Brache bleibt auf unbestimmte Zeit vermüllt
Grundstück in der Schnellerstraße wird für Bau der Wilhelminenhofbrücke benötigt

Am Spreeufer kann die Brache ganz einfach betreten werden. Unbekannte haben hier den Bauzaun geöffnet.
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  • Am Spreeufer kann die Brache ganz einfach betreten werden. Unbekannte haben hier den Bauzaun geöffnet.
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Über diesen Anblick ärgert sich Kerstin G. seit Langem. Am Grundstück neben dem Netto-Markt in der Schnellerstraße 88-90 kommt die Anwohnerin aus der Köllnischen Straße oft vorbei. Dort, direkt am Spreeufer, sammelt sich der Müll. Ihrer Auskunft nach finden außerdem Trinkgelage von Obdachlosen statt. „Es ist ein Schandfleck“, sagt sie.

Dem Bezirksamt ist die Situation bekannt. Auf die Anfrage der Berliner Woche, was dagegen unternommen werde, teilt es mit: „Das Gelände ist abgezäunt. Es ist gesichert und das Betreten ist verboten.“ Das stimmt auch, doch wie bei einem Vor-Ort-Besuch deutlich wird, lässt sich die verwilderte Brache problemlos betreten. Direkt am Wasser hat jemand einen Teil des Bauzauns seitlich geöffnet.

An dieser Stelle soll irgendwann einmal die Wilhelminenhofbrücke gebaut werden.
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Der Zustand dürfte noch Jahre andauern, der Standort ist für den Bezirk in Zukunft von großer Bedeutung. Wie Kerstin G. dürfte auch vielen anderen Anwohnern nicht bekannt sein, warum das Gelände überhaupt leer steht. Aufklärung bietet das Bezirksamt. „Das in Rede stehende Grundstück ist für den Neubau der Wilhelminenhofstraße von Ostendstraße bis Schnellerstraße sowie für den Bau der Brücke über die Spree vorgesehen.“ Schon seit Langem gibt es Planungen zur weiteren Verkehrsentwicklung von Schöneweide. Eine zusätzliche Brückenverbindung über die Spree ist dabei von besonderer Bedeutung. Die Wilhelminenhofbrücke soll die auf nördlicher Spreeseite endende Wilhelminenhofstraße verlängern, an die Schnellerstraße auf südlicher Seite anschließen und so die Ortsteile Ober- und Niederschöneweide verbinden.

Die geplante Wilhelminenhofbrücke soll die Ortsteile Ober- und Niederschöneweide noch besser miteinander verbinden.
  • Die geplante Wilhelminenhofbrücke soll die Ortsteile Ober- und Niederschöneweide noch besser miteinander verbinden.
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„Sie stellt eine Verbesserung der Standortbedingungen zur Entwicklung und Ansiedlung bestehender und neuer Unternehmen dar. Für die Bevölkerung, Studenten der HTW und die im Bereich des Spreeknies ansässigen Unternehmen ergeben sich mit der Wilhelminenhofbrücke zugleich Verbesserungen der ÖPNV-Erschließung und fußläufigen Anbindung an den S-Bahnhof Oberspree. Deshalb wird der Bau der Wilhelminenhofbrücke nachhaltig gefordert“, so das Bezirksamt. Wichtig dürfte das Bauvorhaben vor allem für die Deutsche Immobilien Entwicklungs AG (DIEAG) sein. Sie plant bis Ende 2027 im Zuge des Großprojekts Behrens-Ufer die Revitalisierung des Industrieareals entlang der Spree als offenes und modernes Gewerbestadtquartier. Vorgesehen sind Büros, Labore, Hochschulen und Technologiezentren mit Angeboten für Gastronomie, Einzelhandel, Kunst, Kultur und sozialen Einrichtungen. 1,1 Milliarden Euro investiert das Unternehmen dafür rund um den Peter-Behrens-Bau an der Ostend- Ecke Wilhelminenhofstraße. Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudebestands soll im Spätsommer beginnen. Anfang Juni verkündete die DIEAG, dass der Masterplan für „das derzeit größte privatwirtschaftlich entwickelte Immobilienprojekt Berlins“ steht und mit dem Bezirk eine Einigung auf ein städtebauliches Konzept erfolgt ist.

Die Wilhelminenhofbrücke, deren Planung durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz mitgetragen wird, käme da sehr gelegen. Doch wann diese gebaut werden kann, ist ebenso wie die Finanzierung noch völlig unklar. „Es gibt bei der Senatsverwaltung eine Prioritätenliste. Vordergründig werden Brücken im Bestand saniert. Dies hat eine hohe Priorität. Die Wilhelminenhofstraße einschließlich Brücke wurde als nachrangig eingestuft“, so das Bezirksamt. Bis die Spreeüberquerung gebaut wird, dürfte sich am Zustand der Brache nichts ändern. An den „Schandfleck“ werden sich die Anwohner gewöhnen müssen.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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