Für den sozialen Frieden im Kiez erhält Michael Lind Kreativpreis

Michael Lind in seinem Markt in der Thiemannstraße. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Dass es tatsächlich eine Willkommenskultur in Deutschland gibt, beweisen tagtäglich auch Unternehmer, die Flüchtlingen in ihren Betrieben Perspektiven für eine berufliche Zukunft bieten - und die sich für soziale Projekte in ihrer Nachbarschaft engagieren.

Beispielhaftes Engagement für Flüchtlinge will der Mittelstandsverbund motivierend unterstützen und ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Deshalb zeichnet der Spitzenverband von 230 000 deutschen Handels-, Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen seit 2007 jährlich die beste Maßnahme zur Integration mit dem Kreativpreis aus. Den ersten Platz belegte nach dem Urteil einer achtköpfigen Experten-Jury in diesem Jahr der Unternehmer Michael Lind. Der 36-Jährige betreibt zwei Rewe Nahkauf-Märkte in Neukölln, seit 2010 als Alleininhaber am Kiehlufer und seit 2014 als Gesellschafter in der Thiemannstraße.

Für Michael Lind steht fest: „Als Unternehmer bin ich mit verantwortlich für den sozialen Frieden im Kiez. Dafür mit zu sorgen, ist selbstverständlich für mich.“ Das ist auch zu spüren an seinem Engagement für die Nachbarschaft. So löste er Konflikte mit Jugendlichen, die in seinem Markt am Kiehlufer anfangs viel Ärger machten, auf besondere Weise: Er schaffte den Wachschutz ab und rief nicht etwa die Polizei, sondern die Väter der meist arabisch- und türkischstämmigen Jugendlichen an. „Auf den Vater hören sie viel mehr. Auch ich als Händler musste lernen, mich im Kiez zu integrieren“, meint Michael Lind.

Mit nur einem Cent

Schon bevor er den Markt in der Thiemannstraße übernahm, knüpfte er Kontakte zu Schulleiter Carsten Paeprer von der Hans-Fallada-Schule in der Harzer Straße. In die Grundschule mit Förderzentrum gehen auch viele erst kürzlich zugezogene Roma-Kinder, die in Willkommensklassen Deutsch lernen. Michael Lind fördert die Schule, indem er aus den Einnahmen seines Geschäfts immer über ein halbes Jahr lang einen Cent pro Kunde an der Kasse zurücklegen lässt. Zuletzt überreichte der Unternehmer der Hans-Fallada-Schule am 3. Juni auf einem Schulfest einen Scheck mit über 4700 Euro.

Seit 2014 unterstützt Michael Lind auf die gleiche Weise die Eduard-Mörike-Grundschule. Daneben laufen viele weitere Aktionen, die der Nachbarschaft zu Gute kommen, darunter Lebensmittelspenden für Kochkurse. Für die Kiezfeste in der Harzer Straße finanzierte er alle Kinderaktivitäten. Auch im Alltag zeigt Michael Lind seinen unbedingten Willen, Menschen zu unterstützen, indem er Flüchtlingen eine berufliche Perspektive bietet. Ein Iraner schließt bald seine Ausbildung bei ihm ab, ein junger Mann aus Ghana wird seit Januar als Verkäufer ausgebildet und ein junger Rumäne beginnt im August als Azubi.

Auch einem 51-jährigen Ägypter will Michael Lind eine Chance geben, der zwar noch nicht so gut deutsch spricht, aber sehr motiviert ist. „Das klappte noch nicht, weil die Ausländerbehörde noch nicht darüber entschieden hat“, sagt Michael Lind, der glaubt, in dem Mann in ein paar Jahren einen guten, treuen Mitarbeiter zu haben. „Das wichtigste ist doch, dass wir die Flüchtlinge rausholen aus den Hallen, damit sie Deutsch lernen“, meint er. SB
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