Bezirk stoppt Abriss
Beamte setzen Milieuschutz durch

Das Bezirksamt stoppte den illegalen Abriss im Remisenhof an der Koloniestraße.
  • Das Bezirksamt stoppte den illegalen Abriss im Remisenhof an der Koloniestraße.
  • Foto: Frank Bertermann
  • hochgeladen von Dirk Jericho

In einer Nacht- und Nebelaktion wollte der Eigentümer am Nikolaustag Garagen im Remisenhof an der Koloniestraße 10 abreißen. Das Bezirksamt stoppte die Aktion.

Plötzlich standen die Bauzäune vor den Garagen und einstigen Ateliers. Arbeiter fingen an, die Dächer abzureißen und die Tore auszuhängen. Die überraschten Künstler und Gewerbetreibende, die in den Baracken ihre Werkstätten hatten, riefen Polizei und das Bezirksamt um Hilfe. Mehrere Mitarbeiter vom Umwelt- und Naturschutzamt, von der Bauaufsicht und der Abteilung Milieuschutz rückten an. Die zuständige Kollegin vom Stadtentwicklungsamt stoppte schließlich den Abriss.

Die Koloniestraße 10 liegt seit September im neu erlassenen Milieuschutzgebiet Reinickendorfer Straße. Der Abriss der Gebäude im Remisenhof ist deshalb illegal. Der Investor wollte vollendete Tatsachen schaffen. Seit Monaten kämpfen die Künstler und Mieter um ihre Ateliers. Der neue Eigentümer des Hofareals mit den Remisen will seine Neubauten mit hochpreisige Studentenapartments auf dem angrenzenden Grundstück erweitern. Auf dem Remisenhof sollen zukünftig zusätzliche teure Studentenwohnungen entstehen. Das Vorkaufsrecht konnte das Bezirksamt Anfang des Jahres nicht ausüben, da die Koloniestraße 10 damals noch kein Milieuschutzgebiet war. Eine soziale Erhaltungsverordnung wurde erst im September erlassen.

In Milieuschutzgebieten sind alle baulichen Maßnahmen genehmigungspflichtig. Eigentümer haben strenge Auflagen. Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) reagierte scharf auf das Vorgehen des Investors: „Es ist bedauerlich, dass der Investor Uhlmann sich aus Profitinteressen heraus zu einem nicht rechtskonformen Vorgehen hinreißen ließ und es nicht einmal für nötig erachtete, die betroffenen Mieterinnen vorab zu informieren. Den Mieterinnen kurz vor Weihnachten ihr direktes Wohnumfeld zu zerstören, zeigt, dass der Investor mitteleuropäischen Kategorien von Anstand und Moral nicht stand hält“, so der Stadtrat, der sich für immer mehr Milieuschutzgebiete starkmacht. Auch BVV-Bauausschussvorsitzender Frank Bertermann (Grüne) war zur illegalen Abrissaktion geeilt und lobt das schnelle Eingreifen der Behörde. „Das ist ein gutes Beispiel, wie man mit Milieuschutz bestehende Strukturen erhalten kann“, so der Grüne.

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