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Günter Kunz (86) - fit wie ein Turnschuh:

Günter Kunz - auch mit 86 Jahren noch fit wie ein Turnschuh  Foto: Kerstin Kellner
Günter Kunz - auch mit 86 Jahren noch fit wie ein Turnschuh Foto: Kerstin Kellner

Der älteste Ordner in einem Berliner Fußball-Stadion

Von Eberhard Schwartz

Am Ende der Saison 2013/14 stand der F.C. Hertha 03 Zehlendorf als Berliner Fußball-Meister in der Berlin-Liga fest und stieg eine Klasse höher auf, in die NOFV-Oberliga Nord.

Die Heimspiele von Hertha Zehlendorf in der Berlin-Liga begleitete ein älterer, aber noch sehr rüstiger und aktiver Mann als Stadionsprecher: Günter Kunz, damals bereits 82 Jahre alt. Nach dem Aufstieg in die Oberliga gab es für den Verein einige Auflagen, u.a. bei den Heimspielen Ordner zu stellen.

Günter Kunz gab nun das Mikro zu Beginn der Oberliga-Saison 2014/15 an einen jüngeren Stadionsprecher weiter, setzte sich aber bei seiner aktiven Unterstützung des Vereins keinesfalls zur Ruhe: Statt ins Mikro zu sprechen, Mannschaftsaufstellungen, Tore und Einwechselungen anzusagen, zog er sich ab jetzt zu jedem Heimspiel die offizielle gelbe, grell leuchtende Ordnerweste über und fungiert nun seit vier Jahren als Ordner. Er lässt die Spieler der Gastmannschaft, die Schiedsrichter und andere Offizielle ins Stadion und passt mit Argusaugen darauf auf, das niemand unberechtigt und vor allem ohne zuvor gekaufte Eintrittskarte ins Stadion gelangt. Schon über eine Stunde vor Spielbeginn nimmt er seine Position ein und streift erst lange nach Spielende seine
Ordnerweste wieder ab. Bei seiner Ordner-Tätigkeit, die er somit mehrere Stunden ohne Pause stehend verrichtet, ist er stets höflich und zuvorkommend, begrüßt alle mit einem freundlichen Lächeln, kann aber auch, wenn's sein muss, sehr bestimmt auftreten.

Bei keinem Auswärtsspiel, ob in Rostock, Frankfurt/O. oder in Rathenow fehlt Günter Kunz, er hat die Ehre, meistens im PKW des Präsidenten mitzureisen.

In seiner übrigen Freizeit ist Günter Kunz auch sehr aktiv, er spielt noch ab und zu Fußball, geht regelmäßig zum Schwimmen und jeden Dienstagnachmittag ist er beim Tischtennis in der Zehlendorfer Onkel-Tom-Sporthalle nur selten zu schlagen. Auch Karrikaturen zu malen, gehört u.a. zu seinen Hobbys.

Günter Kunz wurde am 1. Februar 1932 als Sohn des Zahntechnikers Willi und der Hausfrau Frieda Kunz in Berlin-Wilmersdorf geboren und wuchs mit 4 Brüdern und 2 Schwestern auf. Als 10-Jähriger kam er während des Krieges mit der Kinderverschickung (KV) nach Kärnten, wo er vier Jahre lang bis 1946 lebte. Dort war eine seiner Freizeitbeschäftigungen das Fußballspielen, allerdings immer barfuß. Dort wurde er von Otto Wiese, dem späteren Bürgermeister von Rüdersdorf, als Lehrer unterrichtet und auch beim Fußballspielen gefördert. Otto Wiese war in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein berühmter Stürmer bei Tennis Borussia.

Zurück in Berlin lernte Günter Kunz ab 1947 den Beruf des Dekorateurs. In seinem langen Berufsleben arbeitete er dann in verschiedenen Tätigkeiten u.a. als Polstermöbelhersteller, als Zimmermann und kurzzeitig auch einmal in der Hochseefischerei.

Seit fast 40 Jahren lebt er nun mit seiner Frau in Zehlendorf. Damals war er noch beim TuS Makkabi aktiv, spielte dort in der 2. und 3. Herrenmannschaft Fußball und coachte die Ü40, mit der er 1987 sogar Berliner Meister wurde.

Seit nunmehr 30 Jahren hat er am Siebenendenweg beim F.C. Hertha 03 Zehlendorf sein zweites Zuhause gefunden. Man sieht ihn dort als Zuschauer bei den Fußballspielen der verschiedenen Mannschaften der Herren, Damen oder Jugend, aber vor allem bei allen Spielen der 1. Herren, egal ob bei Meisterschafts-, Pokal- oder Testspielen und egal auch bei welchem Wetter. Auf alle Fälle aber sieht man ihn immer bei den Heimspielen der 1. Herren in der NOFV-Oberliga Nord im Ernst-Reuter-Stadion in seiner Funktion als wohl ältester Ordner in einem Berliner Fußball-Stadion.
(Eberhard Schwartz)

Günter Kunz - auch mit 86 Jahren noch fit wie ein Turnschuh  Foto: Kerstin Kellner
Markantes Markenzeichen: Günter Kunz' gelbe Ordnerjacke  Foto: Alexander Schadt
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