Mit Emojis, Duftstoffen und Kameras
Geschäftsinhaber informierten sich über digitale Technologien beim Einkaufen

Martina Ritthaler von der Fleischerei Backs im Gespräch mit Technologie-Experte Alexander Weßling vom "DigitalMobil".
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Wie sieht das Einkaufen der Zukunft im Kiez aus und was ist jetzt schon möglich? Darüber informiert das „DigitalMobil“ des „Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Handel“. Damit unterstützt das Bundeswirtschaftsministerium die Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen und im Groß- und Einzelhandel.

Am 11. September machte das DigitalMobil auf dem Marktplatz Adlershof Station, um den Geschäftsinhabern rund um die Dörpfeldstraße die technischen Möglichkeiten vorzuführen. Das Angebot nutzten unter anderem Andreas Paul von „Die FotoGrafen“, Dörpfeldstraße 22, und Martina Ritthaler von der Fleischerei Backs, Dörpfeldstraße 13. Sie ließen sich von dem Technologie-Experten Alexander Weßling unter anderem ein sogenanntes Multisensorik-Tool zeigen. Dabei handelt es sich um eine mehrere Sinne ansprechende Produktpräsentation in einem Geschäft. Wer beispielsweise für Produkte werben möchte, die in einer Sauna zur Anwendung kommen, kann zugleich über einen Bildschirm Bilder aus einer Saunalandschaft zeigen und zugleich Duftstoffe freisetzen, während entspannende Klänge über eine Musikbox eingespielt werden. Zusätzlich werden dazu Handtücher und das typische Zubehör für einen Aufguss ausgestellt.

Ebenfalls eine Chance, im eigenen Geschäft oder Betrieb technische Lösungen einzusetzen, sind festinstallierte Kameras. Wie Weßling vorführte, nutzt diese etwa ein regionaler Händler aus dem Elstal. Dieser gibt seinen Kunden die Möglichkeit, sich via Live-Übertragung aus dem Stall davon zu überzeugen, dass die Hühner dort ein glückliches Leben haben und nicht auf engstem Raum zusammengepfercht werden. Er hofft darauf, somit die Bereitschaft der Kunden zu steigern, mehr Geld für die Eier von seinem Hof auszugeben.

Analog online Shoppen

Manche Gewerbetreibende greifen auf die Möglichkeit zurück, über Produkte, die aufgrund von Platzmangel nicht im Laden selbst präsentiert werden können, auf einem Touchpad zu informieren. Dies funktioniert wie ein Online-Shop. Der Kunde wählt im Geschäft das gewünschte Produkt, druckt sich einen Bon aus, der Auftrag wird direkt beim Großkunden ausgelöst und die Ware wird kurze Zeit später nach Hause geliefert.

Einige Betriebe nutzen inzwischen auch Virtual Reality und die Option, über die eigene Webseite einen 360-Grad-Rundgang durch das Geschäft zu ermöglichen. Um Kunden nach ihrer Zufriedenheit zu befragen, kommen ebenfalls Touchpads zum Einsatz. Innerhalb von 20 Sekunden sollen Kunden nach dem Einkauf drei Fragen mit Emojis beantworten. Beispiele sind: Wie zufrieden waren Sie heute mit den Leistungen und der Sauberkeit der Ladenfläche? Werden Sie das Geschäft an Freunde oder Bekannte weiterempfehlen?

„Die ganze Technik ist sensationell. Da kommen die älteren Kunden kaum noch mit“, sagte Martina Ritthaler. In der Corona-Krise ist in der von ihrem Mann geführten Traditionsfleischerei Backs vor allem die Nachfrage nach bargeldlosem Bezahlen gestiegen. Sie wollte sich im DigitalMobil über ein anderes digitales Kassensystem informieren, erhielt jedoch nicht die gewünschte Hilfe.

Technik löst noch nicht jedes Problem

Andreas Paul begrüßte das Angebot, äußerte sich aber auch kritisch. „Ich bin völlig offen und neugierig hergekommen und finde es gut, mal über den Tellerrand zu sehen“, so der Fotograf aus der Dörpfeldstraße. Die vorgeführte Technologie sei allerdings nicht für seinen eigenen Laden geeignet. Er halte sie außerdem für nicht ausgereift. „Wir brauchen digitale Lösungen, die anpassbar und individuell sind“, meint er. Ein großes Problem für kleinere Geschäfte werde im DigtalMobil überhaupt nicht thematisiert: negative Bewertungen, die jede beliebige Person verfassen kann und die dann in der Suchmaschine Google angezeigt werden. Dabei sei Vertrauen bei kleinen Geschäften ein großes Thema. „Das trifft den Hausarzt wie den Optiker“, betont Paul. Solche „Hasskommentare“, die zum Beispiel auch von einem Mitbewerber aus derselben Branche zur Diffamierung des Konkurrenten stammen können, seien nur sehr schwer wieder zu löschen. Ohne einen Rechtsanwalt ginge diesbezüglich gar nichts.

Christine Bellot vom Geschäftsstraßen-Management des Aktiven Zentrums Dörpfeldstraße zog dennoch ein positives Fazit. „Jeder Händler muss sich immer weiterbilden. Als Unternehmerin sollte ich immer mehr wissen als meine Kunden, sonst macht es keinen guten Eindruck.“ Das DigitalMobil, das im gesamten Bundesgebiet unterwegs ist, sei wichtig, damit die Händler vor Ort schon mal ein paar Ideen bekämen.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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