Stolzer Schneehase
Wolfgang Watzek für seine Verdienste um den Berliner Skisport hoch geehrt

13-mal ist Wolfgang Watzek den Berlin-Marathon gelaufen, einmal den in New York. Nicht schlecht für eine "unsportliche Type".
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Begeisterte Skifahrer haben es in Berlin schwer. Schnee fällt extrem selten. Geeignete Loipen und Pisten wären selbst dann nicht vorhanden. Dennoch gibt es auch in der Hauptstadt einen Skiverband und Wintersportvereine wie die Berliner Schneehasen. Wolfgang Watzek (72) aus Marienfelde war lange deren Kassenwart, Sportwart und Vorsitzender.

Für seine mehr als 40 Jahre lange ehrenamtliche Tätigkeit erhielt er im Dezember die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, unterschrieben von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Laudatio hielt der Staatssekretär für Sport, Aleksander Dzembritzki. „Das war eine große Ehre für mich und sehr bewegend, zumal der Staatsekretär auch ein Schneehase ist und seine Ansprache sehr persönlich machen konnte.“ Eigentlich sind die Schneehasen ein Reinickendorfer Verein. Wolfgang Watzek sorgt jedoch dafür, dass auch in der Tempelherren-Grundschule in Tempelhof und im Georg-Büchner-Gymnasium in Lichtenrade Trainingseinheiten angeboten werden. Beim Landessportbund legte er einst die Prüfung für den Trainerschein für Freizeit- und Breitensport ab. Aktiv ist er bis heute als Trainer für Skigymnastik.

Eigentlich sei der Verein mal gegründet worden, damit sich Berliner Skisportler für den Winterurlaub fitmachen können, erklärt der Senior. Mittlerweile haben sich die Schneehasen jedoch breiter aufgestellt, bieten unter anderem Volleyball und Pilates an. Wolfgang Watzek ist und bleibt dagegen eingefleischter Skifahrer. „Ich habe immer gerne Skirennen im Fernsehen angeschaut“, erinnert er sich an die Anfänge seiner Leidenschaft. Bei einem Urlaub im Winter 1967 in Österreich schnallte er sich erstmals selber zwei lange Latten unter die Füße. „Bis dahin bin ich eine ganz unsportliche Type gewesen. In der Schule habe ich mich vor dem Sportunterricht gedrückt.“ Gelernt habe er das Skifahren dennoch relativ flott, weshalb es ihn danach immer wieder in die Berge zog. „Mit Alpin habe ich angefangen, bin später auch zum Langlauf gekommen, habe Skibergsteigen gemacht und auch mal Snowboard ausprobiert“, erzählt er. Doch dann stoppte ihn eine Verletzung. „Bei einer Abfahrt in Vorarlberg hat es mich in einer Senke zerrissen. Ich hatte einen Bänderriss und war von der Hüfte abwärts eingegipst.“ Um danach langsam wieder mit Sport anzufangen, trat er 1978 den Schneehasen bei und machte fortan Skigymnastik.

Dem Skifahren ist er bis heute treugeblieben. „Mit steigendem Alter wird man etwas vorsichtiger. Wenn ich sehe, wie sich meine Enkel die Abhänge runterstürzen, kann ich froh sein, wenn die mal auf mich warten“, sagt er. Die Zeiten, in denen er noch in Berlin Skilaufen konnte, sind längst vorbei. Wolfgang Watzek kramt ein Foto hervor, das ihn Ende der 80er-Jahre auf Skiern im Grunewald zeigt. Der Skiverband habe damals ein Gerät gehabt, um dort eine Loipe zu ziehen. „Im Britzer Garten konnte man eine Zeitlang fahren und auf einem kleinen Hang im Freizeitpark Lübars.“

Gern erinnert er sich auch an das bis heute einzige Ski-Weltcuprennen in Berlin: am 28. Dezember 1986 auf dem Teufelsberg. „Ich habe dafür als Kassenwart Eintrittskarten verkauft und auch beim Rennen zugesehen.“ Heute sei der Teufelsberg jedoch derart zugewachsen, dass er nicht daran glaubt, dass dort je wieder eine Skipiste entstehen könnte. Auch in Zukunft bleibt ihm daher nur, in den Winterurlaub zu fahren, was ihn aber nicht abschreckt. „Man ist an der frischen Luft und bekommt ein Gefühl für die Landschaft, einfach immer ein tolles Erlebnis.“

Autor:

Philipp Hartmann aus Tempelhof

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