Ein kleines Stück Amerika
Diplomatic Softball League spielt seit 20 Jahren im Bezirk

Jeden Sonnabend spielen die Teams der DSL auf dem Feld in der Goethestraße gegeneinander.
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  • Jeden Sonnabend spielen die Teams der DSL auf dem Feld in der Goethestraße gegeneinander.
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Mitten in Lichterfelde ist ein Stück Amerika beheimatet. Seit zehn Jahren spielt die Diplomatic Softball League (DSL) in der Goethestraße Softball. Gegründet wurde die Liga jedoch schon 1999 von Sheldon Eisenhower, Angestellter in der US-Botschaft, zusammen mit Freunden aus umliegenden Botschaften. Ein Besuch auf dem „Defender Sports Field“.

Jeden Sonnabend ist Gameday in Lichterfelde. Während am Spielfeldrand Burger gegrillt werden, spielen auf dem Feld Teams wie Las Americas, Jolly Dodgers oder die Taiwan Allstars gegeneinander. Softball nennt sich das Spiel, das dem ungeübten Auge wie Baseball erscheint. Dabei wird hier ein größerer Ball auf einem kleineren Feld verwendet. Da der Ball früher aus weichem Material gefertigt wurde, benannte man die Spielvariante danach. „Softball ist in Amerika die meistgespielte Sportart“, sagt Sheldon Eisenhower. Hierzulande sei man jedoch höchstens mit Baseball vertraut. „Weil alle hier fanatisch auf Fußball stehen“, meint er.

Der gebürtige US-Amerikaner spielt schon sein ganzes Leben lang Base- und Softball. Als er die DSL 1999 aus der Taufe hob, traten hauptsächlich Mitarbeiter der Botschaften im Berliner Südwesten bei. „Wir hatten Teams aus Neuseeland, Australien, England“, zählt Eisenhower auf, „zunächst sechs, zwischendurch 14 und momentan spielen in der DSL acht Mannschaften.“ Dabei profitierten die Hobbysportler damals auch stark von zufällig vorbeilaufenden Zuschauern. „Wir waren mal eine riesige Organisation“, erzählt Eisenhower. „Heute haben wir viel weniger Zuschauer als auf unserem alten Feld.“

Unweit der US-amerikanischen Botschaft begannen vor 20 Jahren Eisenhower und seine Kollegen, auf einem verlassenen Feld Softball zu spielen, das einst von der US-Armee in der Stewartstraße in Zehlendorf angelegt wurde. Ein Freund Eisenhowers, der mit seiner Firma „Diplomatic Sales“ Pkw an Diplomaten verkaufte, sponserte das Ganze und stellte den Kontakt zu anderen sportbegeisterten Botschaftsmitarbeitern her. Die Liga wuchs und wuchs, Hunderte Menschen schauten bei den Spielen zu. „Es war ein riesiger Zirkus mit mir als Ringmaster“, erzählt Eisenhower. Neue Nachbarn machten dem Treiben nach zehn Jahren jedoch ein Ende. Als zwei Familien gegen den wöchentlichen Lärm vor ihren Fenstern klagten, war die Stadt gezwungen, einzugreifen. Das Feld wurde zum „Naturschutzpark deklariert, auf dem keine Schleudergeräte, also Schläger, erlaubt sind“, so Eisenhower.

Doch bereits eine Saison später war ein neuer Platz gefunden. Auf einem ehemaligen Fußballplatz errichteten die DSL-Teams ihr neues Spielfeld. „Der Platz war ein Desaster damals“, erzählt Eisenhower. „Alles, was dort heute steht, haben wir mit unseren eigenen Händen gebaut.“ Ideal sei der Platz nicht, eigentlich fehlen ihm einige Meter, um für Softball geeignet zu sein. Doch der Präsident und Gründer der DSL ist froh, dass sich seine Liga nun auf rechtlich gesichertem Boden bewegt und das Berliner Sportamt den Betrieb genehmigt. „Es ist eben, wie es ist“, sagt Eisenhower.

Überhaupt verfolge man mit der DSL ja keine großen Ziele. „Wir wollen einfach einen eigenen Ort zum Spielen haben“, so Eisenhower. Neue Mitspieler, egal, ob Anfänger oder Erfahrene, seien jederzeit auch während der Saison willkommen. Männer wie Frauen, Jüngere und Ältere spielen in den bunt gemischten Teams zusammen. Jeden Donnerstag wird in der Goethestraße trainiert. Interessierte sollten einfach vorbeikommen. „Uns geht es um den gemeinsamen Spaß“, sagt der 56-Jährige, der bis heute noch in der Postabteilung der US-Botschaft arbeitet. „Wir feiern jede Woche eine große Party zusammen. Ein bisschen Softball wird dabei auch gespielt.“

Autor:

Julia Hubernagel aus Prenzlauer Berg

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