Abendsegler und Mausohr auf der Spur
Leibnitz-Institut startet Fledermaus-Forschungsprojekt mit Stadtbürgern

Ausgestattet mit Fledermausdetektoren begeben sich die Bürgerwissenschaftler auf die Suche nach Fledermäusen.
  • Ausgestattet mit Fledermausdetektoren begeben sich die Bürgerwissenschaftler auf die Suche nach Fledermäusen.
  • Foto: Leibnitz-IZW
  • hochgeladen von Berit Müller

Wo flattern Abendsegler, Zwergfledermaus und Mausohr durch die Berliner Nacht? Das will das Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) herausfinden. Es startet jetzt ein bürgerwissenschaftliches Forschungsprojekt. Wer selbst Fledermausforscher werden möchte, sollte sich schnell im Friedrichsfelder Institut für die Teilnahme bewerben.

Berlin ist die Hauptstadt der Fledermäuse. Nach Angaben des Leibnitz-IZW sind von den 25 in Deutschland vorkommenden Arten der fliegenden Säuger immerhin 18 in Berlin heimisch. Um herauszufinden, warum sich die Tiere hier so wohl fühlen und wo genau im Stadtgebiet sie unterwegs sind, startet das das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung ein neues Projekt. Dafür akquiriert es Berliner, die auf die Suche nach Fledermäusen gehen möchten.

Parallel zum Projekt „Wildtierforscher Berlin“, das sich um Fuchs, Wildschwein und Co. dreht, konzentriert sich dieses neue Vorhaben auf die fliegenden Nachtjäger. Normalerweise nehmen die Menschen die lautlosen Tiere kaum wahr, weil Fledermäuse in der Dämmerung unterwegs und ziemlich flink sind. Und weil das menschliche Ohr ihre Ultraschall-Rufe nicht hört. Mithilfe moderner Technik können sie aber belauscht werden. Fledermausdetektoren, die die Projektteilnehmer vom Institut gestellt bekommen, zeichnen die Ultraschallrufe auf.

Im Austausch mit allen Beteiligten

Die Ergebnisse werden dann am Institut ausgewertet und den unterschiedlichen Fledermausarten zugeordnet. Auf der Projekt-Internetplattform gibt es Hintergrundinfos zu Fledermäusen in der Stadt und einen Einblick in die Rufauswertung. Darüber hinaus können die Teilnehmer mit Hilfe von statistischen Tests ihre und die Daten aller anderen Freizeit-Forscher auswerten und graphisch darstellen.

„Wir möchten mit diesem Projekt zum einen feststellen, welche Landschaftsstrukturen das Vorkommen von Fledermausarten in Berlin bestimmen“, erklärt Dr. Tanja Straka, Wissenschaftlerin im Projekt. „Aber wir wollen den Teilnehmenden auch mehr über das Leben dieser faszinierenden Tiere in der Stadt nahebringen“. Deshalb bekämen die Hobby-Forscher auch die Möglichkeit, die Daten miteinander zu vergleichen und ihre Ergebnisse im Forum zu diskutieren. Projektleiterin Dr. Miriam Brandt ergänzt: „Wir suchen Berlinerinnen und Berliner, die Lust haben, am gesamten wissenschaftlichen Prozess mitzuwirken, von der Datensammlung bis hin zur Auswertung und Interpretation der Ergebnisse.“

In diesem Jahr soll es zwei Durchgänge geben– im Frühling und Herbst – und im nächsten mindestens einen. Jeder dauert etwa zwei Monate. Die erste Feldphase startet Ende Mai. Wer gern seinem Forscherdrang nachgehen möchte und sich zutraut, zwei bis drei Kilometer Strecke zurückzulegen, kann sich noch bis zum 28. April auf der Internetplattform www.fledermausforscher-berlin.de für eine Teilnahme am Projekt bewerben und aus 60 festgelegten Wegstrecken seinen Favoriten auswählen. Die Anzahl der Teilnehmer ist auf 60 begrenzt.

Wissenschaft für alle

„Fledermausforscher in Berlin“ ist Teil eines größer angelegten Projekts. Immer häufiger arbeiten in Forschungsprojekten Wissenschaftler und Bürger zusammen. Die Fachwelt spricht dann von Bürgerwissenschaft oder, übersetzt ins Englische, von Citizen Science (CS). Citizen Science-Projekte sollen zum einen den Wissenschaftlern helfen, Daten und Informationen zu gewinnen. Gleichzeitig sollen sie den Nicht-Experten Kenntnisse über das jeweilige Forschungsfeld und die wissenschaftliche Arbeitsweise vermitteln. Ob CS diesen Anspruch aber tatsächlich erfüllt, ist bislang nur wenig erforscht. Auch das Fledermaus-Projekt hat deshalb noch eine weitere Ebene.

„Die Bürgerwissenschaftler helfen uns dabei, mehr über ihr Forschungserlebnis herauszufinden“, erklärt Miriam Brandt. „Sie beantworten Fragebögen und zeigen sie uns, was sie aus dem Projekt mitgenommen haben. So tragen sie dazu bei, bürgerwissenschaftliche Projekte in Zukunft so zu gestalten, dass die Teilnehmer optimal davon profitieren.“ Zum Team gehören daher neben Naturwissenschaftlern auch ein Bildungsforscher und eine Sozialpsychologin.

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