Süchtige aus Hauseingängen holen: Bezirk setzt ab Juni Drogenberatungs- und Konsummobil ein

Rund um den S- und U-Bahnhof Neukölln gibt es seit Monaten ein massives Problem mit dem Konsum und Handel illegaler Drogen. (Foto: Sylvia Baumeister)
 
Bürgermeisterin Franziska Giffey (stehend) und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (rechts neben ihr) auf der Veranstaltung im Albrecht-Dürer-Gymnasium mit Andrea Möllmann-Bardak (links, Verein Gesundheit Berlin-Brandenburg), Manuela Mühlhausen (Senat für Gesundheit) sowie Astrid Leicht (2. von rechts, Fixpunkt) und Thomas Böttcher (Leiter Polizeiabschnitt 55). (Foto: Sylvia Baumeister)
Berlin: S-Bahnhof Neukölln |

Neukölln. Seit Monaten wird das Problem des illegalen Drogenkonsums und –handels rund um den S- und U-Bahnhof Neukölln immer akuter (wir berichteten). Anwohner und Passanten fühlen sich zunehmend belästigt, bedroht und beeinträchtigt von Fixern und Dealern.

Schüler, die auf dem Schulweg von Dealern angesprochen werden, Anwohner, die regelmäßig von Fixern benutzte Spritzbestecke im Hausflur finden, vermehrte Einbrüche, tätliche Angriffe und Bedrohungen durch Fixer in Hauseingängen – so sieht der Alltag nach Schilderungen von Anwohnern rund um den U- und S-Bahnhof Neukölln aus.

Am 21. April konnten sich auf einer Anwohnerinformationsveranstaltung im Albrecht-Dürer Gymnasium einige der insgesamt 9000 eingeladenen Betroffenen ihre Angst und Wut über die unhaltbaren Zustände im Kiez von der Seele reden.

Eingeladen dazu hatten Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU), die gemeinsam mit Vertretern der Senatsverwaltung für Gesundheit, der Polizei und des Suchthilfeträgers Fixpunkt über neue Maßnahmen am Drogen-Hotspot informierten.

„Dieses Problem betrifft die Gesundheit, den Jugendschutz, die Schule, Kitas und Anwohner. Es macht den Menschen Angst, wenn Süchtige in Hauseingängen konsumieren. Daher muss dringend etwas getan werden“, sagte Giffey. Seit März setzt das Bezirksamt eine erweiterte Straßensozialarbeit im betroffenen Gebiet ein, um suchtkranke Menschen in bestehende Suchthilfeeinrichtungen zu leiten und die Anwohner im öffentlichen Raum zu entlasten.

Sozialarbeiter sprechen die Fixer an und sammeln liegen gelassene Spritzbestecke ein. Die Kosten für das Projekt betragen 50 000 Euro jährlich. Die Polizei hat zudem ihre Präsenz rund um den Bahnhof verstärkt. Bald soll es auch eine bessere Beleuchtung geben sowie eine vermehrte Reinigung.

Demnächst werden nach Auskunft von Liecke an sechs Standorten Behälter für Spritzen installiert, damit diese nicht mehr auf der Straße oder in den Häusern landen.

Situation entschärfen

Neueste Maßnahmen sind ein Drogenberatungs- und ein Konsummobil, die beide voraussichtlich ab Juni bis Ende des Jahres drei Tage in der Woche für etwa vier Stunden an der Karl-Marx-Straße Ecke Kirchhofstraße stehen werden.

„Das Drogenmobil ist ein Schritt, um die Situation zu entschärfen. Wir hoffen so, die Süchtigen aus dem Bahnhof und den Hauseingängen zu bekommen“, sagte Giffey. Wie Astrid Leicht von Fixpunkt berichtete, zeigten bisherige Erfahrungen des Trägers, dass ein solches Angebot gut angenommen werde und keinen vermehrten Drogenhandel nach sich ziehe.

Anwohner kritisierten allerdings, der Einsatz der beiden Fahrzeuge, die im Übrigen nicht besonders gekennzeichnet sein werden, sei nicht ausreichend. Gesundheitsstadtrat Liecke versicherte: „Ich werde mich dafür einsetzen, bezirkliche Mittel für einen erweiterten Einsatz freizugeben“. SB

Wer sich von Fixern belästigt fühlt, kann sich wenden an Fixpunkt unter neukoelln@fixpunkt.org oder  0163/368 31 37 sowie  692 91 98. Bei akuten Bedrohungen sollte die Polizei eingeschaltet werden unter  110.

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