Martin-Riesenburger-Straße: Zusatztafel nennt Lebensstationen des Rabiners

Die Tafel am Straßenschild benennt Lebensstationen von Martin Riesenburger.
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Hellersdorf. Nach Martin Riesenburger wurde bereits 1987 eine Straße benannt. Seit Mitte April erläutert eine Zusatztafel am Straßenschild an der Ecke Mark-Twain-Straße die Bedeutung des Rabbiners für Berlin.

Martin Riesenburger war einer wenigen Überlebenden des Holocaust in Berlin und er gehörte zu den wichtigsten Begründern jüdischen Lebens in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Sein Lebenswerk ließ sich bisher nicht an dem schlichten Schild mit dem Straßennamen an der Ecke Mark-Twain-Straße erkennen.

Seit Dienstag, 14. April, können Passenten hierzu auf dem Erläuterungsschild einen kurzen Text lesen, das auf dem Schild mit dem Straßennamen angebracht wurde. Bei der Enthüllung des Zusatzschildes waren neben Vertretern des Bezirksamtes und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburgische Oberlausitz auch Schüler das nahe gelegenen Melanchthon-Gymnasium anwesend.

Der wichtigste Gast der Ehrung war aber Andreas Nachama. Der Direktor der Stiftung Topographie des Terrors und Rabbiner der Synagoge "Sukkat Schalom", hat als einziger der Anwesenden Riesenburger noch zu dessen Lebzeiten getroffen und mit ihm eine lange Freundschaft entwickelt. Er konnte bewegend aus dessen Leben erzählen.

Martin Riesenburger wurde 1896 in Berlin geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg begann er ein Religionsstudium und ließ er sich zum Konzertpianisten ausbilden. Erstmals als Prediger und Seelsorger wurde er 1933 im Jüdischen Altersheim in der Großen Hamburger Straße tätig. Damals begann die Diskriminierung der Juden in Nazi-Deutschland.

Seiner Frau hatte er es zu verdankten, dass er nicht deportiert wurde. Sie konnte verheimlichen, dass sie einen jüdischen Vater hatte. So galt Riesenburger als Ehemann einer "Arierin". Als Rabbiner wurde er jedoch zu Zwangsarbeit gezwungen und erlitt andere Repressionen.

Ab Juni 1942 war er auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeine in Weißensee als Rabbiner tätig. Das ermöglichte ihm, Flüchtlingen zu helfen, heimlich Gottesdienste abzuhalten und für angemessene Begräbnisse von verstorbenen Juden zu sorgen. Er war daran beteiligt, 5000 Thorarollen und Gebetbücher vor den Nazis zu retten.

Im Mai 1945 hielt er den ersten jüdischen Gottesdienst in dem von den Nazis befreiten Berlin ab. Fortan widmete er sein Leben dem Wiederaufbau einer eigenständigen jüdischen Gemeinde. 1961 wurde Martin Riesenburger zum Landesrabbiner der DDR ernannt. Er verstarb am 14. April 1965. Auf dem Friedhof Weißensee hat er ein Ehrengrab.

Die Initiative, eine Hinweistafel an dem Straßenschild an der Ecke Mark-Twain-Straße anlässlich des 50. Todestages anzubringen, ging von der Evangelischen Kirchengemeinde Hellersdorf aus. Die Tafel wurde vom Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf gestiftet.

Harald Ritter / hari
Die Tafel am Straßenschild benennt Lebensstationen von Martin Riesenburger.
Martin Riesenburger (rechts) bei einem Chanukka-Fest um 1950. Als Rabbiner trug er zur Wiederbelebung jüdischen Lebens in Berlin bei.
Autor:

Harald Ritter aus Marzahn

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