Leser berichten über verschwundene Postsendungen

Wilfriede Soldes verpasste eine Beerdigung, weil die Einladung nicht ankam. | Foto: Wrobel
  • Wilfriede Soldes verpasste eine Beerdigung, weil die Einladung nicht ankam.
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Lichtenberg. Nach der Veröffentlichung unseres Berichtes "Briefe sind weg: Anwohner verärgert" in der Ausgabe vom 17. Februar hat die Redaktion viele Zuschriften erhalten. Leser berichten darin von weiteren verschwundenen Briefen, finanziellen und persönlichen Konsequenzen.

So manch verschwundener Brief verursacht nicht nur Ärger, sondern sorgt auch für schmerzhafte persönliche Folgen. So wie im Fall von Wilfriede Soldes aus der Strausberger Straße. Sie hat die Berliner Woche kontaktiert. Denn die Nachricht über den Tod eines Freundes erreichte sie nicht. "Im Brief war zur Beerdigung eingeladen worden. Weil der nicht ankam, konnte ich weder mein Beileid aussprechen, noch persönlich zur Beerdigung erscheinen."

Sie beobachtet seit zwei Jahren, dass immer wieder Briefe wie Geburtstagspost oder Einladungen der Gewerkschaft nicht ankommen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier die Briefzusteller die Schuldigen sind. Die hetzen ja von einem Briefkasten zum anderen und haben für nichts mehr Zeit. Ich vermute die Ursache eher im Logistikzentrum der Post", sagt die Rentnerin.

Echte Aufklärung im Dienste der Kunden fordert auch Dieter Gläser. Der Mann aus dem sächsischen Delitzsch steht als Briefmarkensammler in ständigem Kontakt mit einer Adresse in der Neustrelitzer Straße. Verlorene Briefe bedeuten für ihn auch Einbußen von Sammlerwerten. Deshalb hat er in einem für ihn besonders wichtigen Fall im Februar diesen Jahres einen Nachforschungsauftrag gestellt. Das Ergebnis war wenig zufriedenstellend: "Zuletzt soll der vermisste Brief einen Tag nach der Aufgabe in Delitzsch am 16. Februar 2016 im Logistikzentrum Berlin-Nord bearbeitet worden sein. Dann verliert sich die Spur." Gläser hat eine Verlustanzeige mit Schadenersatz bei der Post gestellt.

Anzeige erstatten

Waltraud Schmitz wohnt in Friedrichsfelde und ärgert sich ebenfalls: "Immer wieder kommen die Briefe mal gar nicht oder zu spät. Das passiert selbst bei wichtiger Amtspost." Schmitz wusste sich irgendwann nicht anders zu helfen, als eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Getan habe sich daraufhin nichts, berichtet die Lichtenbergerin. Deshalb hat sie selbst etwas unternommen. "Ich habe das Schloss meines Briefkastens ausgewechselt. Der steht vor dem Haus und ist jedem zugänglich." Verbessert habe sich die Situation seitdem trotzdem nicht.

Die Berliner Woche schilderte der Deutschen Post DHL Group die Unregelmäßigkeiten: Die bei der Redaktion eingegangenen um die 35 Zuschriften zeigen, dass Leser Dutzende Briefsendungen vermissen. "Unsere Betriebsdokumentation belegt nicht Ihre Schilderung von Dutzenden verschwundenen Briefen", schreibt Markus Wohsmann, Leiter der Pressestelle Nord. "Wir können keinerlei Auffälligkeiten bei der Zustellung und Beförderung von Briefen und Päckchen in Lichtenberg und speziell auch für das Postleitzahlen-Gebiet 13055 feststellen."

Die Zahl der Nachforschungsaufträge sei "sehr gering", so Wohsmann. Konkrete Zahlen wollte er allerdings nicht nennen. Der Sprecher erklärte sich bereit, Einzelfälle zu überprüfen, sofern Angaben zum Absender und Empfänger vorlägen. Seine Kollegin Anke Blenn empfiehlt, stets einen Nachforschungsauftrag zu stellen. Der wird an das Servicecenter Briefermittlung der Deutschen Post in Marburg weitergeleitet. Hier wird der Suchauftrag mit nicht zustellbaren Briefsendungen abgeglichen. Denn manchmal können fehlerhafte Angaben der Grund für den vermeintlichen "Verlust" sein – nie sollte deshalb die Empfänger- und die Absenderadresse fehlen.

Markus Wohsmann bekräftigt allerdings: "Eine Zustellung ist generell sicher, egal welchen Weg sie wählen." Er empfiehlt, Wertgegenstände mit sogenannten Wertbriefen zu verschicken. Verschwindet ein solcher Wertbrief, ersetzt die Deutsche Post DHL Group den Schaden – vorausgesetzt, man kann den Wert nachweisen. Laut ihrer AGB haftet die Post für den einfachen Briefversand aber nicht. KW

Lesen Sie dazu auch das Ratgeber-Interview der Verbraucherzentrale.
Autor:

Karolina Wrobel aus Lichtenberg

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