Tanzen gegen Gewalt
Vorbereitung auf "One Billion Rising" am 14. Februar 2020 vor dem Brandenburger Tor laufen

Bettina Lutze-Luis Fernández organisiert seit 2013 "One Billion Rising" am Brandenburger Tor.
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Mit einem weltweit verbreiteten Video fing alles an. Die amerikanische Künstlerin und Feministin Eve Ensler rief 2012 eine Milliarde (englisch: billion) Frauen und Männer auf, ihre Häuser und Arbeitsstellen zu verlassen, um öffentlich gegen Gewalt an Mädchen und Frauen zu protestieren. Seitdem hießt es am Valentinstag: „One Billion Rising“.

Fragt man Bettina Lutze-Luis Fernández nach ihrem größten Wunsch, sagt sie: „Bis zur Siegessäule.“ Damit meint sie die Hoffnung, dass am Freitag, 14. Februar, die Straße des 17. Juni vom Brandenburger Tor bis zur Siegessäule mit Menschen gefüllt ist. Mit Menschen, die gegen Gewalt, insbesondere gegen Mädchen und Frauen protestieren.

Als sie die Dance Demo 2013 das erste Mal organisierte, kamen 5000 Menschen. In den vergangenen Jahren schwankte die Zahl zwischen 2000 und 3000.

Netzwerk mit Kontakten zu Schulen und dem Jugendamt

Dabei ist das Problem nicht kleiner geworden. Die Vereinten Nationen vermuten, dass ein Drittel aller Frauen und Mädchen im Laufe ihres Lebens geschlagen oder vergewaltigt werden. Diese Gewalt zeigt sich nicht nur in Krisen- oder Kriegsgebieten. Auch im deutschen Alltag findet sie sich wieder. Das Centre Talma, ein Mädchen- und Jungensportzentrum der Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit, leistet präventive Arbeit. Wenn Bettina Lutze-Luis Fernández mit Kindern und Jugendlichen spricht, macht es anschließend immer wieder „klopf, klopf“, wie sie es nennt: Dann hat ein junger Mensch vertraulichen Gesprächsbedarf, berichtet von Misshandlungen, die er selbst erlebt oder beobachtet hat. Die Mitarbeiter des Centre Talma greifen dann auf ihr Netzwerk mit Kontakten in Schulen und im Jugendamt zurück.

Bettina Lutze-Luis Fernández beobachtet einerseits eine verstärkte Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit mit Themen, die lange tabuisiert wurden. Etwa, wenn der Dortmunder Tatort vom 2. Februar die organisierte Kriminalität der Kinderpornographie ausleuchtet oder das Leben von Hatun Sürücu verfilmt wird, die wegen ihres westlichen Lebensstils von ihrer kurdisch-muslimischen Familie „zum Tode verurteilt“ und von einem ihrer Brüder vor 15 Jahren ermordet wurde.

Alte Klischees leben wieder auf

Andererseits sehen die Mitarbeiter des Centre Talma auch ein Wiederaufleben alter Männlichkeits- und Weiblichkeitsklischees. „Wir waren schon mal weiter“, sagt Bettina Lutze-Luis Fernández. In ihrer Jugend habe nicht interessiert, wann man wohin gehe. Heute verabredeten sich Mädchen oft zu mehreren, lassen sich zu ihren Zielen bringen. In dieses Bild gehört auch, dass die Kurse, die das Centre Talma für Ballett oder zeitgenössischen Tanz anbiete, kaum von Jungen besucht würden. „Die Eltern haben immer noch Angst, dass die dann schwul werden.“

Projekttage an Schulen gegen Gewalt

Generell gibt es im Centre Talma Kurse, die nur von Jungen oder Mädchen besucht werden, aber genauso auch gemischte Gruppen. Schließlich entsteht gerade so respektvolles Miteinander, auch basierend auf einem guten Körpergefühl. Übrigens können sich Schulen ans Centre Talma wenden, die Projekttage gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander organisieren möchten. Sie melden sich unter der Rufnummer 89 37 40 55 oder per E-Mail unter centre-talma@gsj-berlin.de.

Das Centre Talma wurde übrigens für sein "One-Billion-Rising“-Engagement 2017 mit dem Hatun-Sürücü-Preis „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ und zusätzlich mit dem Sonderpreis „Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz“ ausgezeichnet.

Das Bühnenprogramm für "One Billion Rising" am 14. Februar am Brandenburger Tor beginnt um 16 Uhr. Die eigentliche Dance Demo findet von 17.30 bis 18 Uhr statt. Die Sängerinnen Jocelyn B. Smith, Alex Stella von stella rockt sowie Lucile Mayr und die Rapperin und Aktivistin Sookee performen live zu den Tanzacts. Übrigens muss man nicht mittanzen, um das Anliegen zu unterstützen. Bettina Lutze-Luis Fernández betont: „Es reicht, dabei zu sein, aber man kann auch ein Plakat hochhalten.“ Schirmherrin der Veranstaltung ist die Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Dilek Kalayci (SPD). Vor Ort gibt es auch mehrere Infostände, an denen auch für "One Billion Rising" gespendet werden kann.

Den weltweiten Aufruf gibt es unter www.onebillionrising.org.

Bettina Lutze-Luis Fernández organisiert seit 2013 "One Billion Rising" am Brandenburger Tor.
Auch diese Gruppe bereitet sich auf "One Billion Rising" am 14. Februar vor.
Autor:

Christian Schindler aus Reinickendorf

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