High Line statt Ruinen: Alte Trasse der Siemensbahn könnte zum Park werden

Auf der alten Trasse hoch über dem Siemensdamm spazieren? Andreas Jüttemann findet die Idee genial.
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Siemensstadt. Seit 35 Jahren ist die Siemensbahn stillgelegt. Ideen zur Nachnutzung gibt es viele. So könnte etwa die High Line in New York prominentes Vorbild sein, schlägt ein junger Stadthistoriker vor.

An den S-Bahnhöfen Siemensdamm und Wernerwerk fährt schon lange keine Bahn mehr. Gleisanlagen und Unterbauten bröckeln vor sich hin. Bohlen sind herausgerissen, Schienen verbogen, Müll liegt herum und überall wuchert das Grünzeug. Seit 35 Jahren ist die rund fünf Kilometer lange Trasse der früheren Siemensbahn nun schon stillgelegt. Was aus den überwiegend denkmalgeschützten Bahnanlagen zwischen Jungfernheide und der Insel Gartenfeld einmal werden soll, ist ungewiss.

Dabei gibt viele originelle Ideen für eine urbane Nachnutzung. Die von Andreas Jüttemann zum Beispiel. Der Berliner Hochschulabsolvent schlägt vor, die ungenutzte Strecke als Grünanlage mit Bänken, Wegen, Blumenbeeten, Freizeitspielen und Sportgeräten herzurichten. Prominentes Vorbild könnte die High Line in New York sein. Auf einer ehemaligen Bahntrasse im Stadtteil Manhattan hatten die Stadtväter in zehn Metern Höhe einen öffentlichen Park geschaffen. Dort können die New Yorker von der Großstadthektik abschalten. „Das wäre auch für die Siemensstadt eine Attraktion und würde den Ortsteil ganz sicher aufwerten“, findet der 29-Jährige. Zumal die Nachnutzung alter Industrieanlagen in Berlin Kultur habe und zahlreiche Touristen anlocke.

Seine Idee hat Andreas Jüttemann, der gerade seine Doktorarbeit in Medizingeschichte schreibt und sich in seiner Freizeit mit der Stadtgeschichte Berlins beschäftigt, auch schon den Bezirksverordneten vorgestellt, namentlich der SPD-Fraktion. Eine Reaktion hat er noch nicht. Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) findet die Idee interessant. Zumal damit der unschöne Zustand der Bahntrasse endlich ein Ende habe. „Ich vermute aber, so ein Park wird letztlich an den Kosten scheitern.“

Spannende Entwürfe für die alte Siemensbahn hatten 2014 auch schon Architekturstudenten aus Stuttgart vorgelegt. Sie reichten vom Hochhaus über ein Schwimmbad bis hin zur Kanustrecke. Der ADFC Berlin wiederum kann sich auf der Trasse einen Radweg gut vorstellen. Als schnelle, autofreie Verbindung von Charlottenburg bis Gartenfeld mit einem Abzweig zum geplanten Innovationspark in Tegel – sobald der Flughafen zu ist. „Das ist aber noch eine vage Überlegung“, sagt Bernd Zanke, ADFC-Vorstandsmitglied. Weder gebe es eine Kostenschätzung noch genaue Planungen. In seinem Umsetzungskonzept zur Radverkehrsstrategie in Berlin schlägt der Deutsche Fahrradclub diese Idee dem Senat aber vor.

Die Siemensbahn vom Bahnhof Jungfernheide in Charlottenburg zum Bahnhof Gartenfeld in Spandau wurde 1929 eröffnet. Die Firma Siemens baute die elektrische S-Bahn-Strecke damals auf eigene Kosten aus, um ihre 60.000 Beschäftigten nach Siemensstadt zu befördern. 1980 wurde die Strecke stillgelegt. 2007 beantragte dann die Deutsche Bahn beim Eisenbahn-Bundesamt die Strecke zu entwidmen. Doch der Berliner Senat lehnte ab. Er wollte sich die Möglichkeit offenhalten, die Wasserstadt Spandau oder das Gelände des Flughafens Tegel an das S-Bahn-Netz anzuschließen. Seitdem ruht das Verfahren um die Zukunft der Strecke. uk

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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