Emotionsgeladene Einwohnerversammlung zur Bebauung der Bautzener Brache

Panoramablick über Gleisanlage und linkerhand die Bautzener Straße.
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Schöneberg. Der Ärger bei Anwohnern über den geplanten Bau von annähernd 300 Mietwohnungen auf einem ehemaligen Bahngelände an der Bautzener Straße ist groß. Zuletzt hat er sich auf einer Einwohnerversammlung Luft gemacht.

In der übervollen Mensa der Havelland-Grundschule eröffnete Bezirksverordnetenvorsteherin Petra Dittmeyer (CDU) die Versammlung. Sie war parallel zur öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans von der Initiative „Stadtplanung von unten“ beantragt worden.

Gut zweieinhalb Stunden lang erläuterten Stadträtin Sibyll Klotz (Grüne), das Stadtentwicklungsamt, der Eigentümer, der Architekt, die Landschaftsarchitektin, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und ein Lärm-, Verkehrs- und Klimagutachter das Projekt. Allein es gelang ihnen nicht, die Bedenken zu zerstreuen.

Das Hauptargument der Bebauungsgegner, die vom BUND und dem Nutzbeirats des Gleisdreiecks und Flaschenhalsparks unterstützt werden: Der Investor habe nach geltendem Baugesetz keinen Rechtsanspruch auf die Erteilung des Baurechts an dieser Stelle. Das zu tun, sei eine bloße Willensentscheidung der Politik. Sie befördere damit nur einen „großen Spekulationsgewinn“. Kolportiert wurde die Summe von 22 Millionen Euro allein für das Grundstück. Ohne Baurecht sei das Areal für 1,5 Millionen Euro zu haben. Das Geld sei vorhanden, weil das Projekt Wannseebahngraben eingestellt sei.

Argumentiert wurde auch mit der klimatischen Notwendigkeit. Die Bautzener Brache sei Grün- und Erholungsausgleich für die mindestens 4000 Wohnungen, die um das Gleisdreieck entstehen werden. Zumal dort künftig auch noch 4,4 Hektar Grün für den Bau der Stammbahn und der S 21 wegfielen.

Die Baugegner bemängelten den geringen Anteil gefördeter Wohnungen: 15 Prozent. Diese Sozialwohnungen lägen an der lautesten Stelle des Grundstücks, das von vielgleisigem Bahnkörper, Bahnhof Yorckstraße und Bautzener Straße eingeklemmt wird.

Und immer wieder wurde die Furcht vor steigenden Mieten und Verdrängung vorgebracht.

Für die anschließende Aussprache blieb nur noch wenig Zeit. Zeit, die einige Bürger für teilweise lauthalsen, sehr erregten Protest nutzten.

Ein Anwohner sagte, er glaube nicht, dass an der Bautzener Straße tatsächlich Mietwohnungen entstehen. Der Stadträtin warf er vor, Politik für Spekulanten zu machen. Ein weiterer kritisierte die „grottenschlechte Architektur“ der geplanten Wohnhäuser. „Die muss ich jeden Tag sehen.“

Der Redebeitrag einer Vertreterin der Wohnbaulenkung bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die auf die „dramatische Situation“ hinwies, die durch „normalen Zuzug“ und die Aufnahme von Flüchtlingen in der Stadt entstanden sei, ging in Tumult unter.

Eine Anwohnerin sagte, sie verstehe zwar die Notwendigkeit von Wohnungsneubau, nicht aber, dass hier sechs Etagen hoch gebaut werde. „Dann kriegen wir keine Sonne mehr ab.“ KEN

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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