Anschlag durch Zufall verhindert
Anis Amri wollte sich im Gesundbrunnen-Center in die Luft sprengen

Das Gesundbrunnen-Center ist vor zweieinhalb Jahren offenbar einem geplanten Terroranschlag entkommen. Die Polizei hat das Massaker wohl eher zufällig verhindert.

Der hochexplosive Sprengstoff TATP (Triacetontriperoxid) lag schon bereit, und Anis Amri, der Attentäter vom Breitscheidplatz,  soll sich Ende 2016 laut Handydaten-Auswertung bereits rund 40 Minuten im Gesundbrunnen-Center umgeschaut haben. Einen Tag, nachdem auf einem Instagram-Konto, das Amri und seine Komplizen Magomed-Ali C. und Clément B. zur konspirativen Kommunikation nutzten, neben Dschihadisten-Propaganda auch ein Foto des Gesundbrunnen-Centers gepostet wurde. Das ergaben jüngste Recherchen der Berliner Morgenpost, des rbb und des ARD-Politikmagazins Kontraste nach Einsicht der Ermittlungsakten des Generalbundesanwalts.

Demnach war der Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz ursprünglich nicht das Anschlagsziel, sondern das Gesundbrunnen-Center. Der Sprengstoffanschlag soll langfristig geplant gewesen sein. Die Polizei wusste davon nichts. Auch dass Amri das Center bereits erkundet hatte, blieb von den Sicherheitsbehörden unbemerkt. Die Standortdaten von Amris Handy wurden erst nach dem Breitscheidplatz-Anschlag ausgewertet.

Laut Ermittlungsakten hat die Polizei den konkreten Anschlag eher zufällig verhindert. Anti-Terror-Fahnder wollten am 26. Oktober 2016 die Personalien von Magomed-Ali C. überprüfen und klingelten an seiner Tür. Der im vergangenen Jahr festgenommene russische Islamist galt als radikal und gewaltbereit und wurde observiert. Dass die Polizei in der Wohnung war, hat das Trio offenbar aufgeschreckt. Laut Ermittlungsakten gaben die Islamisten die Selbstmordanschläge im Gesundbrunnen-Center auf. Das geht aus abgehörten Telefongesprächen von Clément B. mit seinem Vater nach seiner Festnahme in Marseille hervor. Wäre die Polizei nicht gekommen, hätten Anis Amri und seine Komplizen sich in die Luft gesprengt, soll Clément B. gesagt haben.

Nach dem gescheiterten Anschlag hat sich Amri zum Alleingang entschlossen. Am 19. Dezember 2016 kaperte er einen Truck, tötete den Fahrer und raste mit dem Sattelschlepper in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Elf Menschen kamen ums Leben. Anis Amri wurde auf seiner Flucht am 23. Dezember 2016 in Mailand von Polizisten erschossen.

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