Auf keinen Fall die Wildbienen vergessen
Neuer Imker für den Lehrstand / Naturschutzstation bereitet sich auf Wiedereröffnung vor

Naturranger Björn Lindner und Imker Michael Steinberg am Bienenstand.
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  • Naturranger Björn Lindner und Imker Michael Steinberg am Bienenstand.
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Der Imkerverein Lichtenrade hat das Gelände der Naturwachtstation am Diedersdorfer Weg 3 verlassen. Ihm war vor einigen Monaten gekündigt worden. Die Arbeit mit den Bienen am Mariendorfer Landschaftspark geht aber weiter.

Seit 2013 hatte der Verein den Lehrbienenstand ehrenamtlich betrieben. Zum Team gehörte auch Erwin Biller. „Uns sollte neben weitreichenden Auflagen die Eigenständigkeit entzogen werden. Ein Ansinnen, das den selbstbewussten Imkern zu weit ging“, schreibt er in einer Erklärung. Viele Wochen lang sei verhandelt worden, ohne Erfolg. „Wir bedauern diese Entwicklung außerordentlich.“

Auch Björn Lindner, Naturranger und Leiter der Station, ist nicht erfreut über die Angelegenheit. Er habe immer wieder das Gespräch gesucht, um seinen Standpunkt klarzumachen. So wollte er, dass die Imker feste und verbindliche Angebote für die Öffentlichkeit machen, aber sie hätten sich nicht festlegen lassen. Auch die Verantwortlichkeiten seien unklar gewesen: „Was ist, wenn ein Kind gestochen wird? Darauf habe ich keine Antwort bekommen“, so Lindner. Als ebenfalls schwierig habe es sich erwiesen, die Imker für Unfallverhütungsvorschriften oder die Kennzeichnung für gefährliche Stoffen wie Ameisensäure zu sensibilisieren. Die Vereinsmitglieder hätten das Häuschen am Bienenlehrstand gerne genutzt, auch für Treffen untereinander oder um ihren Honig zu schleudern. „Das kann ich ja auch alles gut verstehen. Aber wir sind hier Teil der Umweltbildung“, sagt Lindner.

Nun haben die Vereinsmitglieder das Feld geräumt. Der neue Verantwortliche für die Arbeit mit den Bienen ist Imker Michael Steinberg. Drei Völker sind bereits vor Ort, fünf sollen es bald sein. Eins davon steht den Junior-Rangern, der Kindergruppe der Naturschutzstation, zur Verfügung. Führungen sind geplant, Honigverkostungen und einiges mehr. „Ich will Kreisläufe zeigen“, sagt Steinberg, „zum Beispiel, wie Wachs aus alten Brutwaben geschmolzen wird, woraus Kerzen gemacht werden können.“ Speziell für diesen Vorgang hat er einen Wachsschmelzer angeschafft, der mit Sonnenenergie funktioniert.

„Natürlich gehört es zu unseren Aufgaben, den Menschen unser kleinstes Nutztier nahezubringen, die Honigbiene“, so Lindner. Auf keinen Fall vergessen werden dürften aber die Wildbienen, von denen es rund 300 Arten in Berlin gibt und die für die biologische Vielfalt noch wichtiger sind. Denn die bestäuben auch seltene Pflanzen, die nicht in Masse stehen. Die Honigbiene dagegen habe inzwischen reichlich Fans. „Hier von Bienensterben zu reden, ist totaler Unsinn. Was wir haben, ist ein Imkersterben auf dem Land. Ist ja auch klar, wenn es dort nur Maisfelder gibt“, so Lindner. In Berlin dagegen nehme die Zahl stetig zu. Das kann Michael Steinberg bestätigen: „Ich beginne jetzt meine neunte Saison. In dieser Zeit hat sich die Zahl der Imker im Landesverband auf rund 1000 verdoppelt“. Dazu kommen noch viele, die nicht organisiert sind.

Björn Lindner und Michael Steinberg freuen sich darauf, wenn die rund ein Hektar große Naturschutzstation mit ihrem Grünen Klassenzimmer endlich wieder öffnen darf. Wann, steht noch nicht fest. „Wir fahren auf Sicht“, so Lindner. Untätig waren er und seine Kollegen in den vergangenen Monaten nicht. Der Vortragsraum ist jetzt wetterfest, das Insektenhaus, die Naturbaude am Teich und die Nutzgärten für Kinder sind auf Vordermann gebracht. Für das Insektenhaus wird eine Ameisenstraße gebaut, es gibt neue Solarpaneele auf den Dächern und sogar eine Solartankstelle für E-Bikes.

Bald sollen auch wieder Führungen durch den Landschaftspark auf dem Programm stehen. Dann werden Vogelkundler, Botaniker, Wildtier- und Insekten-Experten zeigen, wie sich die ehemalige Müllkippe innerhalb von 40 Jahren zu einem einzigartigen Naturraum entwickelt hat. Ebenfalls fortgeführt wird das Projekt „Von Natur aus gut“, bei dem es um Ernährung und Lebensmittel geht. „Wir wollen die Natur nicht von außen betrachten, sondern zeigen: Wasser, Boden, Luft, Tiere, Pflanzen – das alles bildet unsere Lebensgrundlage. Sie verdienen Respekt und Wertschätzung“, so Lindner.

Aktuelle Infos unter www.naturschutzstation-marienfelde.de.

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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