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Zehlendorfer mit guter Einstellung zum Erfolg

Die Vorentscheidung: Burak Mentes trifft zum 2:0 (30.)  Foto: Kerstin Kellner
Die Vorentscheidung: Burak Mentes trifft zum 2:0 (30.) Foto: Kerstin Kellner

„Kleine Hertha“ schlägt Brandenburg 2:0 / Trainer Arsovic verlängert Vertrag

„Man weiß ja nie so genau, wo man nach der Winterpause steht“, beschrieb Zehlendorfs Kapitän Robert Schröder hinterher seine Gefühle. Es dürfte so manchem Anhänger der „kleinen Hertha“ vor dem Rückrundenauftakt ähnlich ergangen sein. Am Ende waren Fans, Offizielle und Spieler erleichtert, gelang mit dem 2:0-Heimerfolg gegen den Brandenburger SC Süd 05 nicht nur ein guter Start in die zweite Halbserie, sondern erstmals konnten die Zehlendorfer gegen ein Spitzenteam die volle Punktausbeute einfahren.

Personalprobleme sorgten bei den Berlinern in den letzten Wochen für arge Kopfschmerzen, fehlte doch mit Schröder, Mike Ryberg, Albert Vincetic, Carl Hopprich, Jian Schleiff, „Maxi“ Obst und Lukas Binting zeitweise eine halbe Mannschaft. Doch oft wichtiger als die reinen Personalien ist die Einstellung. Und die ließ am gestrigen Sonntag auf schwer zu bespielenden Geläuf im Ernst-Reuter-Stadion keine Wünsche offen. „Unsere Einstellung hat absolut gestimmt, denn es war schon sehr schwierig auf diesem Platz zu spielen“, erkannte Zehlendorfs neuer „Funkturm“ Lenny Stein richtig. Von Beginn an zeigten die Hausherren, dass sie „in der Vorbereitung hart gearbeitet haben“, wie Mittelfeldspieler Marc Zellner nachher sagte. Sie setzten die Gäste sofort unter Druck, und so dauerte es nur bis zur 8. Minute, bis der Führungstreffer fiel: Niclas Warwel nutzte auf der rechten Seite den Platz, den man ihm großzügig ließ, zu einer genauen Hereingabe auf den langen Lenny Stein und der fackelte nicht lange. Mit einer perfekten Direktabnahme beförderte er das Leder ins linke untere Eck. Ein Auftakt nach Maß, der den Gastgebern die nötige Sicherheit verlieh.

Stein selbst merkte man an, dass auch ihm persönlich der Treffer guttat. Dass ein Spieler mit seiner Größe die meisten Kopfballduelle für sich entscheidet ist an und für sich noch nichts Besonderes. Doch einen Kopfball schlicht nur zu erreichen oder ihn dabei gleich noch gezielt weiterzuleiten, sieht man (sehr zum Erstaunen) auch in der Bundesliga nur noch höchst selten. Dass es Stein auch noch verstand, den Ball mit den Füßen sauber zu behandeln, machte ihn zu einem herausragenden Akteur des Nachmittags.

So verwunderte es nicht, dass es ein Steilpass von Stein war, der Torjäger Sebastian Huke in der 30. Minute in aussichtsreiche Schussposition brachte. Huke scheiterte zwar noch am herausgeeilten Brandenburger Torhüter Neubauer, doch im Nachstochern brachte Burak Mentes den Ball zum 2:0 im Gehäuse unter. Dass die Gäste zur Pause noch immer im Rennen und nicht aussichtlos zurücklagen, hatten sie ihrem Glück oder besser dem Zehlendorfer Pech zuzuschreiben. Huke erneut frei vor Neubauer und Zellner per Lattenschuss hätten die Partie schon rechtzeitig entscheiden können.

Gerade Zellner („Wir hätten früher den Sack zu machen müssen.“) hätte man diesen Treffer gewünscht, ist er doch zuletzt etwas vom Schussglück verlassen. Doch sein kämpferischer Einsatz hat ihn inzwischen zu einem festen Bestandteil des Teams werden lassen.

Nachdem Huke kurz nach dem Wechsel einen Kopfball freistehend neben das Tor gesetzt hatte, vorausgegangen war eine schöne Kombination über Zellner, Timur Gayret und Panagiotis Vassiliadis, kam die Zeit der Gäste – und von Philip Sprint. Hatte Zehlendorfs Schlussmann Sprint bei einem knapp verzogenen Schuss von Renè Görisch aus halblinker Position noch das Glück des Tüchtigen, zeigte er beim einem Versuch von Tom-Melvin Schmidt, zentral geschossen, sein ganzes Können (52.). „Da habe ich auch ein wenig spekuliert, bin nicht „runter“ gegangen, sondern stehen geblieben“, beschrieb er später die Szene. Als er anschließend auch noch einen Drehschuss von Torjäger Görisch mit einem tollen Reflex parierte, war der Zehlendorfer Erfolg abzusehen. Während Brandenburgs Trainer Özcan Gümüs diesen Szenen nachtrauerte („Wenn wir hier das 2:1 machen, dann kann es nochmal brennen“), war Sprint einfach nur froh: „Ich freue mich, dass ich mithelfen konnte, dass wir mal wieder zu Null gespielt haben.“

In der Folge kontrollierten die Hausherren, bei denen neben Sprint und Stein auch der junge Timur Gayret durch geschicktes Dribbling auffiel, wieder das Geschehen und brachten den ersten Erfolg im (nicht mehr ganz so) neuen Jahr über die Runden.

Der gelungene Start dürfte die Stimmung in Zehlendorf deutlich heben. „Wir arbeiten weiter und gehen mit Freude in das nächste Spiel gegen Lichtenberg“, sagte Hertha 03-Trainer Alexander Arsovic auf der Pressekonferenz nach der Partie. Seine Laune selbst ist ohnehin kaum noch zu steigern, verlängerte er in der vergangenen Woche (ebenso wie Co-Trainer Miroslav Savic) seinen Vertrag schon um ein weiteres Jahr. Damit haben die Zehlendorfer auf dieser wichtigen Position rechtzeitig Klarheit und Kontinuität geschaffen. Die nächsten beiden Aufgaben haben es in sich: Lichtenberg 47 (auswärts) und Spitzenreiter Optik Rathenow (zuhause, 4.3.2018) warten auf die Südberliner. Eine gute Gelegenheit zur Überprüfung, ob das junge Team im Verlauf der Hinrunde schon einen Reifeprozess durchlaufen hat.

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