Denkmalschutz wird geprüft
Anwohner gegen Bebauung eines Grundstücks in Görresstraße

Bis auf das Atelierhaus hinten will der neue Eigentümer des Grundstücks alles abreißen lassen.
  • Bis auf das Atelierhaus hinten will der neue Eigentümer des Grundstücks alles abreißen lassen.
  • Foto: KEN
  • hochgeladen von Karen Noetzel

Die Görresstraße ist eine der zahlreichen beschaulichen Straßen im „Künstlerviertel“. Baupläne eines Investors haben Anwohner aufgeschreckt.

Seit Herbst ist die Bauwert AG (u.a. Kronprinzengärten) Eigentümerin des Doppelgrundstücks Görresstraße 21/23. Dort plant der Immobilienentwickler ein Wohnhaus mit bis zu 40 Wohnungen. Bis auf das rückwärtig gelegene Atelierhaus sollen alle Bauten abgerissen werden. Die Hälfte der Eigentumswohnungen soll drei Zimmer und mehr haben. Drei Wohnungen sind als Mietwohnungen geplant, ein Ersatz für die Wohnungen in der Villa, die Bauwert abreißen will; Mietpreis: 7,50 Euro nettokalt pro Quadratmeter.

Laut Stadtentwicklungsstadtrat Jörn Oltmann (Grüne) ist auf dem Grundstück der Bau eines Mehrgeschossers mit einer Bruttogeschossfläche von 2350 Quadratmetern erlaubt. Für den Abriss müsse der Investor gemäß dem Zweckentfremdungsverbotsgesetz eine Ausnahmegenehmigung beantragen und den Bewohnern Wohnraum in bisheriger Größe und Qualität zu einem moderaten Mietpreis anbieten. Bei anderen Vorhaben sei das eine entscheidende Hürde gewesen, die zu Umplanungen geführt habe, so Oltmann.

Gegenüber der Berliner Woche sagte Bauwert-Vorstandsmitglied Jürgen Leibfried, man habe bislang noch keinen Antrag auf Abriss und Neubau gestellt. Den Mietern werde er eine Abfindung in sechsstelliger Höhe anbieten.

Anwohner der Görresstraße wehren sich gegen den Abriss und das Neubauvorhaben. Sie sammeln Unterschriften und haben im Internet eine Petition gestartet: www.openpetition.de/petition/online/rettet-die-haeuser-goerresstr-21-23. „Wir möchten, dass die alten Häuschen erhalten bleiben und die Mieter weiter dort wohnen dürfen“, sagt Initiator Knut Schwenke. „Häuser wie diese sind ganz wesentlich für die besondere Atmosphäre hier“, so ein Unterzeichner.

Die möglichst lange Unterschriftenliste soll Mitarbeitern des Landesdenkmalamts überreicht werden. Sie werden auf Bitte von Stadtrat Oltmann prüfen, ob das Ensemble in die Denkmalliste aufgenommen werden kann. Für den Initiator der Petition kann der Denkmalschutz die Häuschen retten. „Denkmalschutz ist Kiezschutz“, heißt es im Aufruf.

Einen Historiker, der die Denkmalwürdigkeit untersuchen soll, hat auch Bauwert beauftragt. Jürgen Leibfried, der nicht der „böse Investor“ sein will, meint, die Villa sei in den Siebzigern „kaputtsaniert“ und schon in den 80er-Jahren als nicht denkmalwürdig eingeschätzt worden. „Der Denkmalschutz wird nur vorgeschoben“, so Leibfried. „Hier soll Wohnungsbau verhindert werden.“ Jedes Neubauvorhaben in Berlin stoße auf erbitterten Widerstand, sagt der Investor.

Bisher sind die Häuschen nicht denkmalgeschützt. Für das Viertel gilt kein Milieuschutz. Gleichwohl habe sich die Görresstraße in den vergangenen Jahren massiv verändert, sagen Anwohner. Häuser wurden verkauft, Modernisierungen vorgenommen. Die Mietpreise sind deutlich gestiegen.

Stadtrat Oltmann unterstreicht, dass er für den Erhalt der Häuser ist. Und er habe Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen im Blick, die nicht an den Stadtrand verdrängt werden sollen. Jetzt ist das Landesdenkmalamt am Zug. Seine Aussage wird in frühestens vier Wochen erwartet. Jörn Oltmann wird sich demnächst zu einem Gespräch mit Jürgen Leibfried treffen.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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