Gesellschaftshaus ist verloren
Bei Abbrucharbeiten wurden Festlegungen der Denkmalschutzbehörde ignoriert

Mit einem Greifer wird das erste Obegeschoss abgerissen. Teile sollten eigentlich erhalten bleiben.
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  • Mit einem Greifer wird das erste Obegeschoss abgerissen. Teile sollten eigentlich erhalten bleiben.
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Eine rund 100 Jahre alte Grünauer Gaststätte ist jetzt Geschichte. Beim vom Bezirk genehmigten Teilabriss an der Brandruine des Gesellschaftshauses gingen die Bauleute deutlich über das genehmigte Maß hinaus.

Bereits am 23. Juli, wenige Tage nach dem Brand, bei dem ein Teil der Gaststätte stark beschädigt wurde, hatte die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks einen Teilrückbau genehmigt. Darin war festgelegt worden, welche Gebäudeteile erhalten werden müssen. Unter anderem, dass die straßenseitige Fassade unter Erhalt der Bausubstanz bis zur Fensterbrüstungshöhe des ersten Obergeschosses abgerissen werden solle.

Schon kurz nach dem Anrücken der Baumaschinen am 5. August war davon keine Rede mehr. Anwohner konnten beobachten, dass das gesamte erste Obergeschoss an der Regattastraße mit einem Greifer heruntergerissen wurde. Abgeordnetenhausmitglied Robert Schaddach (SPD), der selbst dort war, rief die Polizei. Dadurch wurden die Abrissarbeiten mehrere Stunden unterbrochen. Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde eilten vor Ort.

Am Ende des Tages war vom Gesellschaftshaus nur noch in trauriger Rest übrig. „Es zeigte sich, dass Abbrucharbeiten abweichend von der erteilten denkmalrechtlichen Genehmigung ausgeführt wurden“, teilte der zuständige Stadtrat Rainer Hölmer (SPD) in einer ersten Stellungnahme mit. Der örtliche Bauleiter des Grundstückseigentümers habe ohne Rücksprache eigenmächtig über eine Erweiterung des Abbruchs entschieden, da dies aus statischen Gründen nötig gewesen sei. „Durch den Bauherren sind jetzt Berichte zum Fortgang der Rückbaumaßnahmen zu erstellen und unserer Denkmalschutzbehörde vorzulegen. Erst dann kann festgestellt werden, ob die Entscheidung angemessen und berechtigt war. Dann entscheiden wir über das weitere behördliche Vorgehen“, so Rainer Hölmer.

Bei den Grünauern hinterlässt der Umgang mit einem Baudenkmal einen faden Beigeschmack. Und auch der Bezirksdenkmalrat vermisst Transparenz. „Wir haben von der durch den Bezirk erteilten Genehmigung zum Teilabbruch erst durch eine Pressemeldung erfahren“, ärgert sich Stefan Förster, Vorsitzender des Bezirksdenkmalrats.

Nach Aussage des Investors Terragon soll das Projekt einer Seniorenresidenz fortgeführt werden. Die ebenfalls einbezogene benachbarte frühere Gaststätte „Riviera“ wurde beim Brand am 16. Juli nicht beschädigt.

Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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