also auch die Sporthalle der Thomas-Mann-Oberschule in der Königshorster Straße beschlagnahmt und zu Lasten des Schul- und Vereinsports im Bezirk zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert und zweckentfremdet worden.

Direkt betroffen auch jeweils knapp 100 Sportler vom TSV Berlin-Wittenau und der SG Hermsdorf-Waidmannslust, für die nun neue Trainingsmöglichkeiten gefunden werden müssen. Und das hat wiederum Auswirkungen weit über die Sportangebote hinaus, die bis dato in der Sporthalle der Thomas-Mann-OS durchgeführt worden sind. So steht das im Sommer ins Leben gerufene und unlängst mit dem Mete Ekşi-Preis ausgezeichnete Handball-Projekt für Flüchtlingskinder von der SG Hermsdorf-Waidmannslust im Cite Foch vor dem Aus.

„Es wird natürlich immer schwieriger, unseren zahlenden Mitgliedern zu vermitteln, warum wir eine Hallenzeit in der Cite Foch für ein Flüchtlingsprojekt nutzen, während Mannschaften unserer SG ihre Trainingszeiten in der Königshorster verloren haben“, erläutert Bettina Strohscheer-Mies, stellvertretende Abteilungsleiterin der SG. „Das Problem ist, dass durch die Beschlagnahmung dieser und anderer Hallen die gesamte Reinickendorfer Sportlandschaft in Aufruhr geraten ist. Niemand von uns hat mittlerweile mehr Verständnis dafür. Und ganz ehrlich: für die Flüchtlinge ist es doch auch eine Zumutung.“

Auch beim TSV Berlin-Wittenau versucht man händeringend, knapp 100 Leichtathletik-Kinder und die Mitglieder einer Gymnastikgruppe andernorts unter zu bringen. Das gestaltet sich allerdings alles andere als einfach, weil der TSV aufgrund eines Wasserrohrbruches in der Turnhalle der Grundschule am Peckwisch ohnehin schon für knapp 80 Mitglieder alternative Trainingsstätten suchen muss. Entsprechend ist auch beim TSV, der sich seit zwei Jahren intensiv in Flüchtlingsheimen engagiert, die Befürchtung groß, dass bei weiteren Beschlagnahmungen von Sporthallen empfindliche Konsequenzen durch Mitgliederverluste und die Aufgabe ganzer Sportarten drohen. Natürlich ist man sich im Reinickendorfer Sport einig darüber, dass den Menschen, die geflohen sind, um bei uns Schutz zu suchen, geholfen werden muss. Doch das Umfunktionieren von Sporthallen zu Notunterkünften sei, so lange es Alternativen gäbe, nicht nur kurzsichtig und unverständlich, sondern nicht akzeptabel. „Die aktuelle Entwicklung zeigt einmal mehr, dass es keine übergreifenden, sinnvollen politischen Überlegungen gibt“, ärgert sich Susanne Jurchen vom TSV Berlin-Wittenau. So wurde den Klubs vor einigen Wochen mitgeteilt, dass Sportvereine vom Senat auch im Jahr 2016 Fördermittel für die Arbeit mit Flüchtlingen zur Verfügung gestellt bekommen würden. „Stellt sich nur die Frage, wo diese verwendet werden sollen, wenn uns die notwendigen räumlichen Ressourcen auf der anderen Seite weggenommen werden.“ min

Autor:

Michael Nittel aus Reinickendorf

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