"Das ist verantwortungslos"
PayPal streicht trotz starker Bilanz 87 Prozent der Stellen seiner Konzerntochter in Wilmersdorf

Von einer vermeintlich gesicherten Zukunft bis zur plötzlichen beruflichen Perspektivlosigkeit in nur 30 Tagen - Paypal versetzt 309 von 355 Mitarbeiter seiner Konzerntochter PayPal Europe SE in der Badenschen Straße 24 in Existenzangst.
  • Von einer vermeintlich gesicherten Zukunft bis zur plötzlichen beruflichen Perspektivlosigkeit in nur 30 Tagen - Paypal versetzt 309 von 355 Mitarbeiter seiner Konzerntochter PayPal Europe SE in der Badenschen Straße 24 in Existenzangst.
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Zahlungsdienstleister PayPal hat am 18. Juni bekanntgegeben, 309 der 355 am Standort der Konzerntochter PayPal Europe SE in Wilmersdorf beschäftigten Mitarbeiter zu entlassen. Für die Betroffenen ein völlig überraschender Schlag in die Magengrube.

"Nur einen Monat zuvor war ihnen mitgeteilt worden, wie gut der Laden laufe", berichtet ver.di-Fachbereichsleiter Mike Döding, der den Betroffenen und dem Betriebsrat der Konzerntochter beratend zur Seite steht. "Unschwer auszumalen, wie groß die Verunsicherung und der Frust innerhalb der Belegschaft ist."

An den hervorragenden Unternehmensergebnissen der vergangenen Jahre habe der Berliner Standort maßgeblichen Anteil gehabt, heißt es in einer Mitteilung des Betriebsrates. Dessen Vorsitzender Anselm Mathes gibt sich nun kämpferisch: "Wir stehen bereits in Verhandlungen mit dem Arbeitgeber. Klares Ziel ist, die Arbeitsplätze vor Ort zu erhalten. Inwieweit die Möglichkeit besteht, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen." Der bis dato jüngsten Verhandlungsrunde am 1. Juli wohnte auch Döding bei. "Wir haben heute krampfhaft versucht, eine Antwort auf die Frage 'Warum?' zu erhalten. Vergeblich. Das Beteiligungsrecht des Betriebsrates ist in Deutschland aber eine gesetzliche Vorgabe, die eingehalten werden muss. Das ist noch nicht so richtig angekommen." Erst wenn der Grund für die Entlassung bekannt sei, könne darüber diskutiert werden, ob sie klug oder unklug war, könnten Sozialpläne für die Mitarbeiter aufgestellt werden. "Es ist quasi der erste Schritt. So lange der nicht getan ist, kann niemand sagen, wann und wie es weitergeht", sagt der ver.di-Fachbereichsleiter. Es sei freilich damit zu rechnen, dass der Branchenführer seiner Verpflichtung nachkommen werde. "Sonst wären die Kündigungen rechtlich anfechtbar." Drängen werde man das weltweit operierende Unternehmen sicherlich nicht, Zeit sei nun kostbar für die Mitarbeiter, so Döding.

87 Prozent der Belegschaft sollen gehen, das bringt auch Niklas Schenker, Fraktionsvorsitzender der Linken in der BVV, auf die Palme: "Das ist angesichts der immensen Unternehmensgewinne ein Skandal und völlig verantwortungslos. Wir sind solidarisch mit den Beschäftigten und fordern den Erhalt der 355 Arbeitsplätze. Das Management von Paypal Europe muss seiner Verantwortung nachkommen und einlenken."

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