Gotteslob aus 4951 Pfeifen
Orgelfesttage in der Pfarrkirche Ss. Corpus Christi

Organist am Spieltisch: Claudius Kießig spielt Friedemann Spree gern etwas vor.
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Ihr Jungfernspiel hat die restaurierte Steinmeyer-Orgel zwar längst hinter sich. Zu den Orgelfesttagen erklingt die Königin der Pfarrkirche Ss. Corpus Christi aber erneut stimmgewaltig. 

Auf so einer prächtigen Orgel hat selbst Johann Sebastian Bach vermutlich nie gespielt. Mit Freuden getan hätte er es aber ganz sicher. Zwar ist die Steinmeyer-Orgel der katholischen Pfarrkirche Ss.Corpus Christi kein barockes Instrument. Barock kann sie aber trotzdem. Romantik und Klassik auch. Die Pfeifen geben alles her. „Von Kinomusik bis zum Trauerspiel, von Kinderliedern bis zum Glockenspiel“, sagt Claudius Kießig. Er muss es wissen. Denn Kießig ist der ehrenamtliche Organist der Kirche und spielt die Orgel zu den Sonntagsgottesdiensten. Was ihn an der Steinmeyer-Orgel fasziniert, sind ihre wunderschönen Klänge. „Mal zart, sanft und leise, dann wieder voluminös und brachial. Sie ist ein echtes Meisterwerk“, schwärmt er.

Dass die Königin der Instrumente wieder so spielen kann, wie es sich ihr Schöpfer Georg Friedrich Steinmeyer gewünscht hat, liegt daran, dass sie restauriert wurde. Schimmel, Dreck, Verschleiß, Kabelbruch und defekte Register hatten der heute 95 Jahre alten Orgel stark zugesetzt. Schon 2013 stand deshalb fest: „Es müsste sich mal jemand um die Orgel kümmern“. Doch das „Kümmern“ stellte sich als Kraftakt für die Kirchengemeinde heraus. Genehmigungen mussten eingeholt, Gutachten und ein Klimakonzept für die Kirche erstellt, Fördermittel beantragt und ein spezialisierter Orgelbauer gefunden werden. Zu ihrem 90. Geburtstag im Dezember 2015 war es dann soweit: Die Orgel verstummte, und ihre „Wellnesskur“ begann mit Nebelschwaden gegen den Schimmelbefall. Dann wurde die Orgel demontiert und in einer Orgelbau-Fachfirma in Münster restauriert. Alle 4951 Pfeifen bekam man allerdings nicht heraus. Die tiefen Basspfeifen zum Beispiel sind zwischen fünf und neun Meter hoch. „Die wurden dann vor Ort ausgepustet und gereinigt“, erzählt Friedemann Spree, ehemaliger Vorsitzender des Kirchenfördervereins. Dagegen sind die Minipfeifen, in der Tonart aber höchsten Pfeifen, nur so groß wie ein Daumen.

Sanierung dauerte drei Jahre

Drei Jahre dauerte die Restaurierung der Orgel am Ende. Erstmals erklang sie dann zur Orgelweihe im Juni 2018 wieder. Gekostet hat das Ganze rund 420 000 Euro, der Großteil stammt aus Fördermitteln, knapp 100 000 Euro steuerten Kirche und Spender bei. Auch über Pfeifen-Patenschaften kam Geld herein. „Die neun teuersten Orgelpfeifen waren für einmalig 900 Euro das Stück sofort vergeben“, sagt Friedemann Spree. Patenschaften sind aber auch für 50 oder 200 Euro zu haben.

Mit ihren 65 Registern und fast 5000 Holz- und Metallpfeifen ist die Steinmeyer-Orgel der Pfarrkirche Ss. Corpus Christi ob ihrer Größe einzigartig in Berlin. Vor allem aber ist sie die einzige noch im Original erhaltene Steinmeyer-Orgel, sagt Spree. Auch der Orgelspieltisch ist zumindest äußerlich noch originalgetreu erhalten. Mit der Restaurierung erhielt er eine moderne Setzertechnik, elektronische Tastenkontakte und eine Art Bordcomputer. In den kann Claudius Kießig jedes Stück, das er vortragen will, vorab eingeben. So muss der Organist beim zweihändigen Spiel nicht immer „alle Register ziehen“.

Kein Geld, kein Turm

Die Pfarrkirche selbst entstand im neugotischen Stil bis 1904. Weil beim Bau das Geld ausging, fehlt ihr der Turm. Wie imposant das Gotteshaus ist, lässt sich von außen nicht erahnen, denn die Kirche versteckt sich an der Conrad-Blenkle-Straße 64 zwischen schnöden Wohnhäusern.

Wer die Kirche und die große Bandbreite der Orgelliteratur bewundern will, kommt zu den drei Orgelfesttagen am 13., 20. und 27. September. Ab 19.30 Uhr werden Werke von Bach, Beethoven, Händel, Scheidemann und Liszt gespielt. Am letzten Festtag erzählt ein Stummfilm vom Leben des heiligen Franziskus. Der Eintritt ist frei. Das genaue Programm findet sich unter www.corpus-christi-berlin.de.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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