Gemeinsam kreativ sein: Jugendkunstschule: Menschen mit und ohne Behinderung gestalten ein Mosaikbild

Beim Nachbarschafts- und Kiezfest in der Jugendkunstschule gestalteten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam dutzende Mosaike. Sie sollen zusammengefügt ein großes Wandbild ergeben.
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  • Beim Nachbarschafts- und Kiezfest in der Jugendkunstschule gestalteten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam dutzende Mosaike. Sie sollen zusammengefügt ein großes Wandbild ergeben.
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Dass sich das Wort „Inklusion“ mit Spaß und Kreativität verträgt, zeigt ein Projekt von Trägern der Behindertenhilfe, dem Bezirksamt und der Jugendkunstschule in der Demminer Straße 4. Dort haben Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam ein Mosaik-Wandbild geschaffen. Es soll schon bald das Theater an der Parkaue schmücken.

Bunte Steinchen türmen sich Schachteln und Dosen. Hell- und dunkelblau, rot, grün, gelb, orange: Etliche Stunden haben Gregor Kalin und seine Künstlerkollegen gebraucht, um fast 20 Quadratmeter handelsübliche Fliesen mit der Zange in Scherben zu zerlegen. Außerdem bastelten sie 150 gleich große Schablonen, die zusammengefügt ein großes, ganz speziell gestaltetes Mosaikbild ergeben sollen.

In eine dieser viereckigen Vorlagen sortiert Leni gerade ihre Steinchen ein. Gregor Kalin zeigt der jungen Frau, wie sie mit dem Pinsel Leim auf die Rückseite der Fliesenscherben fügt. Einmal andrücken, schon hält es. „Bombenfest dank Expressleim“, sagt er zufrieden. An acht Werkstatttischen in der zweiten Etage der Jugendkunstschule entstehen auf diese Weise lauter einzelne Mosaike. Die Fliesenbilder gestalten Menschen mit und ohne Behinderung. Gemeinsam kleben sie die bunten Scherben in fantasievollen Mustern. Ganz, wie es ihnen gefällt. Allerdings sind es überwiegend blaue Teile. „Wir haben uns für diese Hauptfarbe entschieden“, erklärt Gegor Kalin. „Erstens ist das die Lieblingsfarbe der Deutschen, zweitens soll das Bild ja nicht zu kitschig werden.“

In ganz Europa trägt der 5. Mai den etwas sperrigen Namen „Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen“. Überall auf dem Kontinent finden Kundgebungen, Demos, Gesprächsrunden oder Feste statt, die eine gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben thematisieren. Inklusion ist zwar per UN-Behindertenrechtskonvention gesetzlich verankert, dennoch zeigt der Alltag von behinderten Menschen, dass es noch jede Menge Handlungsbedarf gibt. „Es geht um den Abbau von Barrieren, aber auch darum, Begegnungen zu ermöglichen“, sagt Kathrin Krug vom Bürgertreff der Spastikerhilfe Berlin. „Menschen mit Behinderungen sind ein Teil unserer Gesellschaft. Auf diese Tatsache wollen wir noch mehr Aufmerksamkeit lenken.“

In Lichtenberg hat sich eine Gruppe von Trägern der Behindertenhilfe zusammengefunden, die seit vier Jahren zusammen mit dem Bezirksamt Aktionstage zum Thema Inklusion veranstaltet, und zwar jeweils rund um den 5. Mai herum. „Los ging’s mit ein paar Ständen vor dem Rathaus und einem Inklusionscafé“, erzählt Silke Schmidt von der gemeinnützigen Leben lernen GmbH. „Am Anfang waren wir zu dritt, dann haben sich immer mehr Träger angeschlossen.“

Die Gruppe wurde größer, das Inklusionsfest auch. Seit drei Jahren ruft das Bezirksamt im Mai eine ganze Inklusionswoche mit diversen Veranstaltungen aus. Kathrin Krug und Silke Schmidt hatten sich auch dieses Mal schon im Vorfeld zusammengesetzt und überlegt, welche besondere Aktion sie auf die Beine stellen könnten. Die Idee war schnell geboren: ein großes Mosaik gestalten und es später an einen öffentlichen Ort präsentieren. Mosaike stehen für Vielfalt, sie sind ein harmonisches Ganzes, das aus zig unterschiedlichen Teilchen entsteht. Kein Stein gleicht dem anderen. „Ein schönes Symbol“, sagt Silke Schmidt. „Alle waren auch gleich Feuer und Flamme.“ Auf der Suche nach einem Partner für das Projekt wurden die Frauen bald fündig. Die Jugendkunstschule in der Demminer Straße in Neu-Hohenschönhausen ist zwar derzeit eine Baustelle. Leiterin Christina Schulz und die freiberuflichen Honorarkräfte, die dort regelmäßig künstlerische Werkstätten leiten, waren trotzdem von der Idee angetan. Allen voran Gregor Kalin. Der freischaffende Künstler hat in der Demminer Straße schon etliche Kurse angeboten, darunter auch einige zur Mosaik-Kunst. Zur Sache ging es dann am 4. Mai im Rahmen eines Kiez- und Nachbarschaftsfestes in Haus und Garten der Jugendkunstschule.

Das Mosaik-Wandbild wird Bürgermeister Michael Grunst am 20. Juni um 18 Uhr gemeinsam mit Kultursenator Klaus Lederer (beide die Linke) im Theater an der Parkaue einweihen. Dort soll das Fliesenkunstwerk mit Inklusionshintergrund das Foyer zieren.

Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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