Verstecktes Baudenkmal ohne Zukunft
Ehemaliges Wohnheim an der Buckower Chaussee verfällt weiter

Das ehemalige Obdachlosenheim steht verlassen hinter einem abgeriegelten Tor.
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  • Das ehemalige Obdachlosenheim steht verlassen hinter einem abgeriegelten Tor.
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Vor drei Wochen berichtete die Berliner Woche, dass der Bezirk keine geeigneten Objekte und Flächen für eine weitere Obdachlosenunterkunft zur Verfügung hat. Daraufhin erhielten wir eine E-Mail unseres Lesers Karl Griese aus Lichtenrade, der ein ehemaliges Obdachlosenheim an der Buckower Chaussee als Standort vorschlug.

Gemeint ist das alte Backsteingebäude direkt neben dem P+R-Parkplatz am S-Bahnhof Buckower Chaussee. Es liegt versteckt hinter einer teilweise mit Stacheldraht bestückten Mauer und dem dichten Blätterwerk hoher Bäume. Ein Gitter versperrt den Zugang. „Objekt gesichert“ steht auf einem Aufkleber. Im Gebüsch dahinter wurden ein alter Bürostuhl und anderer Müll entsorgt. Von außen sieht das Gebäude aus, als habe es seit Ewigkeiten niemand mehr betreten. Die Eingangstür wurde mit Spanplatten verkleidet. Vor den Zugangsstufen sind Linden gewachsen. Zuletzt wurde das Haus als Wohnheim für obdachlose Männer genutzt. Dessen Träger musste die Einrichtung jedoch 2002 schließen. Seitdem steht es leer.

Karl Griese erinnert sich gut an die Zeit, als noch Leben in dem Komplex herrschte. Seinen Angaben zufolge hätten rund 20 Jahre lang Obdachlose aus Tempelhof und Neukölln mit einer Belegung zwischen 100 und 200 Personen dort gelebt. Mit der ökumenischen Gruppe hat er die Heimbesucher von 1990 an wöchentlich besucht. „Wir haben Sommerfeste mit Gemeindegliedern und Heimbewohnern veranstaltet und sie zu Behörden begleitet“, berichtet er. Trotz Wasserschäden halte er eine Nutzung weiterhin für möglich. Seine Argumente: „Gute Verkehrsanbindung, große Waschtrakte, Verwaltungsbereiche, im Industriegebiet gelegen, keine direkten Anwohner, nahe Einkaufsmöglichkeiten“.

Ursprünglich wurde das Gebäude Anfang der 40er-Jahre für die Waffenproduktion gebaut. Der Datenbank des Landesdenkmalamts lässt sich entnehmen, dass die von der Rheinmetall-Borsig AG errichtete Rüstungsfabrik der deutschen Luftwaffe damals ferngesteuerte Lenkbomben und Raketen lieferte. In den Jahrzehnten darauf diente der Bau als Jugendgästehaus, später als Altenheim, Waisenhaus und zuletzt Obdachlosenheim. „Im Oktober 2015 gab es beim Stadtentwicklungsamt ein Vorbescheidsverfahren für eine Gemeinschaftsunterkunft zur Unterbringung von Flüchtlingen oder alternativ zur Umnutzung in ein Atelierhaus für Künstler und Kleingewerbetreibende“, teilt das Büro von Sozialstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) auf unsere Anfrage hin mit. „Der Nutzung für Flüchtlinge wurde per Befreiung für drei Jahre zugestimmt. Die Gewerbebetriebe wären allgemein zulässig, die Künstlerateliers ausnahmsweise als kultureller Zweck ohne Wohnung. Der Bescheid ist inzwischen abgelaufen. Warum daraus nichts geworden ist, ist dem Stadtentwicklungsamt nicht bekannt.“

In der BVV war das Grundstück zuletzt im August ein Thema. Ein Beschluss, wonach „der Standort endlich für eine neue Nutzung entwickelt“ werden soll, liegt seitdem vor. Das Gebäude befindet sich jedoch in Privatbesitz. Dem Bezirk seien dadurch die Hände gebunden, heißt es aus dem Büro der Stadträtin. Warum der Eigentümer das Areal verwahrlosen lässt, ist unklar. Vermutlich liegt es an der fehlenden Zufahrtsstraße. Der parallel zur Bahntrasse verlaufende Weg gehört der Deutschen Bahn, die den Platz jedoch bald für den Ausbau der Dresdner Bahn benötigt. Auf der anderen Gebäudeseite hat offenbar ein dort ansässiges Speditionsunternehmen etwas gegen einen möglichen Zugangsweg. Wie das Baudenkmal unter diesen Umständen wieder nutzbar gemacht werden soll, bleibt ein Rätsel.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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